Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 9 (1.5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 Wettfahrten und Wettlaufen, worüber die Chroniken des Theophranes und Malala berichten. Nach der endgültigen Zerstreuung der Juden ging ihr Sinn für körperliche Ertüchtigung undHeldenhaftügkeit durchaus rächt verloren. Aus der Geschichte der Juden in Persien sind uns die Taten kühner Helden überliefert, z. B. die von Aniilaj und Asiaajj, zweier Freischärler im Dienste des persischen Reicnes; die Juden winkten ferner in arabischen Heeren bei der Eroberung Spaniens durch die Araber mit. Und ein Jude aus denn arabischen Kulturkreis, unser gro&er Lehrer Moses ben Maimon, Philosoph und Arzt, war es, der im 12. Jahrhundert in seinen Werken auf die .ungeheuere Bedeutung der Leibesübungen hinwies und ihre Betätigung empfahl. Ballspiel, Ringen, Fechten, Frei- und Atemübungen bezeichnet Maimonides als Vorbedingung für Kraft und Gesundheit. In Deutschland dagegen sprachen sich bedeutende Rabbinen gegen Leiibesübuiwgen und einzelne Sportarten aus, so Rabbi Buna gegen Reiten und Wettrennen, Rabbi Meir von Rothenburg gegen die Jagd und die mittelalterliche Geschichte der Juden in Deutschland macht es unls verständlich, daß in dieser Atmosphäre von Bedrückung und Absonderung für körperliche Ertüchtigung kein Sinn und Ikein Raum waren, ja daß sie, wie durch Rudolf II. der Fechtunterricht für die Juden Prags, von den weltlichen Behörden verboten waT. Trotzdem wird uns aus Weißenfels (1386) und Augsburg (1470) von jüdischen Erfolgen bei allgemeinen Wettkämpfen (370 Schritte Wettlauf, 545 Pfund Stetosboßen. Hoch- und Weitsprung) berichtet. In der Neuzeit erst -beginnt eine umfangreiche Beteiligung von Juden am Sportleben. De Boxer Lyons (1769) und Mendoza (1790) in) England sind die ersten einer ganzen Reihe vorzüglicher Faustkämpfer in England und Amerika, und das 19. Jahrhundert sieht Juden in allen Sportarten mit in den ersten Reihen der Sieger in den Wettkämpfen. In allgemeinen und (seit 1897) in speziell jüdischen Sportvereinein nimmt die jüdische Jugend die Parole der Zeit nach körperlicher Ertüchtigung durch Leibesübungen auf und arbeitet in Begeisterung an diesem hohen Ziele, in Fairness kämpfend, erfüllt vom Vorbilde und vom Geiste der großen Helden eines uraltem, nie überwundenen Volkes. Ausstellung Münchner jüdischer Künstler in Berlin Das Sekretariat für bildende Kunst zeigt in den Klubräumen des Jüdischen Frauenbundes in Berlin) Arbeiten von drei Münchener Künstlern: Elisabeth Springer, Marielouise K o h n (Luiko) und Rudolf Ernst. Ganz uubekannt sind diese drei Künstler dem Berliner Publikum nicht mehr; war doch jeder von ihnen mit einigen Arbeiten auf der Reichsausstellung jüdischer Künstler im Berliner Jüdischen Museum im vergangenen Frühjahr (vgl. den Bericht über diese Ausstellung in Nr. 11, Jahrgang XH dieser Zeitung) vertreten, und in der Zwischenzeit hat auch das Berliner Museum die seinerzeit besonders beachtete Plastik „Mutter und Kind" von Elisabeth Springer erworben. Es ist interessant durch die größeren Ausschnitte aus der Ar/beit jedes Künstlers die flüchtige Beikaunitschaft vertiefen zu können und Einblick in Weg und Ziel des Einzelnen zu gewinnen. Der damalige Eindruck, daß Elisabeth Springer die stärkste Persönlichkeit der Drei ist, wird bekräftigt. Das blockhaft-geschlossene, erdnahe ihrer Plastiken fällt auf. Ob sie die kieine Plastik eines „Mädchens aus Bali" oder eine „Sitzende" gestaltet, „zwei Frauen im Gespräch" oder „Zwei liegende Mädchen" aus Zementguß formt, — immer sind es diese geschlossen) gesehenen großen, plastischen Formen, die — selbst bei anatomisch verbildeten, ja geradezu häßlich wirkenden Einzelformen — in ihrer Gesamtgestaltung uns aufmerken lassen. Auch bei den graphischen Arbeiten dieser Künstlerin — ursprünglich Schauspielerin von Beruf! — beobachten wir das runde Zusammenfassen von Formen, sei es die Kurve, die sich in der Haltung sohlittsohuhlaufender Kinder ergibt, sei es die große Umrißlirae einer „Katze". Man soll gewiß nicht immer danach fragen oder gar suchen, welche Einflüsse bei einem Menschen, einem schaffenden Künstler wirksam sind; hier aber bei Elisabeth Springer drängt sich unwillkürlich eine innere Verwandtschaft mit Barlach — speziell in der Plastik —und Edvard Münch in der graphischeu Formung auf. — Interessant sind Spielkarten, die die Künstlerin schon 1923 gearbeitet hat: Motive aus alter höfischer Zeit, modisch stilisiert, sind hierbei ebenso geschickt verwertet wie ländlich sich vergnügende Kinder; vermutlich eine zufällige Arbeit, aber äußerst wirksam und originell, ebenso wie auch die kleinen Masken sehr ansprechen. Von der Malerin Marielouise K o h n (Luiko) sahen wir auf der obenerwähnten Berliner Ausstellung bereits einmal das Thema „Mutter und Kind"; damals eine Mutter mit einem kleinen Jungen, der sich eng ansie schmiegt, jetzt eine „stillende Mutter". Auch auf dem Bilde „Jemenitiini" gibt die Künstlerin eine reife Frau, die in ihrer farbig und stofflich reichem Tracht Elisabeth Springer: „Sitzende" Rudolf Ernst: ..Porträt eines Malers" Maria Luise Kohn: „Jemenitin"