Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 76 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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76 Tagesbegebenheitc». scheuet, aus dem Lehrhause und der Synagoge ausgestoßen werden sollte, war — Knechtessinn, mit welchem man Vater und Mutter und Bruder verläßt, um sich dem Brodherrn in die Arme zu werfen. Den Vorwand mußte die angeblich nothwendige, vielfache Beschäftigung mit weltlichen Wissenschaften geben, die für das fleißige Forschen in der überkommenen, göttlichen Lehre, in der von den Vätern ererbten heiligen Sprache keine Zeit übrig ließe. Ueber Ovidii Tristia, die in ewigem Einerlei dessen selbstverschuldete Verbannung bis zum Ueberdrusse Wiederkauen, mußte der alte, treuherzige Jeremias bei Seite gelegt werden; vor den horazischen Schmeicheleien gegen den römischen Cäsar mußte der in kühnem Adlerfluge sich erhebende Jesaias mit seinen begeisterten Reden von der Erhabenheit Gottes zurücktreten; über Homer's Gesängen von griechischen Gottheiten und Heroen mußte der von göttlicher Weihe begeisterte, königliche Sänger der Psalmen überhört werden! Zu Allem war Zeit, auch die feinen, glatten, französischen Tournüren zu erlernen, nichts wurde zurückgelassen, was der bvl» tou vorschrieb, nur die hebräische Sprache, die hebräische Literatur mußte verwais't bleiben. Mögen wir von den traurigen Folgen eines solchen Treibens belehrt, zum Bessern zurückkehren, und nicht ferner das Heilige dem Profanen, das Unsrige dem Fremden nachsetzen! Möge das Studium des Judenthums wenigstens mit dem anderer Wissenschaften gleichen Schritt halten, daß die jüdischen, akademischen Bürger nicht heimisch im Fremden und fremd im Heimischen seien? (Fortsetzung folgt.) Tagesbegebenheiteil. Einige norddeutsche Zeitungen machten in letzterer Zeit sich über das Aufsehen lustig, welches zu Augsburg der Ucbertritt eines protestantischen Pfarrers zur katholischen Kirche erregt haben soll, nnd über die von dem Domprobst Allioli bei dieser Gelegenheit gehaltene feierliche Tausrede. Der Uebertritt eines Individuums, und sei es auch eines Geistlichen, von einer Confession zur andern, kann in der That gar nichts entscheiden; aber was soll man von der Jnconseguenz dieser Blätter urtheilen, die erst einige Tage vorher aus Altcnburg die wichtige Neuigkeit brachten, es habe ein polnisch-schlesischer Jude in der dortigen Hofkirche die Taufe empfangen, wobei der Hofprediger Fritsche die Taufrede hielt? Ueberhanpt wird seit einigen Jahren mit der Taufe eines Juden so sehr vor den Augen des Publikums kokettirt, daß der Jude aus den Werth, der auf solchen Erwerb gelegt wird, ordentlich stolz werden könnte. Scheint doch im Kalender ein neuer Feiertag durch einen Juden bezeichnet werden zu wollen! Der Jude Ratisbonnc