Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber Reformen im Zudenthume. 13 Wenn die frühere Partei mit einem innern Bewußtsein und einem scharf ausgeprägten Bekenntnisse als Resultat des naiven Glaubens hervortritt, so gehet auf dieser Seite Vielen das Bewußtsein überhaupt ab: ihre Forderung ist nicht sowohl das Ergebnis der Reflerion als vielmehr des Untergehens in dem Gewühls der Welt: das religiöse Gefühl wurde zurückgedrängt, es kommt nicht zur Besinnung, findet nicht Gelegenheit sich geltend HU machen, das tiefere Gemüthsleben ging ganz verloren, an seine Stelle tritt eine erstarrende Gleichgültigkeit gegen Glauben, gegen Alles, was den Namen Confefsion trägt: sic sind selbst ihrer Forderung sich nicht bewußt, sind darüber nicht zum Verständnisse mit sich selbst gekommen, da sie nur dem äußern Einflüsse sich hingeben und auf der Oberfläche des Lebens sich fortbewegen oder vielmehr nach dessen Strömungen fortbewegt werden. Daher die frappante Erscheinung, daß in ihnen selbst der naive Glaube zuweilen zum Durchbruche kommt; es hat manches Ceremonielle, mancher an sich geringfügige Gebrauch bei ihnen, die sich auf anderen Seiten fast ganz dem Judenthume entftemdet, seine feste Gültigkeit und sie halten an ihm mit abergläubischer Pietät. Daher ferner eine andere überraschende Wahrnehmung: Gleichgültigkeit gegen Reformen selbst; das Interesse an den Bewegungen in diesem Gebiete ist ihnen ganz geschwunden, dieses Feuer ganz ausgeglommen: sie halten sich weder auf dieser noch auf jener Seite betheiligt, das innere Verlangen ist neutralisirt, der Kampf bewegt sich auf einem ihnm unbekannten Gebiete, der Gegenstand des Kampfes liegt ihnen ganz fern. Und so wie hier jeder tief gefühlte Ernst abgehet, so fehlt bei Jenen, die mit den Radicalreformen hervortreten, die Wahrheit. Denn eine Lüge ist, daß sie das Judenthum reformiren wollen, sie negiren es doch von vorn herein; eine Lüge, daß sie es seiner Vollkommenheit entgegenführen wollen, ein Judenthum ohne positiven Boden ist ein Unding; eine Lüge, daß durch Abweisung aller Formen jene höchsten Ideen erst zu ihrer wahren Geltung kommen werden, sie haben das Wesen des Menschen verkannt und die Geschichte afler Zeiten übersehen, die mit feurigen, Jedem lesbaren Zeichen in ihr Buch zur Warnung ausgeschrieben hat, dass den Ideen dann die meiste Gefahr und die Verdunkelung ihrer Reinheit drohe, wenn sie ohne Hülle und sinnliche Handhabe erfaßt werden sollen; eine Lüge, daß das Judenthum auf diese Weise Gemeingut und Jedermann verständlich werde und sich für Ewigkeit erhalte. Sie find erkaltet und begreifen nicht, wie diese Kälte den Gifthauch in sich trage und den Auflösungsstoff für die Gegenwart und die kommenden Geschlechter, denen dieses