Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber Reformen im J^denthume. 25 und Vertheidigung unaufhörlich bedacht sein: wenn nun im eigenen Lager der Kampf ausbricht, die durch den Glauben Verbündeten und für ihn Streitenden gegeneinander die Waffen feindlich erhebe!:, welche Nachtheile, welche Auflösung, welche Gefahr für den Glauben! Der Volkslehrer muß daher, wenn auch im Kreise seiner Wirksamkeit sich größere Gelegenheit zu Reformen darbietet, die Gesammtheit berücksichtigen, mit wachsamem Auge und frommem Sinn dahin wirken, daß sich keine spaltende Kluft zwischen den Theilen der Gesammtheit, zwischen den Gemeinden, aufthue. Wohl kann er in mancher Hinsicht Reformen treffen, und kann ihm der Wille seines Kreises als ein Gesammtwille erscheinen; doch darf das Band mit der Gesammtheit nicht gelöst, muß, was dieser als wesentlich gilt, noch femer bewahrt werden. Und welche Mahnerin findet er an der Geschichte! Sie gibt ihm Belehrung über das, was dem Judenthum seit der ältesten Zeit Grundpfeiler und Stütze des Glaubens gewesen: diese Heiligthümer sind unantastbar, sind Denkmäler mit dem edelsten Blute und den größten Opfern erkauft; sie haben sich dem Glauben als Zeichen des Bundes einverleibt, haben ihr positives, unveräußerliches Recht, sind Normen für die zartesten Verhältnisse, ftir die tiefsten Forderungen des Gemüthes geworden. Sie müssen geschont, für ihre Aufrechthaltung muß mit Anstrengung gekämpft werden: sie bilden die Kräftigung von innen und den Schutz gegen außen, und das Judenchum bedarf beides: der Vertheidigung, da es noch immer nicht mit lauter bcfteundeten (!) Elementen umgeben ist, und der Zuversicht der Vertheidigung, einer innern heiligen Glut, die nicht die kalte Negation, sondern nur das Bewußtsein, daß für einen Besitz, für ein Ererbtes und Belebendes gekämpft werde, anzufachen vermag. Es sind in neuerer Zeit Versuche gemacht worden, Reformen zu beschleunigen, die aber durchaus nur den entgegengesetzten Erfolg hatten. Man versuchte von mancher Seite die Gebote und Verordnungen zu idealisiren, ihnen den praktischen Boden zu entziehen und nur eine moralische Anwendung ihnen übrig zu lassen. Von einer andem Seite war man bestrebt, sie ins Lächerliche zu ziehen oder durch prunkende Gelehrsamkeit nachzuweisen, daß sie für uns ihre bindende Kraft verloren und man sich ihrer entäußern solle. Mögen diese Versuche auch in guter Absicht vorgebracht worden sein, das Volk erblickt in ihnen, wenn sie von seinen Lehrern ausgehen, einen Verrath und fiihlt sich aufs Tiefste verletzt. Diese ungemüthliche Verwässerung, dieser schneidende Spott, diese herzlose Kälte verwundet und verdirbt nach allen Seiten: Versuche dieser Art drohen den Glauben zu entwurzeln und das Volk zur Negaüon Hinzutreiben. Dem Volke wird gemüthlose Gelehrsamkeit und