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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-05-01 · 9 (1.5.1937) · p. Seite 185

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
9 (1.5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 185 (sequence 1)
Language
German
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ifoycnfdjc Jfcaclrtifdjc <BcmcinÖC3eitung ItodfcM^ un& 6tß Öet&cmöetf #ayecffdfcc 3(caehtijrfjec (SememÖen Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag :B. Heller, München, Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XIII. Jahrgang München. 1. Mai 1937 Nr. 9 Inhalt: Leibesübungen bei den Juden - ehedem — Ausstellung Münchner jüdischer Künstler in Berlin — Aus der Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München — Aus bayerischen Gemeinden — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. ,,Itus" — Bücherschau — Jüdischer Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung der Isr. Kultusgemeinde München über die Verfassung des Verbandes; Bekanntmachung der Isr. Kultusgemeinde Karbach — Personalia. Leibesübungen" bei den Juden — ehedem Von Dr. Leopold Künstler -München Dem Plan, diese Nummer der Gemeinde-Zeitung dem jüdischen Torrn- und Sportwesen zu widmen, standen unüberwindliche Raumnöte entgegen. So muß der Abdruck; ider -abgezeichneten Studiie über „L e i b e s - Übungen bei den Juden — heute", als Pendant zu dem umlten veröffentlichten historischenßeiitrag gedacht, noch zurückgestellt werden, ebenso wie der ■instruktive Bericht über unseren Müncheiner „Jtus" von idessen Vorsitzenden Brnil Amanyi, und andere wertvolle Beiträge. Dies darf ums nicht abhalten, hier noch einmal auf das nladhdrückliehste j ede m Mitglied ^unserer Gemeinde den Beitritt zum „Jtus" und seine Förderung ans Herz zu legen. Ohne die systematische körperliche Ertüchtigung, der sich der „Jtus" in vorbildlicher Weise widmet, ist unsere Gemeinschaft auch in ihrer ideellen Arbeit gefährdet. Der tatkräftigen Unterstützung durch Mitgliedscahft 'darf sich n i e - mainiidl unter uns entziehen. Statt der leider ausfallenden weiteren Aufsätze verweisen wir auf das neue reich bebilderte „Jüdische Sportbuch" (1937; Verlag Atiid in Berlin), das in diesen Blättern vor kurzem (in der Nummer 6 vom 15. 3. 37) ausführlich beschrieben wurde. Ein Blick auf die Geschichte des jüdischen Volkes von seiner Seßhaftanachung im Lande Kanaan bis zu seiner endgültigen Zerstreuung als Volk nach der Niederlage Bar Kochbas ist ein Blick auf eine lange Reihe von Kriegen und kriegerischen Kämpfen. Und so sicher es ist, daß diese B'tnei Jisrael bis zur Zerstörung der Reiche Jisrael und Juda, und danin als Juden mach der Rückkehr aus Babel ein tapferes, streitbares, dem Kampfe der Waffen nicht aus dem Wege gehendes Volk gewesen sind gefürchtet bei den Völkerschaften Kanaans und nie 'unterschätzt von den das Land einschließenden Großmächten, so sicher ist es auch, diaß •dieses Volk Jisrael seit Urzeiten zur Erlangung und Erhaltumig kriegerischer Tüchtigkeit den Körper durch Leibesübungen gehärtet und' gestählt hat. Wenn ein Volk über Jahrtausende trotz stärkster Bedrängnisse in der Hauptsache durch den Besitz einer einheitlichen Religion, niedergelegt in einigen, eigentlich wenigem Büchern, bestehen konnte, so ist es besonders interessant zu betrachten, welche Rolle ungeistige. Faktoren in diesem Wunder der Erhaltung dieses Volkes gespielt halben. Wenn