Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 39 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagesbegebenhkitcn. 39 die Emancipation gehemmt werde, weil man daraus auf eine Nationalität der Juden folgern würde (!), abgelegt werden. Mberhaupt darf der gerechte Wunsch nach Emancipation sich nicht in Emancipationsschwindel umwandeln, und ihm Glaube und Heiligthum und religiöses Gefühl geopfert werden. Wir wollen als Juden emancipirt fern; geben wir das Judenthum auf, dann sind Vereine und Bemühungen überflüssig, und ist die große Heeresstraße geöffnet. Wir fühlen aber auch als Juden mit unfern Glaubensgenossen mit um so größerem Rechte, als diese grausame Maßregel dem Glauben gilt. Darum kann nür Achtung dem wackern Oberrabbiner zu Posen, Herrn Salomon Eiger gezollt werden, der für die leidenden Brüder in Rußland Ln die Schranken tretend, nach Berlin ging, um die Vennittelung des Königs von Preußen anzuflehen, und daß der erhabene Monarch sich für die Unglücklichen verwende. Herrn Eiger wurde oft zum Vorwürfe gemacht, daß ihm die moderne Bildung abgehe, aber er ist ein Rabbiner der antiken Thatkraft) er hat sich seinen Kreis im Leiden mit seinen Brüdern und im regsamen Streben nach Abhilfe vorgezeichnet. — Auch der Königsberger wie der Berliner isr. Gemeinde-Vorstand haben gerechten Anspruch auf achtungsvolle Anerkennung: ersterer durch seine lebhafte, wenn auch erfolglose Verwendung in Petersburg selbst) letzterer durch eine — wie die Deutsche Allg. Zeitung meldet — in gleicher Absicht wie Herr Eiger, an den König überreichte Bittschrift. Das Resulat ist noch nicht bekannt) doch wie es sich immer gestalte, es 'ist eine Manifestation von Seiten einer der gebildetsten und zahlreichsten Gemeinden dargelegt worden, wie das Schicksal ihrer Glaubensgenossen ihr nicht gleichgültig, und das Gefühl für den Glauben - nicht in jenen engherzigen Emancipations-Egoismus untergegangen sei. . * * Herr Cahen zu Paris soll, nach dem Journal des Debats, mit einer Übersetzung des Talmuds umgehen. Wie nutzlos ein solches Unternehmen sei, und wie es auf keine Weise die Wissenschaft fördere, ist von allen mit diesem Werke Vertrauten anerkannt. Der Talmud bedarf einer eigenthümlichen Auffassung, und kann sein Geist durch keine Uebertragung je wieder gegeben werden, so wie seine Gedrängtheit, die Prägnanz des Ausdruckes, seine Methodik nur dem begreiflich ist, der von frühester Zeit sich mit ihm befaßte. Eine Übersetzung des Talmuds muß entweder ungemeinen Schwulst oder unverständliche Kürze bringen) in diesem wie in jenem Falle ist für die Wissenschaft hier kein Gewinn, da nur selten ein Leser sich finden wird, der das Werk durchmachen und es mit der Gründlichkeit, die ein solches nach Begriffen und Zeitansichten und veränderten Lebensverhältniffen so sernliegendes Studium erfordert, auffassen wird. Solche Uebersetzungen verschwinden gewöhnlich spurlos, und sind höchstens nur Jenen erwünscht, die aus ihnen den Unrath der Verachtung der Juden und den Vorwurf der Sinnlosigkeit des Talmuds schöpfen wollen.