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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 11

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
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lieber Reformen im Judenthume. 11 vielfachen Handlungen, will Ausübung, wiederholt sich vielfältig im Leben jedes Einzelnen, und wird nach ihrer Ausdehnung Gemeingut jedes ihrer Anhänger. Hierdurch differiren aber auch die Religion der Ideen und die der Thätigkeit in Betreff der Reformen von einander, und zwar sowohl hinsichtlich des Inhaltes als des etwaigen Erfolges. Bei der Religion der Ideen hat die Reform größtentheils mit dem Leben selbst wenig zu thun, sie nimmt ihren Ausgang von einem abstracten Begriffe; darum findet sie beim Publikum an sich selbst weniger Widerstand, so lange nicht von den Gelehrten (Theologen) der Zündstoff hineingeworfen wird, und würde dieser Streit an der größeren Menge, wenn sie nicht erst von anderer Seite darüber aufgeklärt würde, ganz unbemerkt vorübergehen. Anders bei einer Religion der Thätigkeit: die Reform setzt sich eine Umänderung religiöser Handlungen zum Ziele, sie greift erschütternd in das Leben jedes Einzelnen ein, da-sie nicht das abstrakte Denken sondern das Jedermann zum Gemeingut gewordene religiöse Thun umgestaltcn und theilweise aufheben will: und sie wird um so größeren Widerstand finden, je tiefer sich das Thun ins Leben eingewebt, je mehr es dessen innerste Regungen durchziehet und dessen höhern Bestandtheil durch Angewöhnung und Vergeistigung bildet, je mehr in seinem Festhalten eine Stütze und Befriedigung der religiösen Forderungen gefunden wurde. Wir sind nun auf dem Standpunkt angelangt, den eine Partei im Judenthume einnimmt. Sie ist in einer frommen Thätigkeit ausgewachsen und groß gezogen, ihr sind viele Handlungen unzertrennlich vom Glauben, da er von jeher ihr auf's Innigste mit ihnen verbunden erschienen. Sollte sie sich von ihnen lossagen, sie aufgeben, so fühlte sie sich selbst entfremdet, hineingeworfen in eine bodenlose Tiefe; wo wird sie den Anhalt wieder finden, wie die Befriedigung wieder erlangen, die sie bisher empfand, wie sich ohne innern zerreißenden Vorwurf von dem, was sie von den Vätern her, von dem, was sie selbst zu jener Zeit als heilig gefühlt, lossagen? Nicht Hartnäckigkeit, nicht Lust am Widerstand treibt sie, sondern die Anhänglichkeit Und die tiefste Liebe für ihr Heiligthum, für das, was den Frieden ihrer Seele und die Beschwichtigung ihres Gemüthes ausmacht, das nicht sowohl in der Ueberzeugung als in ihrem Glauben ruhet, aber um so tiefere Wurzel gefaßt hat, daß sie es nicht mit Gleichgültigkeit betrachtendes nicht wegwerfen, nicht vertauschen, die Wärme, mit der es sie erfüllte, nicht missen kann. Sie sind ihr Stützer und Wegweiser des Lebens, sie tragen in sich die theuersten Jngenderinnenmgen,

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