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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-06-15 · 12 (15.6.1937) · p. Seite 233

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (15.6.1937)
Date
1937-06-15
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gemeindezeihmg 233 heute eines der Ziele gesehen hatten, wofür wir den Weg der Jugend-Alijah gewählt hatten, wofür wir ins Land gekommen waren. Jetzt verfolgen wir wochenlang die Berichte über die Kämpfe und Schwierigkeiten, mit denen diese neue Siedlung und die anderen zu rechnen haben. Tel Amal muß sein Lager an einen anderen Platz verlegen. Hasadeh ihat noch kein Wasser, man bekommt dort jeden Tag eine Tasse voll zum Waschen; wochenlang schlafen alle Leute in ein oder zwei Baracken wie .in Massenquartieren. Nochmals müsseh Hilfskräfte aus den Siedlungen geschickt werden. Dann machen sich die Araber bemerkbar, und es gibt einen Toten und einen Verwundeten. Jeder ist sich klar, darüber, daß das ein schwerer Schlag ist — aber trotzdem kein Stein in unserem Weg. Glücklicherweise kommen jetzt auch erfreuliche Nachrichten von diesen Siedlungen: Hasadeh ist anerkannte Bahnstation geworden; vom Grenzlager her soll eine Wasserleitung dorthin verlegt werden. In der letzten Woche bekamen Tel Amal und Hasadeh Polizisten und Bewaffnung genehmigt. Dieser Werdegang der beiden Siedlungen, der Kampf vom ersten Tag bis zur Anerkennung durch die Regierung, der tägliche Kampf um Behauptung in einer arabischen Umgebung, der Kampf um neuen jüdischen Boden, neues jüdisches Land — dieser Kampf wird uns Vorbild und Wegweiser sein für die Zukunft unserer eigenen Gruppe. Wir haben den beiden Siedlungen viel zu danken, denn sie haben uns unseren Weg gezeigt! Wir wissen, daß wir diesen Weg gehen werden und gehen müssen — den Weg unserer Vorbilder: Hasadeh und Tel Amal. Pflege der hebräischen Sprache I. Richtige Aussprache. Der Vortrag, den der Dozent Dr. Moses Sister im Februar dieses Jahres über „Probleme der Aussprache ides Hebräischen" an .der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin gehalten -hat, ist soeben im Druck (Verfeig Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg 1937) erschienen. Sister geht von den Bemühungen aus, in Palästina die lebendige hebräische Kultur zu einer Massenkultur durch eine grundsätzliche, einschneidende Reform der hebräischen Orthographie zu machen. Orfchographiie und* Aussprache sind die beiden Hauptprobleme, die zu lösen sind, wenn man aus der hebräischen Sprache ein Instrument, wie es andere Verkehrssprachen sind, machen will. In Polen, einer Massensiedlung von 3,5 Millionen Juden, wo viele hebräische Volksschulen, Jeschiwofch, moderne Ghediarim, etwa 15—20 hebräische Gymnasien vorhanden sind, kann keine einzige 'hebräische Zeitung existieren. Sister 'führt das auf den Umstand zurüök, daß die Lektüre einer hebräischem' Zeitung noch immer ein Lernen und nicht ein Uberfliegen ist. „Man kann im Zeitalter des Kinos und des Sports nicht verlangen, daß man eine Zeitschrift jahrelang mit der Grammatik in der Hand lesen sfoil." Wer aus religiösen oder wissenschaftlichen Gründen die Entwicklung der hebräischen Sprache zu einem Werkzeug der „Massenkultur" mißbilligt oder beklagt, mag sich vielleicht an den Wegen, eine bequemere praktische Handhabung des Hebräischen für Wirtschaft, Verkehr und Alltag zu fördern, nicht beteiligen oder desinteressiert zeigen. Wer indes die nicht aufzuhaltende Entwicklung der besseren Verwendbarkeit und Vulgarisierung des Hebräischen beobachten und an der richtigen Pflege und Lenkung des Alltags-, Verkehrs- und Zeitungshebräisch mitwirken will, muß sich um die schwierigen und echt wissenschaftlichen Fragen einer richtigen Aussprache und bequemeren Rechtschreibung der hebräischen Sprache mit größter Sorgfalt kümmern. Wir empfehlen als Einführung in den Fragenkomplex Sisters ausgezeichnetes Schriftchen. Sister macht sich darin erfreulicherweise Ergebnisse des großen Münchener Sprachforschers Hermann Paul zu eigen, die in dessen „Prinzipien der Sprachgeschichte" niedergelegt sind. Wir dürfen zur Ergänzung hier noch die beiden neueren gemeinverständlichen Grundwerke von Leo Weisgerber (Die Stellung der Sprache im Aufbau der Gesamtkultur) und Georg Schmidt-Rohr (Die Sprache als Bildnerin der Völker) aufführen. Sister schärft von neuem den berühmten Satz von Hermann Paul ein: „Das Wort ist nicht eine Aneinanderreihung einer bestimmten Anzahl selbständiger Laute, von denen jeder durch ein Zeichen des Alphabets ausgedrückt werden könnte, sondern es ist im Grunde immer eine kontinuierliche Reihe von unendlich vielen Lauten, und durch die Buchstaben werden immer nur einzelne charakteristische Punkte dieser Reihe in unvollkommener Weise angedeutet." Das lebendige Wort ist mehr als die Summe der Konsonanten und Vokale, die in der Schrift ausgedrückt werden. Das lebendige Hebräisch lebt in den verschiedenen Dialekten der Herkunftsländer, in denen es jedoch ausnahmslos als gesprochene Sprache nur Lern-, Gebets- und Synagogensprache ist. Einen besonderen palästinensischen Dialekt gibt es vorläufig noch nicht. Abgesehen von n (taw) ohne Punkt, das als „t" ausgesprochen wird, und dem Vokal Cholem \ der als „o", und Kamez gadol, das als „a" ausgesprochen wird, werden die Laute so ausgesprochen, wie man es in den alten Heimatländern gewohnt war. „Man möge sich von den Vorurteilen befreien", sagt Sister sehr richtig, „als ob die tausendjährige Entwicklung der Aussprache des Hebräischen innerhalb der verschiedenen jüdischen Gemeinschaften nur aus Fehlern bestehe, dagegen das einzig Richtige entweder das Arabische oder die Abstraktion der gelehrten Philologen sei, welche die realen Tatsachen, die realen Kräfte der Sprache noch nicht genügend berücksichtigen wollen." Die Aussprache der tiberiensischen Uberlieferung stammt aus dem 7. und 8: nachchristlichen Jahrhundert. Es gibt daneben drei andere Punktationssysteme für die Vokalzeichen, und zwar zwei babylonische und ein palästinensisches, Uber den Sachverhalt des masoretischen Lautbestandes kann sich am Kirchensteuerzahlung! Siehe Bekanntmachung Seite 245.

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