Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 62 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Nachbemerkung des Herausgebers. keit des Moseöthums, nicht eine Offenbarung anerkennen; sie suchten nirter der faltenreichen, jede Gestaltung annchmenden Formel der „Fortbildung" jedem ernsten Angriffe auszuweichen, hier die Philosophen, dort die Gläubigen zu spielen, hier mit ihren christlichen Mitbürgern, denen sie als aufgeklärte Juden gelten, dort mit Juden, aus bereit Mitte sie recrutiren wollen, zu liebäugelit. — Sie haben sich mühsam durch diesen Schraubengang durchgewunden, siitd beeilt gewesen über diesen Punkt so schnell als möglich wegzuschlüpfen, und den Mosaiömus finden zu lassen, wo wir ihn finden wollen, sei es im Pantheismus, auch hiermit ist einer ihrer Koryphäen einverstanden; doch nun gelangen sic an das Bezeugen. „Der Talmud ist nicht bindend, und sie sagen sich von ihm los." Als wenn Moses und seine Gebote für sie bindeird wäre, und sie sich zu ihm bekennteir! Im ersten Satze haben sie nur verborgen negirt; beim Talmud, wo sie auf größere Sympathien zu treffen hoffen, sind sie. die Glaubens- und Wahrheitshelden und treten offen hervor. Doch welche Grenze habet Ihr zwischen Mosesthum und Talmud gezogen? Wo hört jener auf, und wo begimrt dieser? Was ist Talmud, und wovon saget Ihr Euch los? Es hat der Talmud die trefflichsten Lehren aufgestellt über Kindesliebe und die Pflichten gegen Eltern, es hat das tälmudische Judenthum die trefflichste Belehrung gegeben über Erfüllung der Liebespflichten, die ein köstliches, unübertreffbares Kleinod in seinem Schatze ausmachen; dieses Judenthunr hat eine Sittlichkeit und Keuschheit zu Stande gebracht, die ihm auch von seinen erbittertsten Feinden zugestanden wird: und von diesem Allen saget Ihr Euch los und haltet ein solches Bezeugen für einen Triumph? Ihr wollet eine Fortbildung des Mosesthums und gebet also seine historischen Momente nicht ganz auf; Ihr feiert seine Feiertage, nur fasset Ihr sie geistig als Erinnerungen unb wollet nicht die strenge Enthaltung; wornach berechnet Ihr sie, nach dem Mondcalenver des talmudischen Judenthums oder nach dem Credncr'schen Sonnenjahre? Hierüber so wie über vieles Andere mußtet Ihr doch eine Meinung abgeben als Ihr bezeugtet, daß das rabbinische Judenthum gestorben und Ihr es nun öffentlich zu Grabe bestatten wollet. Es handelte sich nicht nur um ja und nein, sondern um „was denn;" nur die tiefste Unwissenheit, nur ein unbegrenzter Leichtsinn und die vagste Oberflächlichkeit konnte sich vermessen, in solchem kindischen Treiben ein Bezeugen darzulcgen, konnte wähnen, in einem plan- und gedankenlosen „ich glaube nicht" eine Manifestation des Glaubens und Denkens und Forschens auszusprechen, in einem Bekenntnisse, zu dem es höchstens einer grenzenlosen Un-