Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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24 lieber Reformen im Judenthnme. deren Geschäftigkeit sich zuletzt nur auf Erklärung und - Rechtfertigung reducirte. Wie verschieden ist hiervon die heutige wissenschaftliche Forschung! Sie will nicht mehr einen Anhang zu der langen Kette früherer Resultate bilden, sondern sich ftei zu deren Ausgangspunkt erheben; es spricht die Kritik sich in jedem Gebiete das Recht zu, von vom zu beginnen, mit ihren Augen zu sehen, nach ihrem Urtheile zu beurtheilen. Wie verschieden ist ferner das heutige Judenthum mit seiner Positivität, mit seinen bestimmten Normen, die in dieser Firirung ihre Unantastbarkeit erlangt, denen ihre feste Gestaltung und der Gebrauch gleich Riesenmächten zur Seite stehen. Aber es gibt auch eine andere Aufgabe, die der Theokog als das vorzüglichste Ziel seiner Wirksamkeit ansehen muß: den frommen Sinn im Volke zu bewahren und es zu der Höhe der großen Ideen der Religion zu erheben. Hierzu bedarf er zu allen Zeiten des Vertrauens des Volkes, so wie diesem selbst solche Anregung stets noth thut. Der directe Kamps gegen die Meinung des Volkes ist, wie wir wahrgenommen haben, ein unheiliger und fruchtloser; und es verliert der Volkslehrer hierdurch die Mittel flir das Wesen des Glaubens zu wirken, da an die Stelle des Vertrauens, das doch die Basis aller Beziehungen zwischen Lehrer und Gemeinde ist, sich Mißtrauen und Unwillen setzt. Die Wahrheiten des Glaubens sollen dem Volke näher gebracht werden, es lcme deren göttlichen Inhalt erkennen, die Formen selbst werden vergesstigt und ihr innerer Werth aufgefunden: so wird das Volk vom Wesentlichen durchdmngen, wird ein fester Grund, ein Anhalten an Wesen und lebendigen Formen gewonnen werden. Und sagt es sich von manchem Unwesentlichen los, so wird keine tiefe Erschütterung erfolgen, wird nicht jene Trostlosigkeit sich der Gemüther bemächtigen, die hierin den Untergang des Glaubens erblicken und in ihrer Kleinmuth au der Dauer des Judenthums verzweifeln. Es bietet sich dem Theologen noch eine fernere Thätigkeit dar. Der Volkswille hat über manche frühere Einrichtung und Anordnung sich ziemlich allgemein ausgesprochen', und nimmt an deren Abschaffung keinen Anstoß; der Volkswille hat ferner manche neuere Institutionen als zweckmäßig anerkannt und ist bereit sie aufzunehmen. Den Theologen ist an der Hand unseres Principes Gelegenheit geboten, diesen Willen zum Bewußtsein zu bringen Hingegen ist auch ihre heilige Pflicht, die Gesammtheit vor Zerfallenheit zu hüten. Die Reformen sollen nicht Secten und Parteiungen schaffen, nicht Zwiespalt und innere Anfeindungen erzeugen. Das Judenthum hat viele Kämpfe gegen außen zu bestehen, muß auf Abwehr