Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 37 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Tagesbegebenheiten. 37 der Rechte erstreben sollen. Ein Presbyterial-Verhältniß, welches dem Senate vorgeschwebt zu haben scheint, findet zur Zeit nicht statt und haben die Vorstände nach ihrer jetzigen Zusammensetzung auch nicht die Berechtigung hierzu. Nach dem Presbyterial-Verhältnisse müssen die Geistlichen der Confesfion bei Berathungen über religiöse Angelegenheiten Sitz und Stimme haben, und bilden in solchen Fällen Geistlichkeit und Vorstand nicht getrennte Körperschaften, sondern entscheiden gemeinschaftlich. Der Senatconsult ist also auch in dieser Hinsicht unrichtig, da er nicht auf eine Hinweisung des Rabbiners vor den Vorstand, sondern auf gemeinschaftliche Berathung und Beschlußnahme des Rabbiners und Vorstandes hätte lauten müssen. Aber auch in dieser Gestalt wäre er ungründlich, da, wie erwähnt, die Vorstände zur Zeit nicht als Presbyterien angesehen werden können, und die Glieder dieser Collegien von ihren Committenten nicht in solcher Absicht gewählt werden. Es gehet ihnen also das Recht der Vertretung, auf welches allein die Presbyterien basirt sind, ab und würden sie hierdurch ihre Vollmacht überschreiten: ein Mißbrauch, der doch wohl von keiner oberen Behörde anempsohlen werden soll. — Wie man nun von der Frankfurter Reformfrage urtheile, so ist hierin kein Gewinn für die gute Sache zu erblicken: möge der jetzige Vorstand sich zum Fortschritte Hinneigen und die Reformer auf seine Unterstützung rechnen dürfen, so könnte bei einem Vorstandswechsel und wenn Männer mit anderen Gesinnungen eintreten, bei einer derartigen Frage die entgegengesetzte Ansicht obsiegen: es ist also für Recht und eine würdige Vertretung gar nichts gewonnen. Von der Ehrenhaftigkeit und Rechtlichkeit des Frankfurter Vorstandes ist zu erwarten, daß er entweder die vom Senate durch Unkenntniß der Verhältnisse ihm zugestandene Entscheidung ablehnen, oder die Stimmen seiner Committenten nochmals anhören und die Gemeinde befragen werde, ob sie ihm eine solche Kompetenz zugestehe. * * 4- Aus Palästina wird durch glaubwürdige Reisende eine Schilderung der dortigen Lage der Juden gemacht, die klar zeigt, daß die Abhülfe auf ganz anderem als dem bisher betretenen Wege zu suchen sei. Wir sehen von der von Frankfurt a. M. aus gegen Herrn Lehren zu Amsterdam erhobenen Polemik ab und wenden uns der Quelle der ungemeinen Armuth der Juden in Palästina zu: diese besteht in Arbeitslosigkeit, Mangel an Beschäftigung, Die gesendeten Spenden mögen ihremZweck erreichen für die Alten, Kraftlosen, die den Rest ihrer Tage in Unthätigkeit zubringen müssen, und daher der Hilfe ihrer auswärtigen Brüder entgegensetzen. Doch die jüngere Generation, die Thatkrast in sich fühlt und deren Thätigkeit noch mehr geweckt werden kann, soll auch sie schon auf Almosen hingewiesen, in ihr eine Bürde für ihre abendländischen Brüder großgezogen werden? Und die palästinensische jüdische Jugend fühlt selbst das Entwürdigende und Niederdrückende dieser Lage und wünscht eine Abhülfe ganz anderer Art. Sir M. Montefiore, dieser großherzige edle Israelit, hat den Stand der Dinge .am richtigsten aufgefaßt. Die Juden könnet: bei dem Haffe und Neide der morgenländischen Christen