Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Ueber Reformen Im Judenthume. Mysticismus zurückgedrängt und konnte er im Judenthume nie tiefe Wurzel schlagen; ein Gewinn, durch den jene hohen Ideen sich in ihrer Reinheit behaupteten und dem Judenthume noch heute als Gottcslicht fortleuchten. Es wurde oben bemerkt, daß die Idee allein entweder zur Verflüchtigung oder zur craffen Verkörperung und zum Polytheismus führt. Sie tritt aber zuweilen noch in eine dritte Phase ein, in die der Schwärmerei. Wo der Geist sich unaufhörlich mit der Idee befaßt, ziehet er sie endlich zu sich herab, er kann sie nicht ganz begreifen, sie genügt ihm nicht nach ihrer Einfachheit, er will tiefer in sie eindringen: und so werden die Theosophien und Mysterien an den Tag gefördert, die endlich den Glauben gefangen nehmen, ihn mit Geheimnissen und unbegreiflichen Dogmen umgeben, in denen der ursprüngliche Begriff der Gottheit verloren gehet oder verdunkelt wird, der Mensch sich dem natürlichen Lauf und Zusammenhänge der Begebenheiten entfremdet und in eine düstere lichtscheue Schwärmerei verfällt. Das Christenthum, das nicht lange nach der Zeit seines Entstehens die frühere religiöse Thätigkeit zurückwics und sich allein an die Idee hielt, mußte bald dieser Klippe zugetrieben werden: man sah sich auf die Idee hingewiesen, und fing an sie zu zersplittern und zu zersetzen, bis man in Meinungsverschiedenheiten verfiel, die so wenig den sie Vertheidigenden als den sie Angreifenden verständlich waren, und es erzeugte daher die Byzantinische Kirche jene phantastischen Mißgeburten, in denen der Monotheismus fast unterging. Diese finsteren Gestalten wichen zwar, aber es blieben Mysterien zurück, die gleich am Eingänge des Glaubens stehen, und dem Geiste eine, mit seiner Erkenntniß nicht in Einklang zu bringende Unterwerfung, vorschreiben. Das Judenthum, das eine anderweitige Beschäftigung dem Gemüthe bot, erhielt die Idee unversehrt: diese stehet unantastbar über dem Ganzen, in ihr concentrirt sich das Ganze und Einzelne: Ein Gott! man fand sich nicht bewogen etwas zuzusetzen oder wegzunehmen; der religiöse Sinn fand anderswo seine Befriedigung und so verblieb die hohe Idee in ihrer Reinheit. Das Judenthum nach seiner religiösen Thätigkeit verflocht sich ganz mit dem Leben und wurde das Eigenthum aller Individuen. Die Religion der Ideen gehört in ihren Einzelnheiten zumeist den Theologen an; die größere Menge, und wen überhaupt nicht sein Beruf hierzu führt, gehet auf sie weniger ein, da sie ihm nicht nahe liegen und auch wenig Mahnungen sich für sie im Leben finden; die Religion der Thätigkeit hingegen ist stets gegenwärtig, sie mahnt in