Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Gutachten iU’cT den Refvrmverein. 59 Wenn aber der Verein die nnendliche Fortbildung dahin versteht, daß der Mosaismns in eine Religion ohne Gott und Vorsehung, ohne Glauben und Hoffen, ohne Pflichten und Gebote verkehrt werden könne, so ist das ein Jrrthnm, den die nicht seme Zukunft als solchen widerlegen wird. Die klingende Phrase ist aber ein unschuldig Spiel, das den von ihrem Klange Bezauberten unverkümmert verbleiben soll. — Was aber vorzugsweise der mosaischen Religion diese Fortbildung sicherte in dem von uns hier ausgesprochenen Sinne, ist das „verwerfliche Cerimonial", — es bot die festen Haltpunkte, an denen die zur Gemeinde Gehörigen sich als solche im Zusammenhänge mit einander, wie mit derr Grundgedanken und Wahrheiten des Judenthums erkannten, wie verschieden auch Ansicht und Denkart durch die anderweitigen Bildungsmomente der Zeit sich gestalteten. Daher jene merkwürdige Einheit und Festigkeit des Gesammtbewußtseins, sowohl unvergleichlichen Leiden und Verfolgungen, als der — dem Literaturkundigen — wohlbekannten Differenz der Ansichten gegenüber. Und diese Einheit sollte das Judenthum der Gegenwart nicht anfgeben! Daß der Talmud keine Autorität fiir den Verein ist, enthält eine Rcticenz, und ist — zur Verblendung der Schwachen ausgesprochen! Der Verein, der die Bcschneidung abrogirt, die jüdischen Gebote verwirft, den Mosaismus als „das Höchste, wozu die Abstraction bei jenen Urvölkern sich emporschwingcn konnte" — erkennt, also nicht als geoffenbarte Lehre — warum verwirft er die Autorität des Talmud, und schweigt von der ebenfalls verworfnen Autorität der heiligen Schrift? — Das ist wieder der oben bemerkte üorror veri! Was die Aeußerung über die Zukunft des Judenthums betrifft, so stellen wir — dem Standpunkte des Judenthums gemäß — diese der Vorsehung anheim, glauben aber nicht, daß sie nach dem Bekenntnisse der Menschen über das, was sie wünschen und hoffen oder nicht wünschen, ihren ewigen Plan ändere. — Wie der Verein, der die Propheten für sich anführt, wo cs ihm taugt, mit ihnen gebahrt, da, wo sie nicht in seinem Sinne reden, wissen wir nicht. Aber an eine freudige Zukunft Israels zu glauben, zwingt uns seine trübe Vergangenheit, vieles Schmerzliche in der Gegenwart, — die wunderbare Fortdauer des Volkes — vor Allem aber das Wort der Verheißung Jer. 31, 35, 36. — Bilder aber von dieser Zukunft machen wir uns nicht, und weisen alle phantastischen, legcndcnartigen Ausführungen und Ausschmückungen von uns, belehrt von dem großen >md edlen Maimonides. (Ende Hilch. Melachim).