Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 23 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 411 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 411 kung der Palästinawanderung festzustellen ist und auch weiter erwartet werden kann. Daher sei es .wichtig, daß die Aufteilung der für Auswanderungszwecke zur Verfügung stehenden Mittel in einer den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Weise vorgenommen werde. An die Juden in Deutschland wurde der eindringliche Appell gerichtet, durch Beitritt zum Hilfsverein seine Arbeit zu fördern und ihm die Bewältigung der vermehrten Aufgaben zu ermöglichen. Ausgehend von der Verlagerung der ursprünglichen Aufgaben des HilfsVereins, der früher hauptsächlich Durchwanderer unterstützte, auf das Gebiet der Auswanderungsberatung und Auswandererhilfe für Juden in Deutschland, wies der Prsäident des Hilfsvereins, Max Warburg, auf den großzügigen Ausbau der gesamten Organisation des Vereins hin. Die Arbeit des Hilfsvereins-gehe heute jeden einzelnen Juden in Deutschland an und müsse von allen Juden in Deutschland getragen werden. „Es darf keinen Juden in Deutschland geben, der nicht Mitglied des Hilfsvereins ist", sagte Max Warburg. „Keiner von ihnen weiß, wann die Auswanderungsfrage an ihn selbst herantritt.... Vor allem erwarten wir auch von den Juden aus Deutschland, die jetzt im Ausland Fuß gefaßt haben, eine viel stärkere Unterstützung als bisher." „Ich kann mir aus der Gedanken- und Gefühlswelt eines jeden Juden", so führte der Redher weiter aus, „heute Palästina als eine nationale Heimstätte nicht mehr fortdenken. Die Juden haben unter dem Mandat der Britischen Regierung begonnen, ein nationales Heim in Palästina aufzubauen, und die Juden in Deutschland und außerhalb Deutschlands haben ein Lebensinteresse daran, daß dieses unter so großen Opfern begonnene jüdische Werk in Palästina fortgeführt werden kann. Palästina kann aber, Wie auch die. Zukunft werden wird, nur eine begrenzte Zahl von Juden aufnehmen. Deshalb darf eine bewußte jüdische Diasporapolitik nicht disqualifiziert werden, zumal auch sie mittelbar Mitarbeit am Palästinawerk bedeutet. Von den seit 1933 aus Deutschland ausgewanderten 120 000 Juden ist fast ein Drittel nach Palästina gegangen. Wir werden aber damit rechnen müssen, daß von den Juden, die 1937 Deutschland verlassen, höchstens der vierte, vielleicht nur der fünfte oder sechste Teil in Palästina einwandern kann. Wir wollen hoffen, daß es gelingt, den Terror in Palästina auszuschalten, damit die Resolution, die die Jewish Agency in Zürich vor wenigen Monaten gefaßt hat, eine Round Table-Konferenz zwischen Engländern, Juden und Arabern stattfinden zu lassen, ausgeführt, werden'kann" Die jüdische Wanderungspolitik kann nur 'eine universale sein. „In Palästina haben die Juden von neuem bewiesen, daß sie konstruktive Arbeit auch mit dem Spaten leisten können. Aber auf der anderen Seite müssen wir auch klar sehen und die beschränkten. Mittel, die für die gesamte Auswanderung, zur Verfügung stehen, so verteilen, wie es die Tatsachen erfordern. Wir dürfen nicht einseitig einem Wunschgebilde, das der Wirklichkeit nicht standhält; nachjagen. Und wie gesagt: gerade auch diejenigen, die jetzt nicht nach Palästina, sondern in andere Länder wandern, werden damit indirekt Helfer am Wiederaufbau Palästinas sein. Vielleicht werden auch aus den verschiedenen Ländern später wieder' Juden