Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 17 (1.9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 309 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 17 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 309 KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN I LEHRHAUS Stundenplan der Fremdsprachkurse ab 1. September Englisch a) Anfänger: Hella Kauders, Dienstag 8—10 Uhr; für etwas Fortgeschrittene Hella Kauders, Montag 8—10 Uhr. b) Mittelstufe: I. Frau Gertrud Beuthner, Mittwoch 8—10 Uhr; IL Frl. EmmyLewyn, Mittwoch 8—10 Uhr. c) Oberstufe: Irma Reh, Dienstag 8—10 Uhr. Französisch Irma Reh, Donnerstag 8—10 Uhr. Italienisch Frau Vera Neumeyer, Dienstag 8—9 Uhr. Bei genügender Beteiligung können Kurse in Buchführung, Schreibmaschine und Stenographie eingerichtet werden. Anmeldung hierzu sowie für die Sprachkurse an die Leitung des Lehrhauses, Herzog-Max-Straße 7. sucht wird, ist eine Voraussage über ihren Erfolg ebenso berechtigt wie die des Mißerfolges. Zweitens, wenn ich von frei und offen verhandelten Vereinbarungen spreche, so meine ich darunter in erster Reihe solche, die für eine begrenzte Zeit geschlossen werden. Diese zeitliche Begrenzung ist von äußerster Wichtigkeit. Politische Vereinbarungen sind ihrer Natur nach weder abstrakt noch ewig. Thukydides berichtet von einem höchst heiligen Vertrag, der für sechzig Jahre geschlossen wurde und fünfzehn gedauert hat. Es gibt viele näher liegende Beispiele. Die Kommission behauptet, Juden und Araber würden sich „niemals" einigen, wenn nicht vorher Teilung, Trennung eintritt. „Niemals" ist für den Historiker eine lange Zeit. Die Kommission hat Recht, wenn sie sagt, daß die große Mehrheit der Juden „niemals", das heißt heute, damit einverstanden sein wird, bestimmungsgemäß Minderheit zu werden. Die Situation ändert sich vollkommen, wenn eine solche Vereinbarung für eine begrenzte Zeit getroffen wird. Die Kommission sagt, daß die Araber „niemals", das heißt heute, ein politisches Abkommen mit den Juden treffen werden, außer, wenn die Juden bereit sind, immer eine Minderheit zu bleiben. Aber wenm man von Vereinbarungen absieht dfie mutmaßlich für immer — eine Abstraktion — geschlossen werden, und über Vereinbarungen für begrenzte Zeit verhandelt, dann besteht die1 Möglichkeit, vorwärts zu kommen. Und wer weiß besser als die Staatsmänner des britischen Reiches, daß so mansches anscheinend unlösliches Problem nicht durch Behandlung in absoluter, sondern in empirischer Weise, Schritt für Schritt, gemeistert wird. Vorteile der Zusammenarbeit für Juden und Araber. Ein Zehnjahresplan. Sogar während des Aufstandes — das ist der richtige Ausdruck — des letzten Jahres war es einigen Arabern und einigen Juden möglich, die Umrisse eines Programms für die nächsten zehn Jahre auszuarbeiten. Die Kommission ist von dem Vorhandensein eines solchen Programms unterrichtet worden. Sie hat nicht verlangt, näheres darüber zu erfahren. Ein solches Abkommen muß notwendigerweise viele Elemente enthalten, die für beide Völker von lebenswichtigem Interesse H"äi 25 JAHRE pr^y MÜNCHEN » BRIENN ERSTRASSE 52 KOTÜME KLEIDER MÄNTEL. FE EZE sind. Außer Einwanderung, Boden, Arbeitsfragen würde es Punkte enthalten über gemeinsame landwirtschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, Selbstverwaltungseinrichtungen, eine arabische Föderation, den Völkerbund. Mit Zustimmung der Araber könnten wir hunderttausend notleidender Juden in verschiedenen arabischen Ländern ansiedeln. Das ist einen wahren Preis wert. Ohne Zustimmung der Araber bleiben sogar unsere 400 000 in Palästina in Gefahr, trotz des augenblicklichen Schutzes durch britische Bajonette. Mit jüdischer Hilfe haben die arabischen Länder die Aussicht, sich zu ihrem