Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 18 (15.9.1937)
- Date
- 1937-09-15
- Page
- Seite 323 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 18. Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 323 Seine Kinder, Schwiegersöhne, zu denen R. Moscheh Sofer, Preßburg, gehörte, seine Enkel und die spätesten Nachkommen seines Hauses, vergaßen nie ihren Ahnen, auch nachdem Generationen vergangen und sie räumlich weit voneinander getrennt lebten. Sie kamen erstmalig 1913 zu einem Familientag . zusammen und gründeten die „Vereinigung der Familie Eger", die die Zusammengehörigkeit der Familienmitglieder pflegen, die unedierten Werke herausgeben und in der Familiengeschichte — auch nach rückwärts, bis etwa 1575 können wir die Ahnen zurückverfolgen — forschen wollte. Zweimal fanden die Familientage statt und sahen die Glieder der Familie aus Deutschland, Polen, Rußland, Amerika und anderen Ländern zusammen. Dann zerstörte der Krieg Alles. Und dennoch ist er unvergessen. Am Orte seiner letzten Wirksamkeit zeigt man noch den Stuhl, auf dem er saß, in der Provinz erzählt man von ihm, den Kindern und den Großen, überall studiert man seine Werke und veröffentlicht da und dort etwas aus seinem Nachlaß. Er gehört nicht allein zur Gemeinde, sondern zum Typus der Stadt. So zeichnete den 75jährigen Rabbi wider seinen Willen ein Maler, der den Auftrag hatte, den „Alten Markt in Posen" auf dem Bilde festzuhalten. Er war ein Segen seiner Zeit, ein Geist, der nur „Diener der Diener des Ewigen" sein wollte — so kündet von ihm nach seinem Wunsche, der Grabstein auf dem alten Friedhof in Posen. Jede weltmännische Manier und jedes Schielen nach rechts und links war ihm fremd. In schwerer Zeit kann sein Andenken — wie das jedes Gerechten in Israel — seinem Volke Israel nur zum Segen gereichen! ...... Rabbiner Dr. A. Posner. Aus der Gemeinde München Die Feier zum 50jährigen Bestehen der Münchner Hauptsynagoge Als Rabbinat und Vorstand der Gemeinde beschlossen, den 50jährigen Einweihungsgedenktag nicht ohne jedes Erinnern vorübergehen zu lassen, waren sie von dem Gedanken geleitet, daß diese 50 Jahre nicht nur zu zählen, sondern auch zu wägen seien. Daß der verflossene Halbjahrhundert seit der Einweihung des Gotteshauses in der Herzog-Max-Straße eine Epoche besonderer Art und ungewöhnlicher geschichtlicher Wandlungen war, daran sollte die Weihestunde vor Beginn des Roschhaschono-Festes erinnern. Gedanken dieser Art gaben den Grundton der Rückschau, die Herr Rabbiner Dr. Leo Baerwald in seiner Festpredigt anstellte. Er gedachte eingangs der selbstlosen Männer, deren Hingabe das Werden des eindrucksvollen Baues ermöglichten und neigte sich besonders vor der verehrungswürdigen Gestalt Emanuel Kirschners, der schon 1887 als Schliach-zibbur die Wünsche der Gemeinde emporgetragen hat. Eine 50-Jahr- Feier habe in der Denkwelt des Juden ihre Berechtigung. Der Redner erinnerte an das biblische Gebot des Jobel-Jahres, das auch nach 50 Jahren zum frommen Innehalten und Gedenken mahnte. Eine Rückschau auf die letzten 50 Jähre, die nicht selten allzu hart abgelehnt werden, müsse uns zur Gerechtigkeit führen: wäre der heilige Funken nicht in Zeiten der Ruhe gehegt worden, er hätte in unseren Tagen nicht wieder zur starken Flamme entfacht werden können. Die Beziehung der jüdischen Familie zum Gotteshaus sei von Ursprung an ungewöhnlich innig: alle festlichen Augenblicke des Lebens finden hier .Weihe und, Erhöhung. So werden in dieser Jubiläumssfuhde Ungezählte in ailer Welt, die. von diesem Bau stärkste Eindrücke mit auf .ihren Lebensweg empfingen, sich uns verbunden fühlen., wie wjr uns mit ihnen eins.wissen. Eine Ge- . meiride.. die weit über diese Stadt hinauswuchs und in aller Herren Länder ihre Glieder hat, wird zusammengeschweißt, durch das, was in diesem Tempel gegeben wurde. Wenn Rabbiner Perl es im Jahre 5648 in seiner Weihe-Predigt dem Herren danken durfte für den Aufstieg der Gemeinde in den jüngsten Jahren und für die Gnade, mit der er uns bis zu diesem Tag erhielt, dann werden wir heute in Gläubigkeit und Demut dieses Dankesgebet wieder aufnehmen, auch wenn in unserer Zeit der Kreis der Gemeinde kleiner und bedrückter geworden ist als vor einem Halbjahrhundert. Nach dem Vortrag von Lewandowskys „Heil dem Menschen" ... ergriff der Vorsitzende der Gemeinde zu folgender Ansprache das Wort: Jüdischer KDltnrDund in Bayern (angeschlossen dem Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsgruppe München Donnerstag, den jo. September 1937 abends 8 Uhr in der Synagoge Herzog Maxstraße Sonder-Konzert des Kulturbund-Orchesters München Solisten: IRMA STERN (Sopran) WALTER RIES (Bafe) Musikalische Leitung: ERICH EISNER Vivaldi: Concerto grosso a-moll Haydn: Zwei Arien aus dem Oratorium „Die Schöpfung" Corelli-Malipiero: Concerto grosso C-dur Es spricht der Präsident des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbunde in Deutschland Intendant Dr. KURT SINGER über das Thema: Das Gebot der Stunde Zu diesem Konzert sind nicht nur die Kulturbund-Mitglieder, sondern alle Juden Münchens eingeladen. % Der Eintritt ist frei! % Eintrittskarten werden an der Kulturbundkasse sowie an der Abendkasse unentgeltlich abgegeben.