nach Palästina wandern. Die jüdische Wanderungspolitik kann nur eine universale sein." Aus der Gemeinde Manchen Chanukkah-Schulfeier der Israelitischen Volksschule Die jüdische Volksschule veranstaltet in diesem Jahre wieder eine größere Chanukkah-Schulfeier, die im Saale des „Jtus" stattfindet. Für die Veranstaltung sind drei Vorführungen, und zwar Samstag, den 4. Dez.. 20 Uhr, Sonntag, den 5. Dez., 16 Uhr, und Montag, den 6. D.ez., 19 Uhr, vorgesehen. Viele Gemeindeangehörigeji werden sich noch der wohl gelungenen Chanukkah- Aufführungen der Schule vor drei Jahren erinnern und daher gerne. Gelegenheit nehmen,' auch-die diesjährige Feier zu besuchen. Herzliche Bitte: Unsere Schule benötigt dringend für bedürftige Schüler mehrere Reissbretter und eine größere Anzahl Reisszeuge. Es ist anzunehmen, daß in manchen Familien solches Zeichenmaterial vorhanden ist und nicht mehr gebraucht wird; wir Eintopf-Sonntag 12. Dezember iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiipiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ bitten daher ebenso herzlich wie dringend, uns diese Lernmittel zur Verfügung zu stellen. Auf Wunsch erfolgt Abholung. Rufnummer der Schule: 2885 0. Jüdische Volks- und Fortbildungsschule Herzog-Rudolf-Str. 5. Lehrhaus der Kultusgemeinde Im Dezember werden die laufenden Kurse nach den Ankündigungen in den Kursstunden fortgesetzt. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft über „Jüdische Gegenwartskunde" (Dr. Werner Cahnmann, Dr. Rudolf Wassermann, Prof. Dr. Arthur Cohen) spricht zunächst Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8.15 Uhr, Herr Dr. Cahnmann über „Idee und Interesse in der Geschichte". Mittwoch, den 8. Dezember, 20.15 Uhr, folgt Prof. Dr. Arthur Cohen: „Die Wanderungen der Juden im 19. Jahrhundert". Mittwoch abends 9.15 Uhr finden die Vorträge von Dr. Be n n o Silberschmidt „Einführung in die Philosophie" auch weiterhin statt. Die Vorträge können auch einzeln besucht werden. Der Lehrplan vom Beginn des Kalenderjahres 1938 an wird in einer 'der nächsten Nummern des Gemeindeblattes angekündigt. Centa Silber Mit dem Tode dieser treuen Helferin der Gemeinde verliert die Gemeindeverwaltung eine ihrer arbeitsamsten und kundigsten Mitarbeiterinnen. An der Bahre zeigte sich allgemeine Trauer um die zu früh Entschlafene. Am Freitag, den 26. November, fand bei außergewöhnlich großer Beteiligung die Beerdigung statt. Rabbiner Dr. Ehrentreu betonte in seiner Gedächtnisansprache, daß das Leben eines Menschen vollendet sein könne, auch wenn er kein hohes Alter erreiche. Centa Silber sei nicht nur ein intelligenter und pflichttreuer Beamter der Gemeinde gewesen, sondern sie, der es nicht vergönnt war, selbst ein Haus in Israel zu gründen, habe mit einer menschlichen Hingabe, die selten ist, den Ihren und darüber hinaus vielen Menschen, mit denen sie in Berührung gekommen ist, als Freundin und Helferin zur Seite gestanden. Für die Verwaltung der Kultusgemeinde sprach der Vorsitzende der Gemeinde Worte der Erinnerung, indem er das Wirken der verstorbenen Mitarbeiterin in hoher Anerkennung würdigte und in seinem menschlichen Wert festhielt. Vortrag von Dr. Abraham Heschel: Der Sinn des Betens Auf Einladung des Jüdischen Lehrhauses München sprach Dr. Abraham Heschel in schwierigen philosophischen Ausführungen über den Sinn des Betens. Er suchte das Urphänomen des Be- BAMBERGER&HERTZ DIE ZUVERLÄSSIGEN KLEIDERFACHLEUTE