Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 74 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend innersten Kern des Menschen, und steht mit diesem in der engsteil Wechselwirkung. Mit der Denkungs- und Empfindungsweise ändert sich die Sprache und mit dieser jene; wir erkennen und unterscheiden Zeiten, Völker und Individuen durch Sprache und Ausdruck, wie das treffliche Wort sagt: le style c'est l’homme. Schon in der, ersten Begrüßung giebt sich der Charakter kund; der praktische Engländer fragt: „how do you do?” der bewegliche Franzose: „comment vous portez vous?” der still und nachdenklich beharrliche Deutsche: „Wie befinden Sie sich?" — Daher ist auch feit je die Sprache als das innerste Ekgenthum der Völker mit Gut und Blut vertheidigt worden. Der Eingriff in die Muttersprache war es besonders, der die alten Deutschen mit Muth und edlem Zorne gegen die Römer bewaffnet, und in der schmachvollen Periode der Gallomanie war es, wo mit der französischen Sprache französischer Leichtsinn sich der Deutschen auf eine Zeit bemächtigte, und wo der beklagenswerthe Mangel an Patriotismus die deutsche Kraft spaltete und dem Feinde blos stellte. — Gilt dies im politischen, um wie viel mehr im innersten, religiösen Leben des Menschen! — Was einmal in einer gewissen Sprache gedacht, empfunden und ausgesprochen wurde, ist so unzertrennlich von seinem Ausdrucke, daß auch die gelungenste Übertragung nur als ein mehr oder minder ähnliches Abbild, als ein Schatten des Originals erscheint, welches sie so wenig vollkommen zu ersetzen vermag, wie selbst die beredteste Sprache im Stande ist, der Zaubermacht einer Musik ganz gleich zu kommen. Ein anderer Geist wehet, eine andere Anschauung herrscht in einer andern Sprache und verwischt den lebendigen Eindruck. Bewährt sich dies schon bei verschiedenen Sprachen derselben Zeit und desselben Volksstammes, um wie viel mehr, wenn Jahrtausende und Zonen dazwischen liegen! Wir fragen nur beispielsweise: Welche Sprache hüllt für den ftommen Israeliten einen so allumfassenden Geist, eine so reiche Fülle des Gemüthes in sich, um das wiederzugeben, was er bei dem heiligen, unaussprechbaren, vierbuchstabigen Namen Gottes denkt und empfindet? — Hierzu kommt, daß die hebräische Sprache als unsere unzertrennliche, treue Freundin, die mit uns entstanden, mit uns alle Stadien der Bildung und des wechselnden Schicksals durchlebt, mit uns das Eril getheilt hat, in Religion und GeschiHte ungleich wärmer, freundlicher, tröstlicher zu unserm Herzen spricht. Sie ragt hervor, als eine wehmüthige Erinnerung aus einer großen Vergangenheit, ein religiöser Einigungspunkt in der Gegenwart, eine Trostverkünderin für die Zukunft. Wir haben die Nativ-