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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-09-01 · 17 (1.9.1937) · p. Seite 307

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
17 (1.9.1937)
Date
1937-09-01
Page
Seite 307 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Eultusgemeinden in Bayern 307 BAMBERGER&HERTZ DIE ZUVERLÄSSIGEN KLEIDERFACHLEUTE im Lande, die Teilungspläne, ausführliche .Urkundenanhänge, Statistiken und Karten runden den Musterbericht ab. Man sieht, kein Gebiet des öffentlichen und kulturellen Zustandes des Mandatlandes bleibt unerörtert. Überall sind für die englische Politik höchst bezeichnende praktische „Empfehlungen" beigefügt, denen sich die britische Regierung inzwischen angeschlossen hat. Den Juden der Vergangenheit und Gegenwart wird immer wieder hohes Lob gespendet, ihrer Energie, ihrer Verwaltungstätigkeit, ihren idealen Zielen, dem hohen Kulturstand der jüdischen Einwanderung aus Deutschland seit 1933. Demgegenüber hält sich die Kommission verpflichtet, die besondere Pflegebedürftigkeit und Schutzwürdigkeit des arabischen Bevölkerungsteiles zu unterstreichen, ja sogar die Hebung des arabischen Erziehungswesens durch Gründung einer arabisch-englischen Universität in Palästina auf englische Kosten zu empfehlen. Die unantastbare eigene englische Überlegenheit und der Vorrang der englischen Interessen ist der ungeschriebene Begleittext der umfangreichen Dokumentensammlung, der gesamten Beweisführung einschließlich der Ratschläge an die britische Regierung. Der Peel-Bericht bleibt alles in allem das wichtigste und gründlichste Werk, das seit 1933 von nichtjüdischer Seite über die praktisch-politische „Judenfrage" geschrieben worden ist. Sein Studium muß uns alle ohne Rücksicht auf Weltanschauung und innerjüdische politische Richtung in den nächsten Monaten beschäftigen. Auch unsere „Palästinakunde", in zahlreichen guten jüdischen Arbeiten niedergelegt, erfährt hier eine wesentliche Ergänzung und kann von jetzt ab nicht mehr ohne Vertrautheit mit dem Bericht der Königlichen Kommission von 1937 gelehrt oder gelernt weiden. II. Nachstehend ein kleiner charakteristischer Ausschnitt — nicht mehr als eine Leseprobe — aus dem zweiten Abschnitt über jüdisches Erziehungswesen (aus dem großen Erziehungskapitel XVI): Die nationalistische Neigung in der Erziehung ist gewiß in anderen Ländern verbreitet genug und sie ist ein natürliches, ja fast unvermeidliches Produkt des Zionismus in Palästina, Wir sind nur interessiert, festzustellen, daß vom Alter von drei oder vier Jahren an, wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, um Hebräisch zu lernen, wenn sie es nicht schon können, der Stolz auf die Vergangenheit der Juden und auf das Nationalheim als eine ausschließlich und augeprägt jüdische Leistung in der Gegenwart der dynamische Mittelpunkt ihrer gesamten geistigen Entwicklung ist. Der Gedanke, daß sie ihr Leben in irgendeiner Weise mit den Arabern teilen müssen, daß sie aufwachsen, um mit den Arabern Bürger eines gemeinsamen palästinensischen Staates zu werden, ist nur dadurch anerkannt, daß in den höheren Schulen etwas arabisch gelehrt wird; und diese Maßnahme ist, wiewohl an sich ausgezeichnet, gänzlich unzureichend, solange der ganze übrige Unterricht weniger durch ein palästinensisches als vielmehr ein rein jüdische Ziel beeinflußt wird. Das jüdische Erziehungssystem, tatsächlich weit davon entfernt, ein besseres Verstehen zwischen den Völkern zu erleichtern, erschwert dies mehr und mehr, da Jahr für Jahr mehr eifrige jüdische Nationalisten daraus hervorgehen. Das jüdische Erziehungssystem gipfelt in