Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachbemerkung des Herausgebers. 71 eines Motives gar nicht bewußt, ist das Göttliche, der Sieg des Höher», über die Materie, nicht zum Durchbruche gekommen: bei den Reformfteunden ist es ein offenes Hervortreten, ein Abschwören der Glaubcnsdogmen des Judenthums. Der Einstuß, der auch auf die bürgerlichen Fälle sich äußert, darf nicht verhehlt werden. Es sei hier nur der Fall der Eidesleistung angeführt. Der Eid wird noch in vielen deutschen Staaten (vgl. Frankel, die Eidesleistung der Juden in theologischer und historischer Beziehung) beim Pentateuch und unter Admonition des Rabbiners, vom Juden geleistet. Es wird unsere neue der Presse übergebene Schrift „Der Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte" darthun, daß auch Jene, die äußerlich nach manchem Ritualgesetze sich nicht halten von dieser Art der Eidesleistung nicht ausgeschlossen sind, und ihr Eid rechtskräftig bleibt. Hingegen liegt dem Rabbiner keinesfalls die Verpflichtung ob, jene das Judenthum Negirende zu admoniren, noch ist die Eidesleistung more judaico bei ihnen anzuwenden. Möge eine Ausnahme zu ihren Gunsten gemacht werden, mögen sie ohne alle Formen und Formeln ihren Eid ablegen; dieses ist der weltlichen Obrigkeit überlassen, die hier einen Ausweg wird finden müssen. Es bleibe hiermit die Glaubwürdigkeit Jener unangetastet, gegen ihre Rechtlichkeit keine Insinuation, keine gehässige und ehrenkränkende Anschwärzung; aber sie gehören uns nicht an, können nach unserer Weise - nicht beeidet werden, stehet der jüdische Geistliche zu ihnen in keiner nähern Berühmng, so wie der Pentateuch selbst ihrer Erklärung gemäß aufgehört hat ein göttliches Buch zu fein.. Es hat ihr Heraustreten aus dem Judenthume noch viele andere Folgen fiir das religiöse und sociale Leben; für konfessionelle Beziehungen, für Gottesdienst, für — doch die Feder entsinkt hier der Hand. Wir wollen den Folgen dieses unglückseligen, voreiligen Reformversuches nicht weiter nachforschen; die Zeit der Ausschließung und der Ercommunicationen ist glücklich vorüber; wer nicht fteventlich hinaustritt, der wird wahrlich nicht hinausgestoßen, und wer auch freventlich ausgetreten, er kann wieder hereinkommen. Nein! wir sind nicht Schlangen, die Gist spritzen, weil man ihnen auf den Kopf tritt (wie die Reformfreunde in einem ihrer Programme sagen). Die fiir den Glauben in die Schranken tretenden Volkslehrer kämpfen offen und ehrlich; uns ist es zu thun um Erhaltung, und nicht soll das Judenthum sich auflösen, nicht durch unbesirgte Versuche sich zersplittern, und aus ihm das Gefiihl für Göttliches und der göttliche Geist entfliehen; wir kämpfen fiir Gegenwart und Zukunft und wollen Heiliges bewahren und es weiter übergeben und nicht das Bestehen