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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-07-15 · 14 (15.7.1937) · p. Seite 266

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
14 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
Seite 266 (sequence 4)
Language
German
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266 Bayerische: Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 Rabbiner Dr. Max Freudenthal s. A. starb am 11. Juli 1937 in München Die Beerdigung fand unter außerordentlicher Beteiligung am 13. Juli im Alten Israelitischen Friedhof in München statt. Jüdische Meisterwerke in München unter dem Hammer Mitte Juli findet im Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller, Odeonsplatz 4, eine vielseitige Gemäldeauktion statt, die durch die Bestände an Werken aus der Werkstatt jüdischer Künstler für uns von Interesse ist. Etwa 100 Bilder des 19. und 20. Jahrhunderts kommen unter den Hammer, sie entstammen mehreren Privatsammlungen in Nord- und Süddeutschland, die, wie der Verfassendes Vorworts zum Katalog der Versteigerung betont, auf entschiedener Übereinstimmung in Bezug auf Geschmack, Kultur und persönlichen Ansprüchen beruht haben. Ausgangspunkt ist der kleine, sehr gewählte Kreis der Münchener Kunst des 19. Jahrhunderts des Genre und der Landschaft, dann geht es weiter zu den Arbeiten, die von einer etwas höheren, mehr auf ganz Deutschland gerichteten Warte ausblicken, um schließlich einige nordeuropäische und französische Namen von Klang mit unter den Hammer zu bringen. Zwei Meisterwerke von Max Liebermann werden im Versteigerungskatalog abgebildet: Das Pastell mit den holländischen Kindern (No. 50), jener Knabe und das Mädchen in Holzpantoffeln auf einer Landstraße, bezeichnete Arbeit des toten Meisters, etwa 76 cm hoch und 60 cm breit. Außerdem kommt das „Mädchen in Laren", öl auf Pappe (No. 49), ebenfalls aus Heinrich & Hugo Marx Bankgeschäft Gegründet 1898 München, Theatinerstr. 7/1 Eingang Maffeistr. Kapital- Anlagen, Conto-Corrent-Credite Liebermanns holländischer Schaffenszeit, in der Foto des Kataloges gut heraus. Das Werk stammt aus der Zeit der Flachsscheuer von 1886, das Mädchen in dunkelbrauner Samtkappe, braunem Kleid und rötlicher Schürze ist bereits in der Liebermann-Biographie von E. Hancke, Berlin 1914, abgebildet. Um ihn herum sein Zeitgenosse und besonders in den leuchtenden BlumenstiUeben Verwandter: Lovis Corinth, dessen jüdische Gattin Charlotte Berend ebenfalls malte, die in bejahender Daseinsfreudigkeit zu einem glücklichen Symbol dieses Künstlerlebens wurde. Das „Parisurteil" und die „Alte Italienerin in Torbole" stammen aus ganz verschiedenen Schaffenszeiten von Corinth, werden aber gerade deshalb einen Gradmesser für die Bewertung in der Münchener Auktion bringen. Ein kleiner Kreis französischer Gemälde schließt diese süddeutsche Auktion. Uns interessieren drei Meisterwerke von Camille Pissarro, der nie in seinen Arbeiten jüdische Themen angeschlagen. Der Münchener Katalog bildet das in der Literatur erwähnte „Eselsfuhrwerk" ab, dem auch die Bestätigung von Pissarros Sohn Manzana Pissarro zugrunde liegt, und den „Blick auf die Seine". Es wird in dem Versteigerungsverzeichnis berichtet, daß wegen zu späten Eintreffens der „Place du Carroussel bei trübem Wetter", jenes Bild Pissarros mit dem Louvre, dem Triumphbogen und den Spaziergängern, bezeichnet und abgebildet bei W. Kirchbach „Pissarro und Raffaelli" in „Die Kunst unserer Zeit", eine Abbildung nicht ermöglicht werden konnte. In jedem Fall haben wir drei berühmte Bilder des bedeutenden Impressionisten vor uns, das erste gehört der Jugendzeit an, die beiden letzteren entstanden um die Jahrhundertwende. Vergleicht man die drei Arbeiten, so wird gerade jetzt an den Münchener Bildern ersichtlich, wie sich Pissarro vom Studium Millets zu seinem eigenen Stil ausgebildet hat, in dem er wie kein anderer seiner Zeitgenossen die Stadt Paris im Licht grau zerfließender Nebelschleier, die von der Seine aufsteigen, und im gleißenden Silberschein strahlender Sommertage wiedergab. Man weiß, daß sich der Künstler gern in einem Hotel einmietete, um vom Fenster aus malerische Ausblicke über Paris auf die Leinwand zu bringen. Dr. O. B. Aus der Gemeinde München Nachruf für Justizrat Dr. Max Feuchtwanger. Am 7. Juli ist nach längerem Leiden, aber unerwartet schnell Herr Justizrat Dr. MaxFeuchtwanger hier im 64. Lebensjahr verschieden. Der Heimgegangene, hier geboren und aus der großen und hochgeachteten hiesigen Familie stammend, hat sich der juristischen Laufbahn gewidmet und nach gut bestandenem Examen hier den Beruf als Rechtsanwalt ausgeübt, in welchem er wegen seiner Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit sich allgemeiner Achtung erfreute. Max Feuchtwanger war ein durchaus humanistischer, auf den profanen Gebieten der Literatur und auch der Kunst hochgebildeter Mann. Am jüdischen Leben nahm er schon von Jugend auf regsten Anteil. Der strengreligiösen Richtung angehörend, wurde er als Vertrauensmann der Orthodoxen im Jähre 1913 in die Verwaltung der Kultusgemeinde hier gewählt. Seit Änderung der Verfassung bekleidete er bis zu seinem Ableben das Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung. Außerdem war er jahrelang zuerst in der Vertretung, später im Rat des bayerischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden tätig. In diesen Organisationen gehörte er den wichtigsten Ausschüssen an. Nachdem er schon jahrelang 2. Vorsitzender der Israelitischen Religionsgesellschaft Ohel Jacob war, wurde er nach dem Tode von Sigm. Fraenkel s. A. im Jahre 1925 1. Vorsitzender dieses Vereins. Uberall bewährte Max Feuchtwanger sich als vornehmer, toleranter und stets zur Vermittlung bereiter Charakter. Im privaten Leben streng traditionell eingestellt und Thorabeflissen, war er gleichwohl entschiedener Anhänger der Einheit der Gemeinde und so energisch er auch stets die ihm anvertrauten orthodoxen Belange vertrat, so hatte er doch immer die Interessen der Gesamtgemeinde im Auge, daher seine ausgesprochene Friedensliebe, seine verbindliche Art in der Verhandlung mit den anderen Richtungen, so daß er sich in allen Lagern der größten Wertschätzung erfreute. Er gehörte zahlreichen religiösen, wohltätigen und auch jüdisch-sozialen Vereinen, z. T; auch als Vorstand an. In der Gemeindevertretung und im Ohel Jacob zeigte er besondere Geschicklichkeit in der Leitung der Sitzungen. Uberall wurde sein offener, jeder Diplomatie abholder Charakter geschätzt. Er war ein absolut zuverlässiger Verhand*- lungspartner. Mit besonderer Bewunderung muß betont werden, daß er, obwohl schon lange Jahre leidend, sich keinen Moment

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