Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744861--0086-2745025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 Nachbemerkung des Herausgebers. eine Obrigkeit von Proselytenmacherei entfernt ist, und ste jeder Confession gern das Ihrige zukommen läßt, und was derselben heilig ist achtet, wo eine Obrigkeit nicht mit Wohlgefallen unter dem Scheine der Humanität einer Entzweiung und Parteiung und Zerfleischung zustehet, wo die hohe Staatsbehörde, wie in Oesterreich — und der Verfasser sagt es mit Stolz — in Sachsen für die Erhaltung eines ftommen, konfessionellen Sinnes durch Ueberwachung und Beförderung des Religionsunterrichts Sorge trägt, und hierzu anhält, da wird ein solches Verlangen, das von einer Religionsbehörde als Erfüllung einer chr obliegenden Verpflichtung gestellt wird, nicht zurückgewiesen werden; werden die hohen Behörden, was dieser Confession geheiligt ist, berücksichtigen; werden sie nicht ein solches Ablösen und Auflösen billigen, das keinesfalls zu einer lebendigen Ueberzeugung, sondern zu dem verwerflichsten Materialismus ssihrt, und wenn es sich weiter verbreitet zum Ertödten jedes höhern, göttlichen Gefühles; werden ste njcht das Feuer schüren und sich an dem Anblicke der über den Juden zusammenbrechenden Flammen weiden, nicht die ungemeine Confusion, in die diese Glaubenspartei gerathen muß, durch ein „humanes Vonstchschieben" begünstigen: werden ste vielmehr, da der Vater ungerecht gegen sein Kind handelt und dessen Zukunft bedroht, die Forderung der Confession, der-dieses Kind noch weiter angehören soll, nicht von sich weisen. Wir kommen nun auf die Frage zurück, welche Stellung das Judenthum gegen Jene einnimmt, die es nach ihrem Principe ganz negiren? Es ist der Liberalismus oft sehr einseitig und verfährt in seiner einmal gefaßten Ansicht mit einem Fanatismus, wie ihn die finsterste, unduldsamste Hyperorthodorie kaum kennt. Er trägt nicht sellen in seinem Paniere die Inschrift: „Wer nicht für mich, der ist wider mich;" und je mehr mancher Liberale für sich erlaubt hält, desto weniger gestattet er seinem Gegner. Auffallende Inkonsequenz! Der Liberalismus hat doch zur eigentlichen Inschrift: „ Jedem das Seinige!" — Diese Reformfreunde sind aus dem Judenthum getreten; wir fordern für ihre Person keine Rechenschaft hierüber, und halten uns auch, da nach der Freiheit des Willens Jedermann über sich selbst entscheidet, nicht hierzu berechtigt. Hingegen soll auch unser Recht, mit der Wahrheit hervorzutteten, Anerkennung finden. Sie negiren das Judenthum, haben sich von ihm moralisch loögesagt und gehören, so sie in ihrem Bekenntnisse beharren, nicht zu ihm. Sie können, wie das vorhergeheirde Gutachten und das anderer Theologen bewiesen, sich keinensalls auf Jene bemfen, die mehreren Geboten entgegenhandeln. Letztere werden nicht durch antireligiöse Motive getrieben, sind sich oft