Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 72 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Nachbemerkung des Herausgebers. an einige färb- und inhaltlose Floskeln knüpfen; wir haben in uns ausgenommen die Geschichte des Judenthums, haben seine Erfahrungen in unsere Seele geschrieben, sind durchdmngen und durchweht und durchzuckt von dem, was es seit ewiger Zeit bezeugt. Uns ist vor Allem zu chun um „das entschiedene Wohl unserer Glaubensbrüder;" was ihnen noththut, was ihnen einen Anhalt bietet, womm sie sich schaaren, was ihnen eine Gmndlage des Glaubens ist, weil sie es so in den heiligen Büchern eingesehen, es so von den Vätern von jeher erfahren, mit der Muttermilch eingesogen und mit Recht als Grundlage des Glaubens betrachtet haben, das soll ihnen unverkümmert und unversehrt und unangetastet erhalten, nicht in ihren Augen herabgewürdigt, nicht in seinem Werthe geschmälert werden. Denn was verbleibt dem Sterblichen zur Anhalt und Ausdauer, wenn das Göttliche ihm immer mehr verwässert und verdünnt wird, was dem Juden zur Ausdauer in seiner beschwerlichen, dornenvollen Laufbahn, wenn ihm ein Stein des Glaubens nach dem andern entrückt wird? Wir meinen es offen und ehrlich; wir erkennen die Lage des Juden und theilen sie und fühlen sie und sind von ihr durchdmngen, und lauschen unsren bedrängten Mitbrüdern ihre Herzschläge ab, und sehen ein „daß Menschenhilfe falsch sei", und aufgeben um Emancipation zu erlangen, weder irdisches noch himmlisches Heil bringe: „nur durch Gott thun wir Mächtiges." Es beseelt uns endlich ein aufrichtiges Stteben durch einen gemäßigten Fortschritt dem Glauben Dauer und Sicherheit zu verschaffen, ihn den schwächeren Brüdern wieder werth und theuer zu machen, die Fernstehenden mit seinen Fordemngen auszusohnen, den in ihnen glimmenden Funken anzufachen, den Glauben der Zeit und ihren Verhältnissen näher zu bringen. Darum wenden wir uns mit innigem Kummer von Reformversuchen ab, die nur Unmuth und Widerwillen erregen; durch die keine Verbesserung geboten, sondern nur eine Auslösung in Aussicht gestellt wird, die nicht den Fortsondern den Rückschritt befördern, da sie jedem Versuche bei vielen mit ihrem Glauben es redlich Meinenden den Eingang versperren, und sie vor jeder Verbesserung zurückschrecken machen, Der Reformverein ist der unglücklichste Versuch, der je gemacht wurde. Er hat sich selbst gerichtet und ist von der öffentlichen Meinung gerichtet worden. Auch diese Erscheinung bleibe nicht unbenützt; sie sei eine nachdrückliche Warnung gegen jede Uebereilung, und belehre, wie mit dein oberflächlichen Begriffe des „Reformirens" nichts gethan, wie der Gedanke mit der Aufklämng zu prunken und zu glänzen nichtig sei. Es bedarf eines innern Durchdrungenseins