Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- Anzeige und Prosepectus, Dezember 1843
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 zichten, noch wie die Mythe von dtt Entstehung Minerva's aus dem Haupte Jupiters fabelt, aus jedem Zeitalter neugestaltet und abgerissen von dem früheren hervorgehen: in dieser vielfachen Proteusverwandlung müßte es sich endlich ganz aufgeben. Auf dem eingenommenen Boden soll es sich von innen heraus weiter entwickeln. Die Vergangenheit ist ein Dagewesenes, das noch in die Gegenwart hineinragt; sie soll mit ihrem Geiste die Gegenwart befruchten und ihr nach ihren Bedürfnissen zu einem innern religiösen Leben verhelfen. Diese Fortentwickelung des Judenthums, die Lösung der Aufgabe, wie nicht in der Negirung und in der zur völligen Auflösung führenden Reform, sondern in der Lehre des Judenthums selbst die Fortbildung involvirt sei, soll zum Bewußtsein kommen und gewichtige Stimmen sollen sich hierüber vernehmen lassen. Der tiefe Schmerz über den der Synagoge drohenden Verfall und die Unterminirung ihrer Grundpfeiler, die traurige Ueberzeugung, daß mit Unwesentlichem auch Wesentliches aufgegeben wird und in vielen Gemüthern eine stumpfe Gleichgültigkeit an die Stelle der frühern tiefen Religiosität tritt, die betrübende Wahrnehmung, daß man von mancher Seite durch Verkennung der Tiefen des Judenthums es in der Zeit aufgehen lassen will, fordert zu gemeinsamer Besprechung und Berathung auf. Die Synagoge geht einer Krisis entgegen; doch darf dieses nicht entmuthigen, noch darf dem Zweifel an ihrem siegreichen Erfolge Raum gegeben werden, da der innere Gehalt des Judenthums die Bürgschaft sowohl für sein Bestehen als die ihm inwohnende Entwickelungsfähigkeit bietet. Aber das Wie dieser Fortbildung soll durch wissenschaftliche Forschung auf positivem, historischem Boden aufgesucht werden. Daß nicht jede Ansicht sich Geltung verschaffen, nicht jede Hypothese sich zur Thesis gestalten werde, soll nicht von der Untersuchung abschrecken; ist sie mit Ernst und Würde begonnen und wird an der Hand der Wissenschaft fortgesetzt, so darf man der Hoffnung Raum geben, daß der wenn auch schwache Versuch Anlaß zur reifem Forschung biete und endlich zu anwendbaren nutzbringenden Resultaten führe. Denn es darf auf der andern Seite nicht übersehen werden, daß jene Sicherheit, die man hinter einem regungs- und thatenlosen Schweigen sucht, die Schüchternheit, die nicht hervortreten will, weil sie fürchtet neue Zweifel zu'erwecken und die Antastung des noch unangefochtenen Besitzthums zu provociren, nach allen Richtungen Verderben bringend ist. Sie ermuthigt, da sie keine Vertheidigung hat, zu weiteren Angriffen; in ihrer Apathie liegen Zugeständnisse, die als offenbare Zeichen ihrer Schwäche gegen sie aussagen und selbst bei dem Unbefangenen Zweifel erwecken. Sowohl zur Siche-