Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend Ein solcher Religionsunterricht, der nicht nur dem Schüler nichts Positives gab, sondern auch die Perfidie des Lehrers auf ihn vererbte, hat neben andern Ursachen jene Schaar von Indifferenten erzeugt, die ihren jüdischen Gott, wie sie vorgeben, heimlich im Herzen tragen, sich aber wohl hüten, etwas davon merken zu lassen; die ihren Glaubensbrüdern zugethan sind, aber vor purem Kosmopolitismus nicht Zeit zu ihnen finden, und an deren eisiger Gleichgültigkeit jede religiöse Bestrebung wirkungslos abprallt. Diese Religion der Täuschung hat in der jüngsten Erscheinung des Resormvereins, dessen schnelles Verschwinden als ein erfteuliches Zeichen der Zeit angesehen werden darf, ihren Culminattonspunkt erreicht. Wie verderblich, demoralisirend eine solche Schattenrcligion wirkt, und wie well sie selbst der crassesten Orthodoxie nachsteht, hat die Erfahrung gelehrt. — Fragen wir uns, die Hand auf's Herz! ob wohl die hochgebildeten Anhänger der formlosen Jdeenreligion dem Judenthume so große Opfer zu bringen vermögen, wie die unglücklichen russischen Gemeinden, zu denen noch kein Strahl deutscher Bildung gedmngen ist, so müssen wir gestehen, daß Vielen von jenen das laute Bekenntniß ihres Glaubens vielleicht nicht minder schwer wird, als diesen die Verläugnung desselben es sein würde. Auch ist unsere Zeit zum Theil zu dieser Einsicht gekommen, und haben selbst früher schon einige redlichere Stimmführer aus jener Zell eine gemäßigte Richtung eingeschlagen; so daß gegenwärtig sich die Extreme wie die Versöhnungstheorie vertreten finden. Letztere zum Bewußtsein zu bringen und die Gährung der verschiedenen Elemente zu einer gedeihlichen Consistenz zu führen, ist die Aufgabe unserer Zeit, zu deren Lösung der Jugendunterricht einen bedeutenden Theil beittagen soll. Der Religionsunterricht soll warme, innige Anhänglichkeit an den Glauben der Väter nähren und stärken, um der falschen Scham wie 4^ dem Zerstörungseiftr den Boden zu entziehen, er soll dies aber durch Geist und Gemüth zugleich ansprechende Demonstration bewirken und in den Religionsformen den Geist derselben sichtbar machen, soll die Nothwendigkeit, Ensstehung, Entwickelung und das Verhältniß derselben zum Inhalte der Religion ins Licht setzen, daß von selbst das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Wichtige vom minder Wichttgen sich unterscheide; er soll femer die Auswüchse des Judenthums als solche darstellen. So wird die Jugend an Intensität der Erkenntniß und an Innerlichkeit gewinnen, und nicht ferner von jeder minder bedeutenden Einzelheit ihr ganzes Religionssystem abhängig glauben. Der Religionö-