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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 44

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 44 (sequence 43)
Language
German
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44 Necensiouen. das als Gemeingut unzähligen Tausenden seiner Verehrer und Bekenner das theuerste, ehrwürdigste Erbtheil war, das nicht einigen Gelehrten nur oder einem gewissen Orden angehörte, sondern mit dem Jedermann, durch ein religiöses Gebot hierzu verpflichtet, sich befaßte, das mit der scrupulösesten Ängstlichkeit bewahrt wurde, Ln welchem man jeden Buchstaben, jeden Punkt für göttlich und unantastbar hielt, dessen Abschreiber ihr Amt als ein heiliges ansahen und fich dazu mit frommer Weihe vorbereiteten und an Diele, oft bis in's Minutiöse gehenden Regeln hielten: ein solches Buch muß nach einem andern Maße gemessen werden, als Schriften, die in seltnen Manuscripten aufgefunden wurden, Schriften die in den Händen weniger Gelehrten waren und ihnen allein verblieben; bei denen die Abschreiber nur als Tagelöhner dienten und ihre Arbeit als profan ansahen, die sie nach dem erhaltenen Lohne zumaßen, Schriften deren Studium nicht mit heiliger Sorgfalt betrieben, ja durch längere Zeit sogar verabscheut wurde: hier mochte freilich Unwissenheit von der einen und Sorglosigkeit der Abschreiber von der andern Seite viel verderben. — Wir sprechen hier natürlich nur von der Terteskritik des A. T.; die höhere Kritik, die über die Theile der Schrift, ihr Entstehen und Alter urtheilt, hat ein anderes Gebiet, und verfolgt andere Bahnen, an denen zwar auch manche zur Ercentricität sich hinneigende Meinungen ihren Antheil haben; doch pflegt hier wehr an der Hand der Wissenschaft zu Werke gegangen zu werden und ist der Jrrthum, da dieses Gebiet leichter zu übersehen und die gründliche Forschung auf minder ermüdende Einzelnheiten stößt, auch leichter zu berichtigen. Die höhere Kritik hat ein hohes Alter: schon in den Midraschim sind manche Winke hingeworfen, die ob ihrer Kühnheit in Erstaunen setzen; und auf der Seite der Kirchenväter stehet Theodoret mit einer über sein Zeitalter weit hinausreichenden Kritik oben an, zu schweigen von den scharfsinnigen Gegnern Celsus und Porphyr. Später tritt bei den Juden Jbn Esra in seinem Commentar, obschon geheimnißvoll, wie er überhaupt sich in Geheimnisse zu hüllen liebte, mit kritischen Conjecturen hervor, die Spinoza in seinem theologisch-politischen Tractat ausführlich besprach. Aus den bei Jbn Esra angeführten Schriftstellern erkennt man ferner, wie die höhere Kritik bei seinem Zeitalter und schon vor ihm Wurzel gefaßt hatte. Bei den christlichen Theologen war sie indessen ganz erloschen, und kam sie im 16. Jahrh. als absichtliche Terteskritik wieder zum Vorschein. Sonderbar genug ist, daß gerade von Seiten der tiefsten Orthodorie, vom Katholicismus, die Behauptung der Unechtheit und Corruptheit des hebräischen Tertes für nöthig erachtet wurde. Die Protestanten bestanden nämlich darauf, daß um die Schrift in ihrer Wahrheit zu vernehmen, man vom Kirchenglauben zu ihr selbst, zu einem gründlichen Bibclstudium zurückkehren müsse. Daher das Streben von katholischer Seite den Bibeltert ob seiner Corruptheit als ungenügend, als unsichern Leitfaden darzustellen, so daß nur die Tradition, der Kirchenglaube, aushelfen ckann. Es theilten aber auch die protestantischen Theologen sich bald in zwei Lager, deren manche für, andere gegen den

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