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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-09-15 · 18 (15.9.1937) · p. Seite 324

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
18 (15.9.1937)
Date
1937-09-15
Page
Seite 324 (sequence 6)
Language
German
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324 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgenieinden in Bayern Nr. 18 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE Levinger Zlgarron haben ihre Stammkunden l 3. LEVINGER, Bayersir. 21 im Höfel Rheinisdier Hof Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 Tägliche Ersparnisse durch täglichen Einkauf von Lebensmitteln — Textilien — Haushaltartikel im HelnpiS-Geschäft Nymphenburgerstr. 128 * Tel. 62471 * Lieferung frei Haus ÜÜi^ &<<^f^jJU «tJlJbt £sixLc^£> ^ijjJ^t^^jji-. o-ö Jk a AUSWdllClerer finden eine Auslese gesdunadcvoller kombiniert. Wohnzimm., Schlafs., Küchen, Bettcouches, Ann. Aufbau-Möbel, gediegen u. preiswert im MÖBELHAUS EMIL EBEN Schwanthalerslr. 9, n. Sonnenstra&e Hl. SILBEVTHA1J & CO« KAUFUfCrKllSTBASSE 10 Dos Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Sllherwaren Kultusgeräte RADIO Die neuen Modelle sind eingetroffen. Verlangen Sie unverbindliche Vorführung. 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Der Mann aber, dessen Geist hier waltete, Rabbiner Dr. Joseph Perles, mein hochverehrter und geliebter Lehrer, erfüllte diesen Raum mit seiner vornehmen, menschenfreundlichen, schlichten, gütigen Art, mit seinem umfassenden Wissen, mit seiner in die Tiefe dringenden und die Zeiten beherrschenden Persönlichkeit. Vorbeter wai unser allverehrter Meister Kirschner und den Chor leitete Heinrich Frei, dessen Andenken lieb und vertraut heute noch durch die Zeiten zu uns klingt. Der Übergang von der alten in die neue Synagoge war ein Weg der ..Kraft in die Kraft", wie Dr. Perles in seiner Festpredigt ihn bezeichnete. Der Weg führte in ruhiger Entwickelung aufwärts in einer blühenden, mit dem bürgerlichen Gemeinwesen und dem Staate enge verbunden, allen edlen kulturellen Bestrebungen zugewendeten Gemeinde. Es war kaum mehr als die Hälfte der Zeit seit Errichtung des Gotteshauses vergangen, als die Schrecken des Krieges die Völker erfaßten und die dramatischen Geschehen einander ablösten bis zum heutigen Tage. Unsere jungen Männer zogen ins Feld und taten ihre Pflicht bis zum' äußersten. Es war aber kein Krieg wie frühere Kriege, die das Wesen des Volkes unberührt ließen. Er leitete einen Umbruch der Zeiten ein und schwer lastet diese Wandlung auf unserer Gemeinschaft. Gegenüber solchen elementaren Ereignissen, die in der Geschichte des jüdischen Volkes nicht selten gewesen sind, ziemt es sich die Dinge klar und ohne Erbitterung zu sehen und das Schicksal zu tragen, sich in die Wege der Vorsehung zu fügen und sich nicht mit unserer schwachen Kraft dagegenzustemmen. Große Lücken sind gerissen in unsere Familien, in unsere Wirtschaft. Die Jugend verläßt das Land und es besteht die Gefahr, daß unsere Gemeinschaft im alten Lande erlahmt und verfällt. Hier müssen wir einsetzen und alles tun, uns wechselseitig zu stützen und unsere Einrichtungen soweit irgend möglich zu erhalten. Das höchste aber, was wir leisten müssen, ist, daß wir geistig und seelisch nicht verkümmern, Wenn wir dies erreichen, werden wir auch durch die Stürme der Zeit gehen. Gotteshaus, Schule und Lehrhaus sollen viel mehr als es in diesen 50 Jahren geschehen, die vornehmlichsten Stätten sein, in denen unsere geistige und seelische Kraft immer wieder erneuert wird. Tätige Hilfe wollen wir leisten zum Aufbau ('es Lrndes der Väter. Wir bitten Sie. meine Verehrten, und die. velche hier nicht weilen, daß Sie sich der Gemeinde aufs engste verbunden fühlen. Ihre Sorge, Ihre Freude und Ihr Leid sollen die unseren sein. Es gilt für uns nicht eine bloße Verwaltung zu führen, wie sie in ruhigen Zeiten geführt werden kann, es tut not den innigsten Zusammenhang zu wahren. Die Gemeinde kann nur bestehen, wenn sie von dem Interesse und dem Einsatz aller Kräfte, der geistigen und der wirtschaftlichen, ihrer Mitglieder getragen wird. Alles wps mit ihr zusammenhängt wird zu Ihrer unmittelbarsten und nächsten Angelegenheit. Wir wollen den Zusammenhang pflegen mit denen, die uns verlassen mußten, und mit denen, die den Bestand der Gemeinde hier weiter verbürgen. Sie fragen mich, wie sollen wir uns denn verhalten, daß wir seelisch bestehen können in dieser Zeit. Es ist nicht eben leicht darauf zu antworten und doch darf ich sagen: Versuchen Sie, unter Zurückdrängung alles persönlichen Leids, etwas Entfernung von den äußeren Geschehnissen zu erlangen. Sie werden die Dinge dann mehr übersehen und besser ordnen können. Sie werden aber auch die geistige Einstellung gewinnen, die. uns allein befähigt, gegenüber dem elementaren Ablauf der Zeit standzuhalten. Sie gewinnen die Ehrfurcht vor dem Geschehen der Welt und die Einordnung in dieses Geschehen. Wir erfahren morgen im Mussafgebet die gewaltige Schau des göttlichen Gerichts: Uveschofor godol jitokah, die Weltposaune ertönt. Vesiftach es sefer hasichronos, Du schlägst das Buch der Erinnerung auf. Umeelof jikore, von selber liest es sich. Vechosom jad kol odom bo, und die Handschrift eines jeden Menschen steht darin. Möge auch die Handschrift unserer Gemeinde in dem Buche der Geschichte ihren Bestand haben und möge dieses Gotteshaus eine Gemeinde in sich vereinigen, die aufrecht durch die Zeiten schreitet in höchster Erfüllung ihrer Pflicht und getragen von der Gnade des Ewigen! Die musikalische Umrahmung (Einleitung: Lewandowskys ..Wie lieblich sind..." und Abschluß: Kirschners Vertonung des 150. Psalms) entsprach der, die vor, 50 Jahren erklang. In ihrer einfachen und festlichen Wiedergabe, bei der Chor und Kantor ihr Bestes gaben, entsprach sie der Würde, die der gesamten Erinnerungsstunde das Gepräge gab. Theo Harburger — 50 Jahre Am 8. September feierte in seinem neuen Heim in Tiberias (Palästina) Theo Harburger seinen 50. Geburtstag. Geboren in München als Sohn des verstorbenen Justizrats Jzchak Harburger studierte er in München, Berlin, Heidelberg und Genf Kunstgeschichte. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien war er im Verlagswesen, vor allem in den Jahren 1912/13 im Jüdischen Verlag in Berlin tätig. Als Kriegsfreiwilliger verbrachte er die Kriegsjahre stets an der Front und erwarb bereits als

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