Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 63 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachbemerkung des Herausgebers. 63 gebnndenheit und des Hingebens an das Materielle und den Genuß bedarf, eine Errungenschaft der Wahrheit zu erblicken. Sonderbar genug ist es, daß diese Herren sogar ein Martyrerthum ans ihrem Bezeugen affectiren wollen, und „wie sie, wenn auch für die bürgerliche Gleichstellung daraus Hindernisse entstehen könnten, doch der Wahrheit dieses Opfer zu bringen sich gedrungen sähen." Als wenn es ihnen nicht von vorn herein um diese Gleichstellung zu thun gewesen, als wenn der dritte Nichtglaubensartikel des Messias nicht offenbar diese Absicht zur Schau getragen hätte. Aber freilich hingen die Trauben zu hoch! Die Verweigerung der Emancipation gilt nicht dem rabbinischeu Judenthum, gilt nicht dem Glauben, sondern hat, wie männiglich bekannt ist, einen ganz andern Ursprung. Das Ausgeben und Bezeugen um Rechte zu erlangen kann höchstens beitragen, daß das Unrecht der Verweigerung, dessen man sich, so sehr man es zu bemänteln strebt, bewußt ist, als Recht angesehen werde; daß gegen den Juden ein Gefühl gerechter Verachtung erwache, da er sein Palladium „ Ausdauer und Höherstellung des Glaubens über alle weltlichen Interessen" so schmählich und voll verwerflicher Gesinnung von sich stößt. Diese Reformer hatten übrigens eine Satissaction, da wie sie sagen, „ihre Frankfurter christlichen Mitbürger ihr Auftreten mit entschiedenem Beifalle ausgenommen," auch werden sie zu ihrer Befriedigung wahrgenommen haben, wie die Augsburger A. I. den von ihnen ausgehenden judenfeindlichen und Zudenthüm schmähenden und dcnuncirendeu Artikeln bereitwillig ihre Spalten geöffnet; sie hatten Gelegenheit auch noch von anderen Seiten, wo mau entweder das Judenthum schon verrathen hatte oder mit Berrath an demselben umging, Vertheidiger zu finden; sahen ferner dort, wo man sich an dem Verfalle des Judenthums weidet oder die Uneinigkeit und Nichtgläubigkeit in dem Schoße desselben für ein Bezeugen, aber freilich in einem andern Sinne ausposaunt, ihr glorreiches Streben mit Beifall gekrönt. Und um solchen schnöden Lohn dienen sie, dieser Applaus berauscht sie, rufen sie frohlockend aus, sie haben sich in ihren Erwartungen nicht getäuscht, verkennen, daß das freundliche Zulächeln der Entzweiung, der Herabsetzung des Judenthums gilt, sie selbst aber die Verachtung trifft, die Jeden, der sich zum Verrathe an Glauben und Glaubensgenossen hergibt, unausweichlich ergreift und selbst in den Augen des Feindes ihn zu einem Gegenstände der Geringschätzung macht. In diesem Vorgefühle ihrer Schmach spielen sie die Edlen, die auf die bürgerliche Gleichstellung verzichten; wagen sie sogar von ihrer „Pietät" zu sprechen, von ihrem Beharren im Judenthum, dem sie in jeder