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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-05-01 · 2 (Mai 1844) · p. Seite 75

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
2 (Mai 1844)
Date
1844-05-01
Page
Seite 75 (sequence 29)
Language
German
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in unserer Zeit beschaffen sein? 75 ualität aufgegeben, leben unserm neuen Vaterlande, lieben und pflegen dessen Sprache und wollen in der Tugend des Patriotismus selbst denen nicht nachstchen, die im Vaterlande uns bevorrechtigt sind: aber die hebräische Sprache, diese unsere Jugendfreundin, in welcher unsere ewige, Aber allen Wechsel der Zeit und der Nationalität erhabene Religion uns gegeben und trotz aller Wirren des Lebens erhalten worden; sie können wir nicht ungestraft verlassen. Für den gläubigen Israeliten ist die hebräische Sprache an sich, als Form des geoffenbarten, göttlichen Geistes ein hochverehrtes Heiligthum, von dem er sich-eben so wenig als vom Inhalte lossagen kann. „Die Tafeln sind Tafeln Gottes und die Schrift ist die Schrift Gottes," wie könnte er sie mit einer profanen vertauschen? — Wir dürfen Gott in keinem Abbilde verehren, wir wollen auch sein Wort in keinem Abbilde vernehmen! In der Sprache, in welcher sich Gott zu erkennen gab, wollen wir ihn kennen lernen; in der Sprache, in welcher unser himmlischer Vater zu uns geredet, wollen wir zu ihm reden, ihn verehren und anbeten! — Der Unterricht der heiligen Schrift in einer andern Sprache würde nicht nur der religiösen Gemüthlichkeit ermangeln, die Jugend der hebräischen Sprache entfremden, sondern auch zu groben Mißverständnissen führen. Um dies zu begreifen, dürfen wir uns nur an die Hellenisten erinnern, deren ausgezeichneter Gelehrter, Philo, aus Unkenntniß des Hebräischen so weit ging, daß er aus der Uebersetzung nach griechischer Etymologie Dinge demonstrirte, von denen der Tert nicht die entfernteste Spur zeigt*). Auch hat es von jeher Israel zur Zierde gereicht, daß man bei ihm die Kenntniß der heiligen Schrift in der Ursprache allgemein voraussetzen durfte; erst der Periode der Aufklärerei war der traurige Ruhm Vorbehalten, in gespreiztem Stolze auf die Weltbildung, der Sprache der heiligen Dokumente unseres angestammten Glaubens den Rücken zu wenden und den Fleiß und den Ernst den Sprachen zu widmen, welche zeitliche Ehre, zeitlichen Gewinn brachten; den von den Masoreten durch unsägliche Sorgfalt und treue Pflege erhaltenen Tert der heiligen Schrift für die Jugend unbenutzt zu lassen, und dieser nur den beliebig verkürzten Inhalt, gleichsam der etwaigen Nachfrage wegen, auszüglich zu geben, so daß nicht der Geist der heiligen Schrift, sondern der der modernen Lehrer darin athmete. Das Motiv aber, daß die hebräische Sprache, die Tochter des Himmels, die treue Gefährtin unseres Schicksals, von den sogenannten Freigesinnten ge- *) Auffallende Beispiele davon finden fich in Frankel, Vorstudien zur Septuaginta S. 46.

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