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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1844-04-01 · 1 (April 1844) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1844)
Issue
1 (April 1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 9 (sequence 8)
Language
German
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Ueber Reformen im Judenthume. 9 Judenthum war nun dessen Dauer und Forterhaltung vorbereitet und gesichert. Die Idee allein verflüchtigt und verwässert sich oft, man wähnt sie unter allen Gestaltungen wiederfinden zu können, sie wird, weil sie keinen bestimmten Ausdruck hat, allen Ausdrücken zugänglich und endigt endlich mit Gleichgültigkeit gegen alles Göttliche und Höhere oder mit dem zerstörenden Kampfe gegen dasselbe, oder sie nimmt Formationen an, die der ursprünglichen Idee ganz fern liegen und mit ihr nicht vereinbar sind. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wenn mit seinen abstrakten hohen Wahrheiten allein das Judenthum sein Gebäude abgeschlossen hätte, es den vielfachen Religionssystemen gegenüber sich nicht erhalten haben würde; theils hätte ein kalter Rationalismus sie herabgedrückt, theils hätte das religiöse Bedürfniß nicht in ihnen seine Beftiedigung gefunden: und so würde entweder aus Jndifferentismus oder aus dem Drange nach Positivem, Formellem, dieses absolute Judenthum ganz aufgegeben worden sein. — Auf der andern Seite bedurfte es bei den vielen Leiden und Anfeindungen nicht minder einer stärkenden, die Kraft zur Ausdauer stählenden Anregung, die in der Idee allein wegen ihres geistigen und daher so Vielen unzulänglichen Gepräges nicht gefunden wird. Es bedurfte der Anhaltspunkte, zu denen hinauszuschwingen es nicht so große Anstrengung kostete; diese fand man in den geoffenbarten Geboten, sie waren nicht ein Aeußerliches, Ceremonielles, sondern wandelten sich zu einem tiefgefühlten, mit der größten Lebendigkeit aufgefaßten Cult um, ihre Ausübung brachte Beftiedigung und eine innige heilige Freude, die Ersatz für viele Leiden bot, für die zu kämpfen man sich um so mehr bereit fühlte, da mit ihrem Aufgeben der Seelenftiede und die angewöhnte innere Annäherung an Gott verloren gegangen wäre. Es gewannen aber durch den Kampf und die Anstrengung für sie diese Gebote selbst an begeisternder, belebender Kraft; man trug in sich das Bewußtsein für Göttliches zu ringen, jeder Druck von Außen erhöhte das Selbstgefühl und vermittelte ein noch innigeres Festhalten und die Erhebung über Irdisches: jedes Gebot wurde Idee und Form zugleich; die Ausübung genügte, und durch sie erstarkte der Gedanke. Betrachten wir weiter das Judenthum, so ist es eine Religion, die unmittelbaren Einfluß auf die Handlungen des Lebens übt. Das Judenthum ist eine Religion der That: durch Handlungen, die entweder an sich die moralische Veredelung des Menschen bezwecken, oder deren Ausübung die Erinnemng an Gott zu Gmnde liegt, will cs erheben und die Anhänglichkeit an Gott befestigen. Hierdurch wurde die reine Contemplation, so wie der finster brütende, an sich selbst irre werdende

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