Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 33 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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in unserer Zeit beschaffen sein? 33 unterricht muß auf positiven Offenbarungsglauben basiren, daß er im Gemüthe der Jugend einen Schwerpunkt gegen die Wechselgestalten des Lebens bilde, muß aber zugleich vorbeugend den Zweifeln begegnen, die in dem Schüler etwa durch Selbstdenken, durch Umgang und Lectüre entstehen könnten, und dann durch ihre Neuheit um so gefährlicher würden. Es.soll aber dieser Offenbarungsglaube nicht bei dem Buchstaben beharren, sondern Geist und Leben athmen, daß er in jeder Zeit und unter allen Verhältnissen neu verjüngt als Schutzengel zur Seite stehe, und nie veraltet und dem Leben entfremdet werde. Mit kurzen Worten: der Religionsunterricht muß den Geist erleuchtend, das Gemüth erwärmend, Gefahren vorbeugend und die Zukunft vorbereitend sein. Wir haben uns bisher nur im Allgemeinen ausgesprochen und gehen nun zur weitem Ausführung über. Wenn wir sagen, der Religionsunterricht soll erleuchtend sein, so sind wir weit entfernt von der gefährlichen und falschen Distinction zwischen Inhalt und Form als Kern und Schaale, Wesentlichem und Unwesentlichem, durch welche der eine Theil der Finsterniß und Verachtung anheim fiele: im Gcgentheil muß sich das Licht aus Inhalt und Form erstrecken, der Erkenntniß und dem Zeichen gleiche Wichtigkeit beigelegt, und dieses als jene ergänzend dargestcllt werden. Die Religion ist für den Menschen, dessen Wesen: Körper und Geist, Form und Inhalt im Verhältniß der Wechselwirkung zu einander stehen. So sind auch beide, Form und Inhalt, Wesen der Religion. Doch muß in der Form sich der Inhalt abspiegeln, wie in dem menschlichen Körper die Seele. Soll daher der Unterricht erleuchtend sein, so muß der Inhalt, nach seinem ganzen Umfange begriffen, reproducirtes Eigenthum der Seele und an den die Lehre betreffenden Formen veranschaulicht werden. Hat es doch die h. Schrift selbst für nöthig erachtet, dem W unkörperlichen, vor jeder bildlichen Darstellung eiftigst warnenden Gotte in ihrem Ausdmcke eine Form zu leihen, und ihn im Feuer, dem feinsten, leuchtenden und wärmenden Körper, erscheinen zu lassen, um dem sinnlichen Menschen eine Sprosse zu bieten, sich zu dem Uebersinnlichen zu erheben, an dem Sichtbaren zu dem Unsichtbaren, an dem Greifbaren zu dem Unbegreiflichen emporzuklimmen; hat ja Ezechiel in seiner Vision es gewagt, dem Gestaltlosen die menschliche Gestalt zu leihen, um an der Anschauung des vollkommensten irdischen Geschöpfes die Seele zu dem annähernden Begriffe des unerschaffenen vollkommensten Geistes zu erheben, und (so erklärt der Talmud) groß war die. Kraft, der Propheten, die es unternahmen, Gott menschlich darzustellen, um Frankel, Zeitschrift, k. 3