Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber Reformen im Judenthiime. 17 von demselben umftürmten Brüder zu erhalten. — Und dieses ist, was die, die Erhaltung im Fortschritte Suchenden mit vielem Eifer geltend machen; doch scheinen sie von ihm zu weit getrieben und ihrer Forderung nicht ganz klar sich bewußt zu sein. Sie verlangen eine Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben und weisen hin auf das, was die in vieler Hinsicht sich fast selbst übereilende Zeit erheischt. Aber weil die Zeit so sehr eilt, weil sie Alles um und neben uns verändert, darum muß in uns ein Dauerndes bleiben, ein Unwandelbares im Wandelbaren, ein Ewiges im Vergänglichen; muß, was Glaube und Geschichte geheiligt, was unzähligen Geschlechtern eine göttliche Wahrheit geworden ist, noch ferner Halt und Stütze bilden. Der goldne und papierne Materialismus unserer Zeit bemächtigt sich jeder Thätigkeit, es gehet in ihm das höhere Streben, die Ruhe des Gemüthes, die Tiefe des Gefühles unter; und mehr als je bedarf es jetzt der Erinnerung, daß es Höheres gebe, mehr als je der Mahnung, daß wir in dieser wildbrausenden Strömung einen Ruhepunkt finden sollen, ein Lichtzeichen, auf das wir das Auge richten, um uns nicht uns selbst, unserer edleren Natur zu entfremden, daß wir nicht in der Atmosphäre des Nützlichen und des Erwerbes nur athmen, in ihr nur die Lebenslust für unser Sein, das 'Ziel unseres Strebens suchen und jede höhere Ahnung uns verloren gehe. Ist doch dieses die eigentliche Aufgabe des Judenthums mit seiner Thätigkeit; es will ankämpfen gegen das Materielle, Vergängliche, seine Mahnungen sind nicht selten mit dem Leben im Widerspruche, aber durch diesen Widerspruch selbst macht es aufmerksam, daß der Mensch sich dem Leben, den Flutungen der Zeit nicht hingeben, sondern mit Bewußtsein über denselben stehen soll. Wir sprechen so viel von unseren Opfern, von den mannigfaltigen Störungen, die wir erfahren; doch wie armselig erscheinen diese bei jeder Gelegenheit vorgebrachten Klagen neben den gigantischen Kämpfen unserer Väter, wie pygmäenartig unsere Anstrengung gegen die vergangener Geschlechter! „Sie kannten nicht diese Bedürfnisse, ihre Zeit war nicht eine so tiefbewegte;" als wenn je das Leben dem Menschen nicht kostbar gewesen wäre, als wenn unsere Tage erst die Augen darüber geöffnet, daß es angenehmer sei, sich an dem „freundlichen Sonnenscheine" zu laben als auf dem Scheiterhaufen den Geist auszuhauchen, in verzehrender Angst um das Leben selbst zu leben und nirgends Schutz und Sicherheit zu finden! Dieses Bild, wie häufig verwirklichte es sich in der Geschichte unserer Vorfahren; und wir wollen unsere Erfahrungen so hoch anschlagen, halten es für übermenschliche Anstrengung manchem Zeitverhältnisse zu widerstehen, Frankels Zeitschrift, l. 2