Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 22 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744857-2744860--0035-2744973
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 lieber Reformen im Judenthume. reiben; sein eigener religiöser Sinn bewahrt es vor Urbereilung, Gewohnheit und Jugenderinneningen lassen es an dem Herkömmlichen so lange fcsthalten, als es noch in ihnen etwas findet. Nur was sich ihm ganz entftemdet und keine Beftiedigung mehr bietet, wird zurückgewiesen, oder stirbt vielmehr voll selbst ab; aber es bleibt noch ein Fond von Glauben und religiösen Uebungen zurück, die gegen Negierung und Zerstören sichern. Wir langen also auch hier bei dem gemäßigten Fortschritt an, da die Reform vom Volke ausgehen und der Gesammtwille über sie entscheiden soll. Doch können wir bei dieser Art des Resormirens keinesfalls stehen bleiben, da hierbei für Reformen, für Zeitgemäßheit, wenig gewonnen ist. Die Gesammtheit ist ein schwerfälliger, unharmonischer Körper, die Uebereinstimmung des Gesammtwillens ist oft schwer zu erkennen und gibt sich erst nach einer langen Reihe von Jahren kund. Es gehet ferner durch eine solche Reformirung das belebende, vergeistigende Princip ab, und wird jedes Heil von einem Siechthum, von einem Aussterben erwartet, von dem Ueberdrusse des Volkes, der, ein eiterndes Geschwür, auch für die edleren Theile Besorgnisse erregt. Und doch kann keine Reform gegen den Willen des Volkes unternommen werden, an seinem Widerstande bricht die beste Kraft und ist jeder Versuch erfolglos; es wird also die hohe Aufgabe sein, diesen Widerstand zu entwaffnen und den Willen zu gewinnen: wem liegt diese hohe Aufgabe ob, und wie ist zu deren Lösung zu gelangen? Wir haben bisher das Judenthum nach seiner praktischen Richtung bettachtet und aus den Einfluß der Wissenschaft weniger Rücksicht genommen; erwägen wir nun zu welcher Geltung im Judenthume die Wissenschaft gekommen und welcher Einfluß auf Reformen ihr gestattet ist. Das Judenthum hat nicht Priester als Repräsentanten des Glaubens, noch geistliche Weihe, seine Verttetung gehört nicht einer besonderen Familie an, liegt nicht in einer Vererbung von Vater auf Sohn; die Wissenschaft, die Kenntniß des Gesetzes gibt allein die Weihe, der Zuttitt ist Jedermann gestattet, die geistige Befähigung trat an die Stelle des früheren Priesterthums, das nur noch an den Opferdienst sich schwach gehalten hatte und mit dessen Aufhören fast seine ganze Bedeutung verlor. Es erkennt das Judenthum in dem Willen des Volkes eine große Macht und wurde hierzu durch seine Forderung der Thättgkeit veranlaßt; und doch wurde diese Thättgkeit selbst durch die Lehrer der Schule ins Leben gemfen, durch deren theils selbstständige, theils erklärende Forschung, theils erleichternde, theils erschwerende Resultate. Dies: Forschung war früher — so lange nämlich die Resultate nicht schriftlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.