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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 12

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 12 (sequence 11)
Language
German
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12 Ucbcr Reformen im Jirdcnthumc. haben von frühester Zeit sich in den Herzen festgesetzt, und dort eine unbesiegbare Kraft für die ganze Lebensdauer gewonnen, sind das innerste Eigenthum und es kann nicht mehr nach ihrem Grunde geforscht werden. Diese Tage sind geheiligt, an ihnen ziehet innige Freude und ftomme Erhebung in das Gemüth ein; diese ceremoniellen Gesetze haben ihr Aeußerliches ganz verloren und sind ein Inneres geworden, das sich ganz mit dem Glauben verschmolzen hat; diese Normen sind tief in das Innerste des Familienlebens eingedrungen und machen den festen Halt des Hauses: und solche Gefühle vernichten, sie zerstören, muß den Glauben in seinen innersten Grundfesten erschüttern, die tiefste Verwirrung in alle Verhältnisse bringen und eine nicht auszusöhnende Entzweiung. „Was werden wir füp diese Opfer des Gemüthes gewinnen, wie uns auf dem Boden des Glaubens wieder zurecht finden, was die innere tiefgefühlte Seligkeit ersetzen? Was diese Kraft vermag, hat sich seit undenklicher Zeit erwiesen, und sie kann und darf noch heute nicht vermißt werden; wir bedürfen ihrer jetzt nicht minder als in der Vorzeit. Der Glaube wird durch Erinnerungszeichen zum Thatkrästigen, Lebendigen: und unsere Erinnemngszeichen haben ihre geheiligte innere Weihe durch ihr Alterthum, sie haben vielen Geschlechtern als göttliches, leuchtendes Zeichen durch die Finsternisse gedient, sie sind als solches uns von den Vätern übergeben worden, sie haben sich uns zuerst durch Angewöhnung in unserer Jugend geheiligt und sind dann als Lebenselement in unser ganzes Sein übergegangen, sie haben sich in unsere ganze Thätigkeit ausgeprägt, in allen Handlungen wiederholt: in ihrem Aufgeben strafen wir unsere ganze Vergangenheit Lügen, lösen uns selbst auf, gerathen in einen Widerspruch, der die innere Ruhe zerstört und das Theuerste, wofür wir Alles Hingaben und noch hinzugeben bereit sind, den Glauben, gefährdet." Dieser Partei stehet eine andere gegenüber, die das entgegengesetzte Ziel verfolgt: Jene erblickt das Heil in dem Halten am Ueberkommenen, diese will den Fortschritt bis nach dem äußersten Punkte, Aufgeben der Formen und Rückkehr zu den einfachen ursprünglichen Ideen. Wir können diese Partei eigentlich' nur negativ als Partei im Judenthum ansehen, ihre Glieder ttagen noch den Namen „Jude," werden im bürgerlichen Leben dahin gerechnet und bekennen sich nicht zu einer andern Confession. Sie gehören aber auch dem Judenthume nicht an, stehen mit ihrem Glaubensbekenntnisse außerhalb der Grenzen des Judenthumes, dessen eigentlicher Charakter Hebung der höchsten Ideen durch die geoffenbarten Gesetze und die durch sie vermittelte religiöse Thätigkeist ist.

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