Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1844)
- Issue
- Anzeige und Prosepectus, Dezember 1843
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 selbst schaffe, die Synagoge muß um ihrer eigenen Würde willen, muß zur Beruhigung ihr« Bekenner und zu ihrer eigenen Behauptung die hundertmal wiederholten Vorwürfe hundertmal widerlegen; darf weder den Muth der Widerrede verlieren, noch mit einem blos verächtlichen Schweigen fich begnügen, da dieses Schweigen von der Absichtlichkeit in ganz anderem Sinne gedeutet wird; sie muß bis zur Quelle zurückgehen, den Gehalt ihrer Lehren Nachweisen, und indem sie an der Hand der Geschichte in frühere Zeit hinaufsteigt, den Ursprung der ungerechten Vorwürfe ermitteln. Doch wichtiger noch als die Rechtfertigung gegen außen ist die Basirung des innern Lebens des Judenthums und die Untersuchung, welcher Entwickelung und Fortbildung es fähig sei. Diese Aufgabe aller Zeiten, diese an jedes Glaubensbekenntniß zu stellende Frage ist in unseren Tagen vorzüglich, wo Reflexion und Gemüth in scharfen Gegensatz gegen einander treten, zu ihrer vollen Berechtigung gekommen. Wo der Glaube die Tiefen des Gemüthes und die Höhen des Geistes ausfüllt, wo eine kindliche Hingebung auf jede Vorschrift der Religion mit flammender Liebe horcht und ihre Genugthuung in dem Gedanken findet: es ist Gebot! da hat der Glaube sein Fundament in sich selbst; hat fich als Selbstständiges, von jedem Forschen Unabhängiges gesetzt, dem der Zweifel von vorn herein unterthan ist und gegen das er sich nicht auflehnen kann. Doch es tritt der menschliche Geist aus diesem Stadium heraus, und der Verstand macht neben dem Gemüthe sein Recht geltend. Dieses nun ist die Periode der Forschung, die, wenn sie unbefangen ihren Weg verfolgt, wenn sie nicht mit frivolem Spotte und leichtsinniger Auffassung zu Werke gehet, wenn sie das Gegebene richtig erfaßt und sich nicht die Vergangenheit ganz zu negiren und den geschichtlichen^Koden zu verlassen als Ziel setzt, bei der Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, bei der Harmonie der Forderungen des Gemüthes mit der kritischen Untersuchung anlangt. Seinem innern Werthe nach kann der Glaube in diesem Processe keinen Schaden leiden: er wird hier vor den Schlacken des Aberglaubens, dort vor dem vergiftenden Hauche des Unglaubens bewahrt, und bekundet durch diese Bildungsfähigkeit sein göttliches Wesen, seine Dauer für ewige Zeit. Daß das Judenthum diese Feuerprobe bestehen werde, ist die feste Ueberzeugung seiner Anhänger, die in dessen hohen, religiösen nnd sittlichen Ideen die Garantie dafür finden, daß es nicht einer vorübergehenden Epoche nur angehöre und seine Existenz nicht eine zeitweilige sei. Und es soll als Judenthum, nicht als Verwässerung und Verflüchtigung einiger allgemeinen Ideen sich geriren: es darf weder auf seine positive Basis ver-