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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-05-01 · 2 (Mai 1844) · p. Seite 78

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
2 (Mai 1844)
Date
1844-05-01
Page
Seite 78 (sequence 32)
Language
German
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78 Tageöbegcbenheiten. nuffe des gemüthlosesten Rationalistrens sich labe? Jedes Osterfest bringt neue Nachricht von Beschuldigung eines an christlichen Kindern begangenen Mordes, und der verübten Ercesse von Seiten des Pöbels. Auch dieses Jahr berichtet von einem solchen Vorfälle zu Tarnow in Galizien. Es wurde daselbst, wie die deutsche A. Z. erzählt, ein Kind christlicher Eltern vermißt, und auf den Verdacht daß es von Juden umgebracht worden sei, wurden einige Häuser geschleift; zmn Glück fand man das Kind nach einigen Tagen, es hatte sich in ein entferntes Dorf verlaufen. Aber, wendet man ein, dieses fiel in Galizien vor, einem rohen uncllltivirten Lande. Doch wer erinnert sich nicht der traurigen Ereignisse zu Damaskus, und welche zweideutige Rolle damals die öffentlichen Blätter spielten. Hatte doch sogar die wissenschaftliche Hallesche Literaturzeitung zu dieser Zeit eine belobende Recension über die, in Ilgens Zeitschrift mitgetheilten Acten eines im 14. Jahrh. zu Regensburg, von den dortigen Juden begangenen Mordes an einem Christenkinde zum Behufe des Osterblutes, gebracht und die Juden ernstlich angeredet, wie sie eine solche Entrüstung über die Anklage zu Damaskus affectiren können? Arme Synagoge, armes Judenthum, von innen und von außen bedrängt! wer hat Mitleid mit dir, wer tröstet dich wenn nicht dein Gott, dein Glaube, deine ausdauernde Anhänglichkeit. -K * * - Wir schweigen von Rußland, von seiner Politik gegen seine jüdischen Unterthanen, von seinen Ukasen. Unter letzteren mag keiner härter erscheinen, als der in diesen Tagen in den öffentlichen Organen mitgetheilte, nach welchem über den, ohne Regierungserlaubniß über die Grenze schreitenden (landesflüchtigen) Juden, die härtesten Strafen (Zwangsarbeit, Verbannung nach Sibirien u. s. w.) verhängt werden; spricht nicht die Gerechtigkeit laut dafür, daß nichts Unbilliges in dem Verlangen der Juden liege, ein Land zu verlassen, wo die ausgesuchtesten Qualen gegen ihn erdacht und er an Leib und Seele geknechtet, aus seinem Wohnsitze vertrieben, und dem tiefsten Elende preisgegeben wird, wo seine Kinder ihm im zartesten Alter entrissen und in Militärschulen gesteckt werden, wo ein Ukas unumwunden die Taufe als Befreiung von der Conscription erklärt, und also Ausschluß über die feindseligen Tendenzen gibt, wo mit einem Worte sich Alles gegen den Juden, gegen seinen Glauben, gegen sein Leben, gegen sein Vermögen verschwört? Ein solches unheimatliches Land soll ihm Vaterland sein, für dessen Vertheidigung er in sich das beseelende Feuer des Kriegers fühlen, für dessen Wohl dem Tode trotzbieten und dem beschwerlichen vierzehnjährigen russischen Militairdienste, an dieses Land, das ihn auf die grausamste, unmenschliche Weise ausstößt, und ein Ukas den andern an Härte und schweren Verhängnissen übertrifft, soll er sich gefesselt fühlen? Und seine Klagen gelangen nicht zu den Ohren des Kaisers, der, wenn auch vielleicht persönlich den Juden nicht geneigt, doch gewiß in solcher Angelegenheit sich über Vorurtheile erheben und des Monarchen und der ihm zukommenden hohen Pflichten gedenken würde, und daß auf dem Throne

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