schon von Abraham — awinu 'gesagt ist, „wajarek eth-ohanichav" (I. Biuoh Moses, Kap. 14, V. 14), daß er seine „Waffengeübten" ausrüstete (chanichav, von chanioich — unterweisen, üben), ails er auszog seinen Bruder zu befreien, also von einer wohl einexerzierten Haustruppe Abrahams die Rede ist, so ist es doch klar, daß eine erhöhte Bedeutung der Wehrhaftmachung und den Leibesübungen erst dann zukam, als das Volk nach dem Auszuge aus Ägypten und während der Landnahme durchdie Berührung mit neuen Völkern seine kriegerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen hatte. Und wenn auch die starke Hand und der ausgestreckte Arm G'ttes Sein Volk im Kampfe begünstigten, so waren es doch sahwere und blutige Kämpfe, die das junge Volk zu streiten hatte, ehe das Land 'in seinem Besitze war und.dieser Besitz eänä'gerrrriaßen gesichert erscheinien 'konnte. So sieht auch die Büfael dlie Lage, wenn sie den Helden, die durch Mut und Tapferkeit den Feirad albwehrten, in begeisterten Schilderungen ihrer Taten Loblieder stingt: dem Helden-Richter Gideon, dem unerschrockenen David, dem Meister der Kraft Simson. Dabei muß beachtet werden, daß 'die Juden nicht sich einseitig der Erziehung zur Wehrhaiftligfceit widmen konnten, sondern in schwerer Arbeit ihr Land bestellen mußten und nur daneben die zur nationalen Behauptung notwendige wehrhafte Ertüchtigung zu betreiben in der Lage waren .Und sie haben'niemals diese Notwendigkeit übersehen. In den ununterbrochenen Kämpfen der Richterzeit und der Zeit der Könige, bis zum Kampfe der Makkabäer und dem Krieg gegen Rom, hat das jüdische Volfc den Beweis seiner körperlichen Kaimpffähigkeit erbracht, eben diese Juden, von denen ein so wenig wohlwollender Schriftsteller wie Tacitus sagte, daß „ihre Körper gesund und an Anstrengungen .gewohnt" seien (Historien V, 6). Aus Papyri wissen wir ferner, daß einer jüdischen MilBtärkolonie in Elephantine der Schutz der ägyptischen Reichsgrenze anvertraut war und Josephus Piavius berichtet uns, daß im Heere Alexanders des Großen ein Jude der beste Schütze war. Freilich, der Sport, wie ihn die Griechen jener Zeit betrieben und wie er in ganz Vorderasien Eingang gefunden hatte, konnte sich in Judäa nicht durchsetzen. Erst als unter der Syrer-Herrschaft der Hellenismus in gewissem Umfange Eingang fand, wurde unter dem Hohepriester Jason um 170 vor der gew. Zeitr. in Jerusalem ein Gymnasion 'gegründet, gegen den Widersatnd der Mehrheit des Volkes. Später entstand eine solche Sportstätte auch unter den Juden des Gatuth-Zenrums Alexandrien und die dortige jüdische Jugend schloß sieh sogar dem Weltsportverband „Herakles" an. Aus dieser Zeit berichtet Josephus von Juda ben Jehonsadab, einem hervorragenden Springer, der Talmud erwähnt einen seiner Gelehrten Simon ben Lakisch, als ehemaligen Gladiator. Hieronymus (ed. Mdigne Band 51b, Seite 1193), der Kirchenvater, benähtet Ende des 4. Jahrhunderts: „Es ist in den Städten Palästinas üblich und wird als alter Brauch in ganz Judäa gepflegt, daß man in den Dörfern, Städten und Festunigen runde Steine von sehr schwerem Gewicht aufstellt, an denen die jüdische Jugend trainiert und die sie zur körperlichen Ertüchtigung steanirmV* Als in dieser Zeit der jüdische Charakter Palästinas völ% verloren 'ging, beteiligten sich die Juden trotz bestehendem rabbinischen Verbots auch an den römischen Zirkussen mit ihren

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