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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-06-15 · 12 (15.6.1937) · p. Seite 235

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (15.6.1937)
Date
1937-06-15
Page
Seite 235 (sequence 7)
Language
German
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Nr.:i2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 235 Torczyner betont mit Recht unentwegt immer wieder, daß man zur Erklärung sprachlicher Erscheinungen vom Laute und nicht von dem Zeichen des Lautes, dem Buchstaben, auszugehen hat Er legt den phonetischen Unterschied zwischen Vokalen und Konsonanten dar und zeigt, wie die Konsonantenzeichen aleph, he, wav, jud schon frühzeitig in der Schrift als Vokalzeichen auftreten konnten, da sie gleichsam Halbkonsonanten waren oder Halbvokale, weil bei ihnen kein Verschluß des Mundes, sondern nur eine Enge hergestellt wird. Das wav sei wie das englische double u zu. sprechen, und auch diesen Unterschied vom dem wet sollte man bei feierlichem Lesen hören lassen. Die Verwendung der Zeichen aleph, he, wav und jud als raatres lectionis in sonst unpunktierten Texten hat im Laufe der Zeit zu mannigfachen Irrtümern geführt, die verbessert werden sollten. Sowohl in der Formbildung von Verben, in denen z. B. das wav als Konsonant und Vokalzeichen auftritt, wie auch im gleichen Falle beim jud, und in der Verwechselung des demonstrativen „zo" mit dem Relativum „zu" sind die Irrtümer schwer zu beseitigen. Auch ganze Wörter, wie z. B. „ofan" Rad und „ofen" Art und Weise, „bima" und „bama" werden häufig verwechselt. Daß die Vokale sich beim Wechsel der Betonung ändern, ist eine Tatsache, die sehr beachtet werden muß. Der Entstehung der Vokale „e" und „o" aus den Grundvokalen a, i und u, den offenen und geschlossenen kurzen und langen Silben und dem Einfluß des Akzentes auf ihre Veränderung widmet Torczyner den vorletzten Vortrag, um im Anschluß daran am Ende die notwendige sorgfältige Beachtung des Scheva und des Dagesch im Zusammenhang mit dem Akzent zu erörtern. Gewiß hat Torczyner recht, daß er für die öffentliche Rede und Vorlesung in der Synagoge und auf der Bühne eine möglichst korrekte einheitliche Sprache verlangt, was schließlich einen gewissen Einfluß auf die Weiterentwicklung der Sprache haben kann. Aber, ob damit die vielen, vielen anderen Einflüsse — z. B. die Muttersprachen der Einwanderer — beiseite bleiben werden, ist mehr als zweifelhaft. Denn die Entwicklung einer Sprache läßt sich nicht leicht kommandieren. Mag es immerhin möglich sein, man sollte das gewiß nicht unversucht lassen, in Schule und Lehrhaus richtunggebend zu wirken, die Entwicklung wird ihren Weg gehen. Wissen wir doch heute noch nicht ,da die Frage der Kontinuität des Hebräisch-Sprechens noch offen ist, wann und wo der Unterschied zwischen Ajin und Aleph, Wet und wav usw. fiel. Aber trotz alledem sollten Lehrende und Lernende den von Torczyner angeregten Fragen sorgfältige Aufmerksamkeit zuwenden. Prof, J. Friedlaender. Ludwig Traube zum Gedächfnis Von Michael F r a e n k e 1 -Breslau Am 19. Mai 1907 starb in München der Philologe Ludwig- Traube im 46. Lebensjahre. Nach fast drei Jahrzehnten wird die Erinnerung an ihn durch einen berufenen zeitgenössischen Gelehrten wachgerufen. In der Historischen Vierteljahrschrift (Mai 1935) veröffentlicht Univ.-Professor S. Hellmann-München eine umfangreiche Abhandlung über „Das Problem der mittellateinischen Philologie". Der Verfasser zeichnet mit liebender Hand ein Bild Traubes. In lebendigen und unauslöschlichen Zügen hält er das Gedächtnis an den großen Menschen und Forscher fest. Aus den pietätvoll gestalteten persönlichen Ausführungen sei hier im' Gedenken an den 30. Todestag die Wiedergabe einiger Stellen gestattet. . „Als Ludwig Traube die mittellateinische Philologie begründete, geschah es wie in der Legende, wo auf das Wort des Heiligen die umherliegenden Bausteine sich von selbst zur Kirche zusammenfügen. Vorarbeiten waren seit Jahrhunderten geschehen ... Keiner von ihnen aber hatte daran gedacht, die mannigfachen Ansätze und Anregungen zu einem lebendigen Ganzen zusammenzufügen. Erst als der Mann kam, der das Gemeinsame in diesen Bestrebungen nicht nur erkannte, sondern auch ihm einen Namen gab, entstand eine neue Wissenschaft.. . Traube gehört in die Reihe jener, die große Gelehrte werden, nicht nur weil sie das Gebiet ihrer Wissenschaft bis in den letzten Winkel übersehen und ihre Mittel souverän beherrschen,- sondern weil der Gegenstand selbst, dem sie ihre Arbeit weihen, ein Stück ihres Lebens ist; sie haben ihn gewählt, nicht um ein Spiel des Witzes und Verstandes zu üben, auch nicht nur, um ein Stück Erkenntnis zu erarbeiten, das irgendwo in einen Zusammenhang anderer Erkenntnisse eingeflochten werden kann. 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Diese Uberzeugung hatte er nicht auf Schule oder Universität erworben, sondern im väterlichen Hause eingesogen, als einer der letzten Nachfahren von Generationen, die heute auf lange dahingegangen sind. Hier wurde auch der Grund zu seiner späteren wissenschaftlichen Größe gelegt. Traube ist einer der wenigen ganz großen Autodidakten, welche die Geschichte der Wissenschaft kennt. Auf der Universität hat er nur eine einzige Vorlesung gehört... Wenn man ihn nach seinen Lehrern fragte, so nannte er seinen früheren Schulrektor Karl Bardt und den eigenen Vater. „Mein Vater war ein ausgezeichneter Philologe." Der große Mediziner ließ sich nach der täglichen Berufsarbeit vom Sohn griechische und römische Autoren vorlesen und machte dazu textkritische Anmerkungen. Vielleicht haben sie, dem Heranwachsenden unbewußt, den Keim in ihn gesenkt, aus dem später seine Wissenschaft erwuchs... Traube ist in der Geschichte der Wissen- HAST DU DEN SCHEKEL SCHON GEZAHLT? Auf jeden Juden kommt es an! Gib auch Du Deine Stimme ab für unser Recht auf Palästina und erwirb den Schekel bei den Vertrauensleuten oder im Büro der Zionistischen Ortsgruppe München SchlosserstraQe 2/1

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