Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2744856-2744857-2744860--0029-2744967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 Ueber Rcformcn im Judeiithmne. sollen; wir wenden uns von hier aus dem Ziele zu, das die Reform sich setzen soll. Hier muß vor Allem geprüft werden, ob das Judenthum eine Berechtigung zu reformiren anerkenne und wie weit es solche zugestehe; ferner muß, um nicht bei bloßen Begriffen stehen zu bleiben, der Widerstand, den Reformen in einer Religion der Thätigkeit finden, ganz gewürdigt und zugleich erkannt werden, von welcher Seite die Reform ausgehen und welche- Richtung ihr die Wissenschaft geben, wie sie dieselbe besördem oder ihr Einhalt thun soll. Doch wollen wir vorerst nochmals einen Blick auf die Stellung der Parteien werfen, und wie sich in ihnen das Princip der Erhaltung und des Fortschrittes ausdrückt. Erhaltung durch Stillstand, Erhaltung durch Fortschritt, dieses sind die eigentlichen Gegensätze im heutigen Judenthum; die maßlose, nur negirende Reform kann zum Judenthume nicht gerechnet werden, sie tritt aus demselben heraus, ihre Anhänger bilden in ihm keine Secte, gehören ihm so wenig wie irgend einer positiven Religion an. Mit ihnen kann das Judenthum, da sie auf einem dasselbe ganz negirenden Standpunkte sich befinden, keine Transaction treffen, an Befriedigung ihrer Forderungen in keiner Weise denken; mögen sie sich auch nach ihm nennen, sie haben sich von ihm moralisch losgesagt. — Gehen wir auf die beiden anderen Parteien ein, und suchen sie nach ihrem ganzen Gehalte aufzufaffen. Der naive Glaube kann, wenn er auch seiner Natur nach der Reflexion kein Recht zugestehet und seine Rechtfertigung in sich selbst findet, doch von dem Vorwurfe eines frommen Egoismus nicht fteigesprochen werden. Ihn beftiedigt und beseligt seine Thätigkeit, aber er kann sich nicht verhehlen, daß nicht Jedermann diese Befriedigung in ihr finde; er kann sich ferner nicht verbergen, daß in dieser Thätigkeit Manches unwesentlich sei, und dessen Aufgeben den Glauben kaum scheinbar verletze. Und ist es ihm auch lieb geworden, wird ihm durch den Ausfall manche Lücke zurückbleiben, muß dieses Opfer nicht der höhern Pflicht, „das Judenthum unfern Kindern und Kindeskindern zu übergeben", gebracht werden; müssen wir nicht zur Erfüllung der göttlichen Verheißung: „mein Geist, der auf dir ist, meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie werden nicht weichen aus deinem Munde und dem Munde deines Samens und dem Munde des Samens deines Samens, spricht der Ewige, von jetzt bis in die Ewigkeit" (Jesaias 59, 21.) beitragen; muß nicht von unserer Seite etwas gethan, etwas nachgegeben werden, um uns unsere Kinder, unsere Jugend, unsere ins Leben hinaustretenden und