Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 13 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 249 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KachrichtenblattüecIsraelittschenKultuSgemeinüeninMünchen/Augsburg/Hamberg/ unö Üeü Äerbanöeö Hagerischer Israelitischer Gemelnüen Frsehelnt am 1. u. 15. jeden Monats. — Verlag: 6. Heller, München, Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarlf. XIII. Jahrgang München, 1. Juli 1937 Nr. 13 Inhalt: Vom Leben der Arbeit in Erez Israel — Die hebräischen Grundbücher des Judentums in neuen mustergültigen Ausgaben —Vorkämpfer jüdisch-nationaler Musik im Osten — Aus der Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München — Jüdischer Lehrerverein für Bayern e.V. — Jüdischer Turnu. Sportverein München e.V. ..Jtus“ — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Bücherschau—Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Isr. Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Personalia Vom Leben der Arbeit in Erez Israel Ein Stimmungsbild aus Giwath Brenner Von Dr. Willy Cohn in Breslau Man hat alles, was so über Erez Israel im Laufe der Jahre und Jahrzehnte geschrieben ist, gelesen, man hat unzählige Male über das Leben der arbeitenden Menschen gesprochen, aber schließlich hat man es als untragbar empfunden, über etwas zu reden, was man nicht gesehen, oder vielmehr, was man nicht miterlebt hat. Und als nun diese Reise nach Erez Israel aus einem Wunschtraum vieler Jahre zur Wirklichkeit wurde, da stand es von vornherein fest, sie nicht so anzulegen, wie es viele Touristen tun: d. h. mit einem Auto durch das Land zu rasen, möglichst alle Orte zu sehen, aber in jedem nur Stunden zu bleiben. Wie oft hat man es erleben müssen, diese Eiltouristen.nachher am Vortragspult oder am Diskussionstisch mit angeblich sachverständiger Miene zu hören. Von der mir zur Verfügung stehenden Zeit habe ich einen wesentlichen Teil im Zelt in Giwath Brenner gelebt. Ich habe das Dasein der arbeitenden Menschen zu teilen versucht und, soweit es möglich war, in diese durch die Art ihres Daseins schweigsam gewordenen Menschen hineinzuschauen — und trotzdem: ich maße mir nicht an, ein Recht zu haben, über ihr Leben etwas Endgültiges zu sagen, nur ein Stimmungsbild will ich versuchen, von ihrem Leben zu zeichnen. Es ist früharm Margen—Der Gong ertönt, und überall regt es sich in den Zelten, in den Srifim (in den Holzhäusern), in den Steinhäusern, man steht zur Arbeit auf. Es heißt die Morgenstunden ausnützen, ehe die Sonne allzu hoch herauskommt. Gruppenweise geht es heraus, so wie es die Arbeitsordnung, die am Abend vorher im Chadar-ochel (dem Eßzimmer) angeschlagen war, bestimmt hat. Die einen zum Pardess (zum Orangengarten), die anderen in den Gemüsegarten, wieder andere in die Baumschule; eine Gruppe arbeitet am Gießen der neben Betonhäuser, daneben laufen die vielfachen Gruppen des inneren Dienstes. Schon lange hat die Küche mit der Arbeit begonnen, in den Kinderhäusern wird der Nachtdienst abgelöst, kurz und gut, das Dorf erwacht. 750 Menschen leben hier, keine flüchtigen Gäste, Menschen, die etwas gefunden haben, was in der hebräischen Sprache ebenso gemütvoll klingt, wie in der deutschen „moledet“, die Heimat. Schon wenn man sie zur Arbeit schreiten sieht, so merkt man, wie der Charakter des Landes sie gewandelt hat. Es ist keine Hast mehr über ihnen; ruhig und gemessen geht jeder seines Weges in dem Bewußtsein, seinen Platz auszufüllen. Fast niemals hört man laute Rufe, häufig hebräisches Singen. So arbeitet man mehrere Stunden schon vor dem Frühstück. Ein Frühstück, das denjenigen, die weit draußen in der ausgedehnten Wirtschaft zu tun haben, von einem kleinen Eselwagen in die Holzbaracke aufs Feld getragen wird, die andern finden sich im Speiseraum ein. Brot des Landes, herrliche Orangenmarmelade, deren Früchte draußen gewachsen sind, Kaffee, Milch, Butter, gelegentlich Rettiche bilden das einfache, aber kräftige Frühstück. Man ißt schweigend, es wird überhaupt wenig gesprochen. Man kennt sich, und die Phrase des Vielredens hat keinen Zweck. Gegen 8 erscheint auch der Autobus des „Drom Jehuda“, der Autogesellschaft des südlichen Palästinas, mit ihm fahren Außenarbeiter herunter, so weit sie nicht schon vor Morgengrauen mit dem Milchauto den Ort verlassen haben, und auf dem Verdeck dieses Autobus reisen die herrlichen Schnittblumen, die wenige Stunden später auf dem Markte von Tel-Aviv erscheinen (in Erez Israel schenkt vor Sabbath-Beginn jeder aufmerksame Ehegatte seiner Frau Blumen). Die Vormittagsarbeit geht ihren ruhigen Gang, die Berieselung der Felder arbeitet Tag und Nacht, die Inkubatoren, in denen unzählige Hühnchen ausgebrütet werden, kennen auch keine Pause. Überall sind fleißige Menschen beim Werke, die meisten innerlich erfüllt von dem, was sie sind. Wir, die wir bald hier, bald dort zuschauen, wir kommen uns ein wenig überflüssig vor, wie jeder, der nicht imstande ist, an der Erlösung des Bodens mitzuhelfen. Wo Giwath Brenner steht, war von zehn Jahren die Wüste Jehuda, im Altertum sicher einmal ein fruchtbares Land, aber dann, mindestens ein halbes Jahrtausend, wahrscheinlich aber viel länger, nicht mehr bestellt. Und nun ist es im Frühjahr erfüllt mit unbeschreiblichem Duft der Orangen, belebt von jungen Menschen, die es gewiß oft nicht leicht haben, aber von denen doch keiner mehr zurück in die Schreibstube, hinter den Ladentisch möchte, die alle in kurzer Zeit rechte Bauern geworden sind. — Die Eltern, die hier leben, es ist schon eine ganze Anzahl angeforderter Eltern vorhanden, sie Änderungen im Fernsprechverkehr mit der Israel. Kultusgemeinde : Wohlfährtsstelle nur Nr. 12883, 13771 Winterhilfe . . nur Nr. 13401, 13935.