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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 26 (sequence 25)
Language
German
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26 Uebcr Reformen im Judenthume. der Nachweis, daß diese Vorschrift aus späterer Zeit herrühre und keine Gültigkeit habe, nicht Ersatz bieten für das was vielen Geschlechtern geheiligt war, was die edelsten Früchte nach innen und außen getragen die theuersten Bande befestigt und die moralische Gesittung gehoben hat. Das Volk gibt diesen Stimmen nicht Gehör, wird mit dem tiefsten Mißtrauen gegen sie erfüllt, das es endlich auf jede Reform ausdehnt. Die Zeit eilt vorwärts, es werden eingreifende Reformen verlangt; aber wir wollen nicht vergessen, daß nicht alle Forderungen der Zeit gerecht sind; wir wollen ferner nicht übersehen, daß noch ein früherer langer Stillstand auszugleichen sei. Es war bis vor mehrern Decennien das Judenthum durch längere Zeit fast ganz bcwcgunslos; der Volkswille fand sich in ihm befriedigt, und so ging den Lehrern, auch wenn sie über ihre Zeit sich erhoben hätten, die Berechtigung zu reformiren ab. Der große Zwischenraum zwischen dem Damals und Jetzt ist noch nicht ausgesüllt und wurzelt der Volkswille noch tief in der Vergangenheit. Wir wollen und dürfen, so lange er noch kräftig pulsirt, ihn nicht antastcn; es muß vielmehr das Streben der Lehrer sein, durch zarte Schonung sich im Vertrauen des Volkes festzusetzen, daß dieses endlich ihnen die Macht zu reformiren zugestehe. Ob diese Reformen rechtmäßig sein werden? Wenn in den Lehrern der Wille des Volkes sich ausspricht, wenn sie ihre Zeit erkennend im Geiste des Volkes reformiren, welcher Ausspruch, welche Autorität könnte ihnen solchen Beruf streitig machen? Der Wille des Volkes, diese hohe im Judenthume anerkannte Macht, und Geschichte und Wissenschaft durch die Lehrer in Wahrheit und Anhänglichkeit an den Glauben vertreten, sollten sie nicht ihre Gültigkeit finden? Es wurde seit einiger Zeit vielfach der Gedanke an eine Synode angeregt, die Theologen sollen eine Uebereinkunft über Reformen treffen. Aber noch ist der Zeitpunkt für eine solche Realisirung nicht gekommen;*) die Theologen drücken noch nicht den Volkswillen aus, da sie theils durch ihre eigene Schuld, theils weil der Gesammtwille selbst noch an innerer Zerrissenheit leidet und der Kampf zwischen Altem und Neuem mächtig braust, das allgemeine Vertrauen noch nicht erworben haben. Doch die Zeit wird vermitteln und die Kluft ausWen helfen zwischen ftüher und jetzt; die Lehrer werden in den verunglückten Versuchen Mahnungen an ihre durch ihre Stellung gebotenen Pflichten finden: und so wird in ihnen der Volköwille zum Bewußtsein, zur *) Die in der Allg. Zeitung des Judenthums in diesen Tagen angeregte Rabbinaisversammlung scheint ganz richtig sich nur zur Besprechung constituiren zu wollen.

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