früheren wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Glanz zu erheben. Ich glaube, daß es in Palästina und anderwärts Staatsmänner von genügendem Format gibt, um zu wissen, daß dies einen wahren Preis wert ist. Ohne jüdische Hilfe wird die Zukunftsmöglichkeit dieser arabischen Länder aller Wahrscheinlichkeit nach unerfüllt bleiben. Wenn es sogar während eines Aufstandes einigen Juden und einigen Arabern, keineswegs den geringsten unter ihren Völkern, möglich war, zu einer gedanklichen Einigung zu kommen, so sollte dies umso mehr heute angesichts der Gegnerschaft, die die Teilung bei beiden Völkern hervorruft, möglich sein. Bei den Verhandlungen, die die Mandatarmacht mit dem Völkerbund und mit der Regierung der Vereinigten Staaten und vor allem mit den Juden^und den Arabern Palästinas und Transjordaniens (die einen der Hauptschlüssel zu dem Rätsel besitzen) aufnehmen muß, müßte es vielfach Gelegenheit geben, frei und offen verhandelte Vereinbarungen für begrenzte Zeiträume zwischen Juden und Arabern, zwischen den Juden der Welt und den Arabern der Welt, vorzuschlagen. Wenn eine erste Periode verhältnismäßigen Friedens, sagen wir von 5—10 Jahren, geschaffen werden kann, und ich glaube fest, daß dies möglich ist, dann würde die notwendige Atempause für die Vorbereitung der nächsten 5—10 Jahre geschaffen sein. Entspricht es nicht der echten britischen politischen Tradition des „Eile mit Weile", lieber sich mit den politischen Fragen von heute und morgen praktisch zu befassen, als mit denjenigen der nächsten Generation? Es könnte wohl sein, daß alle diese Bemühungen mit einem Mißerfolg enden, aber wie bei jeder Bemühung, einen Krieg zu beenden, ist es unsere Pflicht, den Versuch zu machen, sicherlich diesen Versuch zu machen, bevor die Teilung als Verzweiflungsmittel verwirklicht wird. Sollten unglücklicherweise, aus welchen Gründen der Staatsraison immer, solche Vorschläge, ohne auch nur gehört zu werden, verworfen werden, dann bin ich unschlüssig über den Kurs, der meiner Meinung nach am besten zu der Möglichkeit frei und offen verhandelter Vereinbarungen zwischen Juden und Arabern führen könnte. Mit oder ohne Teilung bleibt die Frage von Juden und Arabern die wichtigste aller palästinensischen Fragen, von denen einige von den Juden in dem Aufbauwerk so glänzend gemeistert worden sind. Ohne Lösung der arabisch-jüdischen Frage bleibt das ganze Aufbauwerk auf schwankenden Grundlagen. Vor- und Nachteile der Teilung. Die Teilung hat viel Anziehendes und Vorteilhaftes, aber auch viele Nachteile. Für die Juden bedeutet sie einen Staat — eine wesentliche zionistische Lösung. Ihre beiden Hauptvorteile scheinen mir zu sein: erstens, daß die Verantwortung für den Frieden dahin gelegt wird, wohin sie gehört, auf mich, auf dich und nicht auf einen dritten Partner, und zweitens, daß die Regierung des Trans Jordanien umfassenden erweiterten Araberstaates im eigenen Interesse willens werden könnte, mit der jüdischen Regierung über eine Vereinbarung nach der anderen, Schritt für Schritt, zu verhandeln. Die beiden Hauptnachteile sind meiner Meinung nach erstens, die furchtbare Irredenta auf beiden Seiten der neuen Grenzen, ein neuer Balkan mit seinen wilden Komitadschis, denen gegenüber die Regierung das Auge zudrückt, und zweitens, der winzige Umfang 'dies engen Judenstaates ohne den Süden, den Negew. Werden wir in einer solchen Atmosphäre geistig freier atmen können iaJs heute und werden wir in einem Gebiet leben können, :dlas wie ein Miniaturstaat aussieht? Für Internationalisierung Jerusalems. Zum Schluß befaßt sich Dr. Magnes mit der Stellung Jerusalems. Er bejaht die Internationalisierung der Heiligen Stadt als eine auch der Ehre und dem Ruhm des Judentums entsprechende Lösung.