Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber Reformen im Judenthume. 15 stößt der Glaube in den Zeitverhältniffen! Wohl stehet nach seiner göttlichen Natur er über der Zeit; und wie der edlere Theil des Menschen ihr nicht unterthan ist, und nicht nach ihrem Maße sein Bestehen und seine Dauer gemessen werden kann, so ragt der Glaube über alle Zeiten hinaus, und das Wort, aus Gottes Mund hervorgegangen, wurzelt tief in der Ewigkeit. Aber es ist auch die Zeit eine hohe Macht, deren Einfluß berücksichtigt werden muß; der Dualismus, der dort, wo Glaube und Zeit sich schroff einander gegenüberstehen, im Menschen geweckt wird, reibt ihn auf, und er muß entweder außer der Zeit leben oder in ihr untergehen. Es macht die Zeitbildung ihren Einfluß geltend: welchen Fortschritt hat die Wissenschaft, welche Reife haben die Begriffe erlangt, das Reich des Denkens wird so sorgfältig angebaut; das Gemüth kann ein ausschließliches Recht nicht mehr geltend machen, und wird ihm dieses zugestanden, dann ist die Gefahr um so größer, daß es Alles verliere und mit jedem Ansprüche verdrängt werde. Schon die Begriffe, die im Kinde in der Schule geweckt werden, stehen mit dem naiven Glauben im Widerspruch, und wenn nun vollends die Jugend in die Welt hinausziehet, zur Wissenschaft und Kunst übergehet, wird sie die Aussöhnung finden zwischen Glauben und Leben, wird sie nicht in einem Kampfe sich begriffen fühlen, den auszugleichen ihr die Kraft gebricht und wobei ersterer, je größer seine Forderungen und je unvereinbarer mit dem Leben, nur selten den Sieg davon trägt? — Und blickt man hin auf die Zeitvcrhältnisse, welchen Umschwung haben die socialen Zustände erfahren, welche Umwandlung in den Beziehungen des täglichen Verkehres; es hat die Zeit sich selbst mit Sturmeseile überflügelt und treibt unaufhörlich vorwärts. Und in diesen Verhältnissen stehet der Jude mitten inne, er kann ihrem gewaltigen Einflüsse sich nicht entziehen; und bringt der Glaube ihn in Widerspruch mit ihnen wird ihm die Kraft zu widerstehen nicht häufig ermangeln, wird ihm nicht der Muth der Ausdauer gebrechen? Und das Judenthum, ruft diese Partei, soll gerettet, es soll für alle Zeiten bewahrt bleiben, es hat einen göttlichen Werth, hat seine feste geschichtliche Basis, ihm ist in seinem Positiven selbst das Siegel seiner Dauer aufgedrückt; darum soll durch Reformen ihm eine den Begriffen und den Verhältnissen der Zeit angemessene Gestaltung gegeben werden. Wir haben uns nun den Ausgangspunkt vergegenwärtigt, d;n Boden erforscht, auf welchem Reformen vorgenommen werden