Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- 1 (April 1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber Reformen im Judenthume. 7 hat das Judenthum so tief, so warm, so unaussprechlich aufgefaßt: das liebende Verhältniß zwischen Vater und Kindern ist der Ausdruck des ganzen Compleres des Glaubens, bildet den Grund- und Schlußstein des seit undenklicher Zeit sich selbst tragenden Gebäudes. Laßt sie an den Worten feilschend und mäckelnd herausklügeln, Jehova sei der Gott des Zornes und des Donners und der grausamen, wildschnaubenden Rache; laßt sie was arabisirende und rationalisirende und polemisirende Eregeten, unbekümmert um den Zusammenhang und die Uebersicht des Ganzen aus einzelnen Stellen aufgerafft, hundertfach wiederholen und schadenftoh dem Juden vorwerfen; dieser kennt nur einen Gott der innigsten Liebe, ihm wurde kein zürnender grausamer Donnerer von seinen Vätern übergeben, er fühlt nicht in seinem Herzen die Furcht, die ein solcher Gott einflößen müßte, sondern es bringt die Erinnerung an ihn ihm die größte Beschwichtigung, einen Trost, den die Zunge nicht auszusprechen vermag, der in Worte sich nicht fassen läßt, für den der Ausdruck zu schwach ist, und der in den einen Ausruf sich zusammendrängt: Vater! — Die Geschichte straft also alle diese Klügeleien Lügen: Ihr befraget die tobten, kalten Buchstaben, wir haben den Sinn aufgefaßt, uns ist die Lehre nicht ein fremdes Studium, sondern das innere belebende Prinzip; Ihr seid Touristen, sammelt einige Notizen über ein Euch zum großen Theile unbekanntes Land und Eure Einbildung giebt den Ferment und die Interpretation, wir sind die Einheimischen, kennen das Ganze und die Einzelnheiten und finden es ganz anders. Hat sich uns Gott als der der Rache und des Zornes angekündigt, woher diese Erscheinung, was hätte uns veranlaßt ihn uns anders zu denken? Etwa die Leiden, die wir seit Jahrhunderten erdulden, die Gefahren, die uns so häufig drohen, der Haß, den wir so oft erfahren, die Lieblosigkeit, die uns fast erdrückt? Doch wähnet Ihr, daß wir neben den trockenen harten Worten der Schrift eine mildernde Tradition, eine mündliche, beschwichtigende Ueberlieferung empfangen, nun wohl! so ist diese Tradition eine göttliche, das Judenthum eine Wahrheit, deren Werth man vergebens verringert und hcrabsetzt. Das Judenthum knüpft seine Lehren an die Offenbarung an: ein höchster Wille — Gott — stehet an der Spitze. Die ewigen Wahrheiten über Gottheit und Tugend flössen aus dieser Quelle; und sie umgeben viele andere Gesetze, die ebenfalls von diesem Geiste getragen sind, und in denen die höhere Idee der Veredelung des Menschen und seine Annäherung an Gott sich ausspricht. Diese geoffenbarten Gesetze sind die Schutzmauer des Jndenthums, die stets