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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 29

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 29 (sequence 28)
Language
German
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in unserer Zeit beschaffen sei»? 29 guten Beispiele, ein zeitgemäßer, d. h. ein die Fordemng der Religion und die der Zeit gewissenhaft nach ihrem Werthe und ihrem Verhältnisse zueinander beachtender Religionsunterricht. Wer aber die gegenwärtigen Zeitmomente recht würdigen, eine Zukunft vorbereiten will, der muß die nächste Vergangenheit und ihren Einfluß auf die Gegenwart erkennen. Der Religionsunterricht, wie die Religionsanschauung überhaupt, hat bei den Israeliten seit etwa fünf Decennien zwei Perioden durchlaufen und ist jetzt in dem gährenden Uebergange zu einer dritten begriffen. Die Periode des Gemüthes ohne Reflexion und die des einseitig reflectirenden Verstandes ohne gemüthliche Wärme sind vorüber; die dritte versöhnende Periode der Vernunft, die, Verstand und Gemüth einigend, den ganzen Menschen durchdringe, erwarten wir noch, und sie sollen wir vorbereiten. In jener ersten Periode, als die Mauem des Hasses und des Vomrtheils die Juden vom allgemeinen Völkerleben absperrten, ihnen das zeitliche Leben verleideten, und jeder Strebsamkeit das Ziel abschnitten; als die Religion ihr einziger Trost, die Religionsgebräuche ihre einzige Freude, ihnen um so theuerer waren, je größer die Opfer, die sic gekostet, je schwerer die Leiden, unter denen die Väter sie ihnen vererbt hatten: da hing ihr Gemüth in unmittelbarer Verbindung an ihrem Glauben, und je mehr die Welt sie ausstieß, desto fester klammerten sie sich in schmerzlicher Wehmuth an ihren liebenden Vater im Himmel „der mit den sündhaften Kindern in die Verbannung gezogen war," um sie an seinem Herzen aufzurichten. Da wurde nicht gedacht, sondem gelebt in der Religion. Der überlieferte Schatz ihrer Väter war ihnen so lebendig, so gegenwärtig, wie ihre Leiden, und erhob sie in dem Maße, als das Leben sie drückte. Für Thorheit hielten sie es, in dem Glauben, der ihr Leben, ihr Stolz, ihre Freude, ihr Alles war, nach Beweisen zu ftagen, dem Zweifel irgend Raum zu geben; war ihnen ja sonst keine Freude vergönnt, als die, welche sie in den Opfern und Entbehrungen für ihren Glauben fanden; keine Lust, als die, mit welcher sie sich den Vorschriften ihrer Religionslehrer um so fteudiger filzten, je erschwerender sie waren; keine Wonne, als die, mit der sie sich in ihrem einzigen Gebiete des Gesetzesstudiums bewegten. In jener Periode war Religionsunterricht Nebensache; jeder Vater vererbte seinen Glauben mit seinen Leiden aus den Sohn. Auch bestand der Unterricht nur in gelehrter Kenntniß der Tradition, die man ohne System, ohne Unterscheidung der Erkenntnisse und Sittenlehren von den Gebräuchen, des Biblischen von dem Talmudischen, des Wesentlichen von dem Unwesentlichen und Zufälligen lehrte. Alles war unantastbare, geheiligte Tradition.

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