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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-05-01 · 2 (Mai 1844) · p. Seite 58

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
2 (Mai 1844)
Date
1844-05-01
Page
Seite 58 (sequence 12)
Language
German
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38 Gutachten über den Reformverciu. theilhaft bleibe. Wvllt Ihr nicht in ihrem Kreise verharren,-so muß sie, die Vielgeprüfte, auch noch darein sich finden; aber sich selbst 'aufgeben, um Euch nicht aufzugeben, sich selbst verleugnen, weil Ihr sie sonst verleugnen würdet — das — sehet Ihr, ist gegen die gemeiire Billigkeit, wäre ein schmähliches Verratheil der heiligen Idee, die sie als die Seele ihres Bestandes und ihrer Bedeutung erkennt! Wie Viele es auch deren geben mag, die die Gebote des Judenthums im Leben übertreten, so liegt in dieser Nichtbeobachtnng ihrerseits keine principmäßige Ableugnung der verpflichtendeil Kraft derselben. Schwäche und Gedankenlosigkeit, Unkenntniß und Mangel an Ernst haben daran ihren wesentlichsten 'Antheil, nild cö gibt sür Solche dennoch der Berührungspunkte mit dem Judenthume viele, durch die sie mit demselben in Verbindung bleiben. Diese „Inkonsequenz", wie der Verein sie nennt, ist ehrenwerther, als die von ihm erstrebte und zum Ausgangspunkte benützte „Consequenz." Denn diese hat zu ihrem Inhalte die Erklärung an die Synagoge: da wir in so vielen Punkten uns Dir abgewandt, so wollen wir auch in dem Wenigen, oder dem Einzigen, das uns bisher mit Dir zusammenhielt, — wie z. B. der Beschneidung — uns ablösen. Die Anderen dagegen bezeugen cs, daß sie mit ihrer Nichtbeobachtung der jüdischen Satzungen eben keine Ablösung von der Gesammtheit beabsichtiget; (Vgl. hierzu lur Orach Chajim §. 385. u. Ture Sahab zu O. Ch. eod. I. Erubin fol. 69 a. Die Ausführung unterbleibe hier der Kürze wegen) sie haben die Grundlehren der Offenbarung darum-nicht in Abrede gestellt, und sind zudem als freie sittliche, der Belehrung lind Ueberzcugung zugängliche Meilschen jeden Augenblick in der Lage, das bisher als gleichgiltig und bedeutungslos Erachtete als ein Bedeutsames zu erkennen und zu beobachten! lieber die drei Sätze des Vereins ist schließlich noch zu bemerken, daß die unbeschränkte Fortbildungsfähigkeit der mosaischen Religion nicht erst von dem Vereine ausgesprochen werden durste; deim die Geschichte von bald vier Jahrtausenden bezeugt sie. Die Lebenskraft des Judcnthums hat sich bewährt darin, daß es, seinem Grundgedanken unverbrüchlich treu, die Einflüsse der Bildung und Gesittung seiner jeweiligen Umgebung, an sich nicht dumpf und gleichgiltig vorüberziehen ließ, in der Elasticität und Regsamkeit, mit der das alte Erbe und Eigenthum geschützt, aber auch die Früchte neuer Erkenntniß gesammelt und gepflegt wurden. Und auch in der Gegenwart und Zukunft wird es diese Macht bewähren, daß es ebensowenig sich selbst aufgibt, als der Bildung und Wissenschaft der Zeit sich verschließt. —

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