der Hebräischen Universität Jerusalem. Ihr Hauptziel war bei der Begründung die Bildung eines Mittelpunktes für die Forschung graduierter Gelehrter in Natur- und Geisteswissenschaften; das Verlangen nach -akademischer Ausbildung unter den Juden war jedoch so stark, daß sich dort nunmehr eine beträchtliche Schar von Studenten befindet. Die Universität hat Abteilungen für Judaistik, Orientalistik, allgemeine Geisteswissenschaften, Mathematik, Physik, Chemie, Botanik und eine Anzahl verwandter Wissenschaften; ebenso eine besondere Abteilung für Krebsforschung. Es gäbt einen Stab von 27 Professoren, außerdem Lektoren und Assistenten, und 1935 gab es 391 Studenten, von denen gegen 30 Prozent ihre höhere Schulbildung in Palästina empfangen hatten, die übrigen aus anderen Ländern, vornehmlich Polen, kamen. Die Universität ist mit Laboratorien und Hörsälen verhältnismäßig gut versorgt; ihre ausgezeichnete Bibliothek ist baulich wie katalogmäßig modern; und bei ihrer großartigen Lage auf dem Skopus- Berge besitzt die Universität umfangreiche Flächen für weitere Bauten, wenn es ihre Mittel erlauben. Es ist bemerkenswert, am Rande Asiens eine Universität zu finden, die den höchsten Stand westlicher Gelehrsamkeit behauptet. In ihrem Lehrkörper befinden sich Namen, die In Europa und Amerika wohlbekannt sind. Ihre Forschungsarbeiten lassen sich mit denen vieler älterer Institutionen vergleichen. Die Ausdehnung dieser Forschung ist durch die Entfernung Jerusalems von den Mittelpunkten moderner Zivilisation natürlich begrenzt; und die Universität konzentriert sich deshalb weise auf bestimmte Abteilungen, wie z.B. eine erschöpfende Erforschung Palästinas und seiner Nachbarländer, wie sie anderwärts nicht betrieben werden kann. Derart hat sie zu unserer Kenntnis des Vorderen Orients und besonders des Lebens und der Kultur der Araber Wertvolles beigetragen. Ein bemerkenswertes Beispiel, hierfür ist die kürzlich erfolgte Textausgabe des arabischen Geschichtsschreibers al-Baladhuri durch den Universitätsverlag. In ihrem Eifer für Gelehrsamkeit und sorgfältiges Studium gibt die Hebräische Universität ein Beispiel für ganz Palästina. Aber sie ist nicht eine palästinensische Universität. Sie ist die Krönung des jüdischen Erziehungssystems. Der Lehrbetrieb ist vollständig hebräisch. Alle Studenten sind Juden. Der Geist der Universität ist zwar gewiß nicht der Geist von Tel-Awiw. Sie steht etwas abseits von dem volkstümlichen Leben des Nationalheims. Sie ist in der Tat einer Geisteshaitung verbunden, die die politische Seite des Zionismus als; seinen geistigen und kulturellen Idealen untergeordnet ansieht. Wir zweifeln jedoch, ob diese Denkart innerhalb der Studenten der Universität weit verbreitet ist; und wir sind sicher, daß die große Mehrheit der Juden in Palästina sie nicht teilt. Eine ideale, heute noch ferne Lösung der Palästinafrage Eine großzügige Lösung für die Dauer. In dem schrillen Chaos der ersten Stimmen zu dem englischen Teilungsplan vor dem Kongreß fand man nur wenige wirkungsvolle und politische Gedanken, die der jüdischen Situation angemessen und mehr als Sentiments, Klugheiten oder parteiisch gestanzte Monologe waren. Ein einziger produktiver Gegenvorschlag — von Sorge und Sachverständnis diktiert — verdient durch sein Eigengewicht über den Tag Lernt Hebräisch! Jeder Jude sollte die Sprache des alten jüdischen Volkes und des neuen Palästina erlernen, um sich einen unmittelbaren Zugang zur reichen jüdischen Kultur zu verschaffen. (Siehe Mitteilung über die Hebräischen Sprachkurse ab 1. September in dieser Nummer.)

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