Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ueber Reformen im Judenthume. 27 lebendigen Vertretung kommen, und die Reform nicht aus dem Siechthum sondern aus einem lebendigen Princip hervorgehen. Vertretung des Gesammtwillens und Wissenschaft, dieses sind die Hauptbedingungen der Reform im Judenthume. Der Jude schenkt nächst dem Glauben der Wissenschaft ein großes Zutrauen, er ist durch den frühem Gang seines Forschens und geistigen Strebens auf sie hingewiesen: ohne tiefe Wissenschaft des Judenthums werden die Theologen nie Einfluß auf das Volk üben. In solcher Wissenschaft findet aber auch die Geschichte ihre Würdigung und das hohe ihr zukommende Recht. Den Gestaltungen einer solchen Zukunft, die unter mancher Bedingung nicht sehr fern liegt, vorzugreifen und zu bestimmen, ob sie den Ausgleich zwischen dem Glauben und dem Leben finden wird, wäre zu kühn. Aber es ist nicht minder eine Verkennung der in der Gegenwart gährenden Elemente, wenn man mit dem Vorwurfe des Stillstandes und des Mangels an Entschiedenheit der Reformen hervortritt. Die Gegensätze lassen jetzt noch keine Vermittelung zu: die Reform bricht entweder an dem Widerstande, oder sie löst auf ohne zu ersetzen, vernichtet ohne durch Fortschritt zu erhalten. Würdige Vertretung des Gesammtwillens und Wissenschaft, sie werden zum Ziele führen, das Maß auffinden für Reformen, die nicht in der Abstraction nur leben sondern in die Wirklichkeit übergehen; durch sie wird das Losungswort gemäßigte Reform zum Heile und zur Fördemng des Judenthums und zu dessen ewiger Dauer begriffen werden F. Wie soll der Religionsunterricht der israelitischen Jugend in unserer Zeit beschaffen sein? Mit Recht blickt jeder vernünftige, wahrhaft ftomme Israelit, dem es Ernst ist um unser heiligstes, einziges, aus unserer großen Vorzeit herüber gerettetes Gut, um unsem Glauben; der seinen Kindern in ihm eine feste Stütze gegen äußere Stürme, einen dauernden Aost in den *) Der Vcrf. ist zu sehr von der Wichtigkeit der Lebensfrage „über Reformen im Judenthume" durchdrungen, als daß er sie in diesem Aufsatze erschöpft glaubte, oder seine Meinung als maßgebend ansehen wollte. Es werden in dieser Zeitschrift, die vorzüglich der Erörterung dieser Lebensfrage gewidmet ist, sich noch andere Stimmen hierüber vernehmen lassen und wird auch der Verfasser auf fie nochmals zurückkommen.