Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 14 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- Seite 265 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitmig 265 ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN |LEHRHAUS | Samstag, den 24. Juli, abends 9.15 Uhr, Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7 Vortrag von E. L. Sukenik Professor an der Universität Jerusalem Die neuen Ausgrabungen in Palästina Mit u^biidem Einführungsansprache: Dr. Alfred Neumeyer Vorsitzender der Israel. Kultusgemeinde Eintritt frei! oder jenseits des Jordans gefunden worden, sondern eine Anzahl auch in Griechenland und Cypern. Sie beweisen interessante archäologische, geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge zwischen Palästina und diesen Ländern. Im Hinblick auf diese Zusammenhänge ist Palästina nicht Sukeniks einziges Forschungsgebiet. So führte er eine Synagogenausgrabung in Griechenland durch. Jerusalems Dritte Mauer Eines der vielen Ausstellungsobjekte des Archäologischen Museums der Hebräischen Universität erscheint dem Betrachter besonders geschichtsbeschwert: eine jener Tausenden von Steinkugeln, wie sie vor der zweiten Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 von den Römern in die belagerte Festung geworfen worden sind... Gefunden hat man diese Kugel bei der Ausgrabung der so berühmten „Dritten Mauer", um deren geographischen Verlauf sich die Gelehrten seit Jahrzehnten stritten, bis nunmehr Dr. Sukenik und sein Kollege, Prof. Mayer, zwischen dem Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim und der American School of Archaeology einen Teil dieser Mauer freilegten und ihren Restverlauf fixierten. Der Anfang des Baues der Dritten Mauer fällt in die Regierungszeit des römischen Königs Agrippa I., der nach dem Tode Caligulas die Herrschaft über Galiläa, Peräa, Judäa und Samaria ausübte und dessen Gerechtigkeitsempfinden selbst Mischna und Talmud lobend hervorheben. Kurz vor der Belagerung Jerusalems erst stellten die Juden die Mauer in Eile fertig. Gleichfalls von einem besonderen jüdischen Interesse war seinerzeit die Grabung von Beth Alpha im östlichen Emek. Im Jahre 1928 stießen die Siedler beim Bau einer Wasserleitung auf einen Mosaikfußboden. Sukenik entdeckte hier die Reste einer Synagoge. Bei der Freilegung des Fußbodens kam ein sehr schön erhaltener Bilderzyklus zutage. Als Bauzeit ergab sich der Beginn des sechsten Jahrhunderts. Ebenso grub Sukenik eine Felsensynagoge auf dem Karmel aus, die etwa aus der gleichen Epoche stammt, sowie in El- Chammeh, an den seit ältesten Zeiten geschätzten Heilquellen des Yarmuk südöstlich des Tiberiassees, eine fast quadratisch gebaute Synagoge, deren ausführliche Mosaikinschriften nicht allein die Namen der Mäzene nennen, die das Geld zum Bau des Tempels gaben, sondern auch ihre heimatliche Herkunft. Diese antike „Kurliste" sagt Wesentliches aus über die lokale Verteilung der jüdischen Bevölkerung Palästinas um die Zeit des fünften Jahrhunderts. Unter den Herkunftsorten der jüdischen Badegäste und Bauspender ist in der Synagoge von El-Chammeh übrigens auch der Ort Kapernaum genannt. * Bei den beschränkten Mitteln, die der Hebräischen Universität zur Verfügung stehen, da kein Staat für sie sorgt, sondern nur das jüdische Volk in freiwilligen Beiträgen, ist private Hilfe stets willkommen. Jizchak Goldberg, ein vor einem Jahr verstorbener Tel-Awiwer Mäzen, finanzierte Ausgrabungen auf einem in der Nähe Tel-Awiws gelegenen Grundstück, das ihm gehörte — nämlich auf dem Napoleonshügel bei Ramat-Gan: der kleine Berg trägt seinen Namen in Erinnerung daran, daß von hier aus Napoleon die Schlacht bei Jaffa leitete... Allerdings legten Sukeniks archäologische Forschungen an dieser Stelle im wahrsten Sinne des Wortes weit tiefere Geschichtsschichten bloß. Sie förderten Reste einer vermutlich von den Philistern erbauten Befestigung zutage, die aus dem 3. und 2. Jahrtausend stammt. Der Hügel war von seinen kriegerischen Beherrschern mit Lehmziegeln künstlich abgeböscht worden; von der Festungsmauer selbst fand Sukenik nur wenig erhalten. Ein Fund im Russischen Kloster Eine andere Tätigkeit der Archäologischen Abteilung der Hebräischen Universität erstreckt sich auf die Erschließung antiker jüdischer Grabstätten — hauptsächlich in Jerusalem und vor allem aus der Zeit vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Hierbei gelang ihm manche wichtige Entdeckung, und es steht zu hoffen, daß das umfangreiche Werk, das er über antike jüdische Gräber in Jerusalem schrieb, bald erscheinen' kann. In derartigen Gräbern findet man bisweilen Ossuarien, die häufig aufschlußreiche Inschriften tragen und in ihrem Innern außer den Gebeinen der Verstorbenen oftmals Schmuck, Gefäße, Waffen oder Münzen enthalten. So wurde bei der Anlage eines Botanischen Gartens an der Hebräischen Universtät eine interessante jüdische Grabhöhle erschlossen. Und in der Nähe dieses Ortes, im Russischen Kloster auf dem Ölberg, entzifferte Sukenik die in ihrem archäologischen Wert bis dahin unerkannte Inschriftenplatte des Ossuars des Königs Usiahu (etwa 780—740), der nach biblischer Überlieferung erfolgreich gegen die Philister kämpfte, nach zwanzigjähriger Regierungszeit aber vom Aussatz befallen und daher verbannt wurde. — Die Platte des Usiahu-Ossuars selbst ist bereits vor vierzig Jahren gefunden worden — leider weiß man nicht, wo. Eine weitere Entzifferungsarbeit, vorgenommen an einer Münze, deren Original im Britischen Museum liegt und deren Inschrift biher nur unrichtig gedeutet worden war, brachte Sukenik zu der heute allgemein anerkannten Feststellung, daß es zur persischen Zeit (4.-5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung) in Jerusalem eine eigene jüdische Münzprägung gegeben hat, was um so wahrscheinlicher ist, als die Provinz Judäa unter persischer Herrschaft Autonomie genoß. Der Elfenbeinpalast der Königin Isabel Was für wertvolle Funde in Palästina noch zu erwarten sind, deuten nicht zuletzt die Ergebnisse von Ausgrabungen in Samaria an, die die Hebräische Universität in Zusammenarbeit mit der Harvard-Universität, der British School of Archaeology und dem Palestine Exploration Fund durchführte. Unter einem Schutthügel des arabischen Dorfes Sebastije, zwischen Nablus und Jenin, fand man die Reste der im Jahre 782 vor der christlichen Zeitrechnung von den Assyrern zerstörten Stadt Samaria, der Hauptstadt des Königsreichs Israel, und darunter Elfenbeinplatten und Schnitzereien aus dem bereits in der Bibel erwähnten Elfenbeinpalast der Königin Isabel. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII Stadtfiliale Hochbrückenstr. 14, Ecke Herrnstr. Änderungen im Fernsprechverkehr mit der Israel. Kultusgemeinde: Wohlfahrtsstelle nur Nr. 12883, 13771 Winterhilfe . . nur Nr. 13401, 13935.