Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 13 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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250 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 tragen natürlich stärker an dem früher Gewesenen, ihr Blick geht zurück zu dem, was sie waren, aber sie sind doch unendlich stolz auf das, was ihre Kinder hier geschaffen haben. Und nun sind ja auch schon unzählige Enkelkinder da. Gerade treffen wir eine Großmutter aus Deutschland in einiger Verzweiflung auf dem Spaziergange mit ihrem Enkelchen. Sie mögen sich ja ganz gut sein, diese beiden Menschen, die sieben Jahrzehnte auseinander sind. Aber reden können sie nicht miteinander, denn die Großmutter spricht perfekt deutsch und das Enkelkind perfekt hebräisch, und es bedurfte erst eines Dolmetschers, um dem Enkelkind die Wünsche der Großmutter zu übermitteln! Und da sind wir bei einem wichtigen Kapitel, dem Neuwerden der hebräischen Sprache. Für die junge Generation ist sie eine Selbstverständlichkeit. Ach, was sind diese kleinen Kerle zu beneiden, daß sie die Schwierigkeiten der Grammatik nicht erst aus „Kaleko" erlernen müssen. Für sie ist der „Kai" oder der „Hitpael" eine Selbstverständlichkeit. Der Arbeitstag ist vorbei. Die Duschräume sind überfüllt, ein neuer ist gerade im Bau. Das Abendbrot ist verzehrt, nach der drückenden Hitze des Tages ist die Abendkühle gekommen, die Geräusche der Arbeit sind verschwunden, nur eintönig die ganze Nacht hindurch erklingt das Pochen der elektrischen Brunnen. Da tönt noch einmal der Gong: Versammlung im Eßsaal. Man spricht über die Probleme der Wirtschaft, der zukünftigen Pläne für den Ausbau, man stimmt über die Aufnahme neuer Mitglieder ab. Selbstverständlich und eigentlich überflüssig zu sagen, man spricht nur hebräisch. An einem Abend ist ein Abschiedsfest für eine Gruppe der Jugend-Alijah aus Deutschland, die ihre zweijährige Ausbildung beendet hat und nun nach einem anderen Dorfe übersiedelt. All diese jungen Menschen haben vollkommen die hebräische Sprache erlernt, die meisten von ihnen benutzen sie auch zur Umgangssprache untereinander, der beste Beweis dafür, wie vertraut sie ihnen geworden ist. Prachtvoll haben sie sich entwickelt. Starke und große selbstsichere Menschen sind es geworden mit voller ^Verantwortung für das Ganze. Zum erstenmal an diesem Abend werden sie nicht mehr als Jugend, sondern als Erwachsene behandelt. Man dankt ihnen auch für das, was sie der Siedlung gewesen sind. Und sie antworten in der hebräischen Sprache, sie singen in ihr, und am Schluß des Abends packt die ganze Gemeinschaft der Rausch einer Horrah, eines Tanzes, der oft geschildert, aber doch nur in Erez Israel erlebt werden kann." Die Nacht senkt sich über den Kibbuz. Lange ist in den Zelten das Licht erloschen, die Wächter streifen durch Feld und Siedlung. Die Brunnen ticken unaufhörlich, die Schakale heulen, und ab und zu klagt ein Esel mit einer Stimme, fast menschenähnlich. Kurz ist so eine palästinensische Nacht, aber leuchtend schön: Friede liegt über dem Lande, Zukunftsfreudigkeit und der Wille, sich zu behaupten, mögen die Entscheidungen, die irgendwo gefällt werden, ausgehen, wie sie wollen. Die hebräischen Grundbücher des Judentums in neuen mustergültigen Ausgaben Von Ludwig Feuchtwanger Die Mandelkernsche Bibel-Konkordanz, für deren Zustandekommen und Verkauf der Verfasser Dr. Mandelkern vor 40 Jahren auch in München noch persönlich geworben hatte, die Baer'sche Tefillo, das Gebrauchsbuch für das ganze Jahr und das Netter'sche Chumesch mit den vielen Kommentaren um den Text herum, gehörten in der gepflegten und reichen jüdischen Bibliothek meines elterlichen Hauses zwar nicht zu den Selten-. heiten der schönen Büchersammlung, die ich viele Jahre lang, vor allem vor Pesach, meinen Vater ordnen und in Stand halten half, diese drei Werke standen vielmehr offen zur täglichen Benützung bereit. Die Baer'sche Tefillo, die alte Ausgabe von 1868, ist zu allen Gelegenheiten, oft mehrmals im Tag, vor meinem Vater gelegen. Einen Katalog der wertvollsten hebräischen Werke unserer elterlichen Bibliothek — 333 Werke — hat Jakob Hirschinger m München sachgerecht und bibliographisch sorgfältig im Jahr 1903 angefertigt. In der Sammlung waren viele vollständige hebräische Inkunabeln, darunter prachtvolle Soncino-Drucke. Unser Glanzstück war die Editio princeps des „Sohar", drei Bände, auf Pergament gedruckt, in Mantua 1558—60, erschienen. Die berühmte Londoner Firma Maggs Brothers hat den Pergament-Sohar nach dem Tode meines Vaters um eine ansehnliche Summe gekauft. Der kalligraphisch geschriebene Hirschinger'sche Katalog ist noch in meinem Besitz. Die Werke selbst sind dagegen in alle Winde zerstreut. Blättere ich heute das Bücherverzeichnis der 333 Werke durch, so bleibt mein Trost, daß mir wenigstens Verfasser und ihre Hauptideen, vor allem die großen jüdischen Standard-Werke,' einigermaßen — nicht nur bibliographisch — vertraut sind. Die jüdische Geschichte besteht ja nicht aus Schlachten und Friedensschlüssen, sondern aus Büchertiteln. Wer nicht schon in früher Jugend einen „Semak" von einem „Semag" unterscheiden konnte, wer nicht Jahr für Jahr immer wieder bedauert hat, daß der Druck des „Pachad-Jizchök" von Lampronti seit 1750 immer noch nicht abgeschlossen sei und wer nicht die endlose Reihe der „Mekize-Nirdomim"-Bände wachsen sah, weiß nichts von der Liebe zum hebräischen Buch. Die Ehrfurcht vor dem Buch war bei allen unseren zahlreichen Geschwistern — die sonst höchst gegensätzliche und scharf formulierte unbequeme Daseinsrichtungen oft ohne Ehrfurcht vertraten — etwas Selbstverständliches. Die Erinnerung an unsere alten hebräischen, wohl erhaltenen und behüteten Bücherschätze muß nicht erst durch das neue Schocken'sche Editionsunternehmen geweckt werden, diese Erinnerung war. bei mir immer sehr wach, zu meiner Beschämung muß ich gestehen, sogar lebendiger als die an manche Personen, die damals im Hause aus- und eingingen. Aber wenn heute von drei der neuen Faksimile-Drucke des Schöckenverlags berichtet werden soll, so darf die alte Verbundenheit mit den Originalausgaben und den zahlreichen verwandten Drucken, die einst um sie herumstanden, an die Spitze gestellt werden. Die Bibelkonkordanz von Mandelkern1 Die vom Zeitpunkt ihres ersten Erscheinens an als unerreichtes Standardwerk gerühmte Mandelkernsche Konkordanz enthält den Nachweis sämtlicher in der Bibel vorkommenden Wortstämme und Wörter in allen ihren Formen, einschließlich der Partikeln, Fürwörter und Eigennamen, und zwar nach dem Wortlaut des maßoretischen Textes, samt lateinischer Übersetzung und hebräischer Erklärung. Sie beschränkt sich nicht auf die Stellenangaben, sondern notiert — nach der jüdischtraditionellen Reihenfolge der biblischen Bücher — alle angezogenen Stellen im Wortlaut. In der vorliegenden zweiten Auflage ist es dem Herausgeber gelungen, auf Grund hinterlassener Notizen des Verfassers und auf Grund gedruckter oder ihm handschriftlich zur Verfügung gestellter Listen wichtige Ergänzungen anzubringen. Der Halblederband in Lexikonformat, 1568 Seiten stark, kostet nur RM. 30.—. Das „Chumesch" mit den Randkommentaren2 Das Fünfbuch der Tora steht seit je im Mittelpunkt des jüdischen Glaubenslebens und Denkens. Immer wieder ist es neu kommentiert worden, und einige dieser Kommentare sind den 1 tJHpn V^Tl 1SD Dr. S. Mandelkern: Bibelkonkordanz (Veteris Testamenti Concordantiae hebraicae atque chaldaicae). Zweite vermehrte und verbesserte Ausgabe, herausgegeben von F. Margölin. 1568 Seiten in großem Lexikonformat (24,5X32.5 cm). In Halbleder gebunden RM. 30.—. •min^öinntfpnnWJmxnpO Die fünf Bücher der Weisung (Tora) mit den klassischen Kommentaren, den aramäischen Übersetzungen und weiterem reichen Apparat, dazu die Haftarot und die Fünf Rollen (Megillot) mit ihren Kommentaren und Targumen, herausgegeben von S. Netter. Das Buch enthält 1632 Seiten und erscheint in zwei Ausgaben: 1. einer Ausgabe in Originalgröße (22,5X30,5 cm) zum Preise von RM. 20.— in zwei Leinenbänden und von RM. 25.— in fünf Leinenbänden. 2. einer stark verkleinerten Dünndruckausgabe (14X20 cm) in einem Lei- Jienband zum Pjeise von RM. 9.80. Kein Gemeindeiniiglied ohne die blaue Karte für Hilfe und Aufbau