Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 2 (Mai 1844)
- Date
- 1844-05-01
- Page
- Seite 55 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gutachten über tcn Rcformvercin. 55 rückhaltlos das letzte Wort ausgesprochen; aber auch wiederuin seinen Standpuickt nicht genug verhüllt, daß nicht wenigstens Sinn und Absicht sich errathen ließe. Es ist die „Wahrheit", der in Israel eine Gemeinde gegründet werden soll, die Auflösung der Idee der Offenbarung und der durch sie gesetzten Lehren in eine optische Täuschung des Selbstbewußtseins, — in die Erkenntniß, daß „alle Theologie — 'Anthropologie" sei, — daß der Geist, au das Ziel und Ende seiner langen Irrfahrten gelangt, es einsieht, wie er, durch ein sonderbares Blendwerk berückt, die Erfahrungen seiner selbst als eine von anßenher an ihn ergangene Manifestation des Göttlichen angenommen; es ist die reine Negation, die alle positive Religion als solche aufhebt, diese als die unreife Gestalt, als die Puppe, aus welcher der Schmetterling der Autonomie der Vernunft, in buntester Farbenpracht sich losgenmgen, von sich wirst und am Wege liegen läßt. — Der Verein, der in seinem Programme ungefähr dergleichen zu verstehen gibt, sollte zu der Höhe des wissenschastlichen Bewußtseins, die er in diesen und ähillichen Aenßerungen darzulegen sucht, nur noch die Redlichkeit Hinzuthun, und was den Kundigen und Wissenden in seinem Kreise unmöglich entgehen kann, bekennen und aussprechen, daß eben einer solchen Ansicht gegenüber kein Judenthum mehr möglich ist, so wenig als irgend ein Positives, nicht aber behaupten, dennoch im Judenthuine zu verharren, und schon in der Wendung: „daß die Wahrheit eine Gemeinde habe iil Israel" eine Unwahrheit, ein in sich Widersprechendes hinstellen; denn diese „Wahrheit" kennt eben kein „Israel", sie ist eben die Verneiiumg alles Historischen, Ueberlieferten, also eben dessen, was „Israel" eben zu „Israel" macht. — Wenn hier nicht auf der Seite des Vereins Verblendung über sein eignes Wollen obgewaltet, so müssen wir sagen, daß er wissentlich und vorbedacht die Schwachen und Gedankenlosen zu verblenden ausgegaugen, und weil er gefiirchtet, mit dem Aussprechen des letzten Wortes die Popularität zu verlieren, so hat er, der „Held und Ritter der Wahrheit," die Unwahrheit zum Verbündeten erkoren, da, wie es scheint, der Satz, der Zweck heilige die Mittel, auch in den äußersten Liberalismus seinen Weg gefunden, und wo es taugt, ist ihm außerhalb der unsaübren Stätte seiner Geburt die willige Aufnahme nicht verweigert worden. Wie nun dem Vereine die bloße Beitritts-Erklärung durch die Unterschrift genügt, und derjenige, der sie geleistet, urplötzlich in ein Mitglied der Gemeinde der Wahrheit umgewandelt wird, so gilt die