Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 28 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend Wirren des Lebens, einen befriedigenden Ersatz fiir geschmälerte Rechte, einen edlen Stolz und Charakterfestigkeit gegen Verkennung und Versuchung vererben will: mit Recht blickt er bekümmert auf unsre Jugend und fragt: Was soll aus ihr werden? Woran sollen die schwachen Pflanzen flch lehnen, wenn in des Sturmes brausenden Wogen die Bäume, groß und klein, chaotisch vom Wirbel aus und gegen einander getrieben werden? Wie soll die Hütte des Glaubens, draußen von Stürmen bedroht, innen durch Risse gespalten, der schwankenden Jugend Beruhigung und Sicherheit gewähren? Hier steht blinder Eifer für alles Alte, Herkömmliche, gleichviel wie und woher gekommen, allen Ansprüchen der Vernunft, allen socialen Verhältnissen entgegen, und jede Aussöhnung wird starr abgewiesen; dort macht anmaßliche Oberflächlichkeit sich breit, führt großsprecherisch gegen die Anfordemngen des Glaubens den Zeitgeist im Munde, der sie erfaßt, und den sie nicht gefaßt, und verhöhnt, im Staube kriechend und sich schmiegend und fügend, die gute alte Zeit, an deren Glaubenstreue sie zur Verrütherin wird. Hier beugt sich Alles vor dem gewaltig entwurzelnden Strome der Zeit und der Zeitlichkeit, die ganze große Errungenschaft der Vergangenheit dem Augenblicke schmählich opfernd; und dort bleibt man unbekümmert steif und starr bei seiner alten Weise, nicht ahnend die Gewalt der Sturmeswogen. Rathlos stehen die Wächter Israels und uneins unter sich. Der Eine bauet, der Andre reißt nieder; der Eine erhält, der Andere zerstört; was der Eine vertheidigt, verwirft der Andere, was dieser anempfiehlt, davor warnet Jener. — Hier scheitert der bessere Wille an dem Starrsinn der Empfänger, dort zündet gewaltsam aufgedrungene Radicalreform die Fackel der Zwietracht und des unseligen Streites an; hier entrückt schadenfrohe Kritik einen Baustein nach dem andem, und dort läßt absichtliche Unthätigkeit den Glauben dem Verfall entgegen gehen. Dazu kommen noch von einer andern Seite manche Verunglimpfungen unserer reinen Lehre, die in' Jugendschriften gelesen und hier und da in Schulen vorgetragen und von der Kanzel gepredigt werden. Alles stürmt auf die Jugend ein, die zu schwach zum Kampfe, der vielfachen Gefahr zu erliegen droht. Und doch hängt nur von einer glaubenskräftigen, urtheilsfähigen und charakterfesten Jugend das Heil und die Zukunft des Judenthums ab. Wir dürfen fteilich darum nicht verzweifeln, denn „cs schläft und schlummert nicht der Hüter Israels"; wohl aber müssen wir die geeigneten Wege einschlagen, eine starke kampffähige Jugend heran zu bilden. Das wirksamste Mittel dazu ist gewiß, nächst der religiösen, elterlichen Erziehung und dem