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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-04-15 · 8 (15.4.1937) · p. Seite 170

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
8 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 lern Bestreben, der erschwerten allgemeinen Lage und der Finanzlage .Rechnung zu tragen, und mit den Verbandsmiitteln äußerst haushälterisch umzugehen, sei es wiederuim gelungen, allen wesentlichen Anforderungen zu entsprechen. Der Berichterstatter erwähnte, daß die Gemeinden München und Nürnberg 70% und die GToßgemeinden zusammen: 90% der gesamten Umlagen des Verbandes aufbringen würden. In der angeregten Aussprache ergab sich die allgemeine Anerkennung der Leistungen des Verbandes. Jahresrechnung und Voranschlag fanden einmütige Billigung. Es wurde beschlossen, ein Viertel der Steuereingänge dem Verbände zuzuteilen. In Ergänzung des Berichts des Verbandsschatzmeiisters erläuterte Rechtsrat Dr. Weiler den Sozialetat, seine für die Publizität der Vertbandsarbeit wichtige formelle Aufgliederung sowie den zahlenmäßigen und sachlichen Zusammenhang mit dem Gesamtvoranschlag des Verbandes und mit der Arbeit der jüdischen Zentralstellen. In großen Umrissen wurden auf den Gebieten der Wohlfahrtspflege, der Wirtschaftsbeihilfe, der Berufsumschichtung und der Wanderung, die wichtigsten grundsätzlichen Fragen, ferner die Arbeit im abgelaufenen Jahre und schließlich die Planung für das neue Etatjahr dargestellt. Ein/gehend befaßte sich Dr. Weiler mit der Verlegung und Erweiterung des Lehrlingsheims, mit der Errichtung der Lehrwerkstätten und neuer landwirtschaftlicher Ausbildungszentren und mit der auii Grund der bisherigen Erfahrungen organisatorisch und inhaltlich auszubauenden Betreuung der Klein- und Mittelgemeinden. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. Neumeyer über den Entwurf einer Verfassungsänderung nach den Beschlüssen des Verfassungsausschusses. Die Verfassung vom 1926 habe sich durchaus bewährt und erfordere ungeachtet der veränderten Lage mar wenige durchgreifende Änderunigen. Notwendig sei eine Vereinfachung der Organisation. Es sei nicht mehr möglich, die Tagung mit 76 Abgeordneten auf Grund direkter, geheimer Wahl beizubehalten. In Übereinstimmung mit dem Vertfassurogsausschtuß werde jedoch an dem Zweikammersystem festgehalten, schon tum einer größeren Zahl von Vertretern die Mitwirkung an der Anbeit zu ermöglichen. Dem Entwurf liege der historisch gewachsene Aufbau unserer jüdischen Gemeinschaft zugrunde. Die Organe entsprächen den natürlichen Zellen, den Gemeinden und Rabbinatsbezirken. Die Vertretung der Gemeinden bilde, wie bisher, der Rat mit dem Recht der Exekutive (22 bis 25 Mitglieder). Die Rabbinatsbezirke vertrete der neu gebildete Landesausschluß (20 Mitglieder). Ihm obliege insbesondere die Wahrnehmung der Interessen der Klein- und Mittelgemeinden. Die Mitglieder des Landesaussohusses hätten als Vertrauensmänner ihrer Bezirke auch außerhalb der Sitzungen die Verbindung zwischen den Rabbinatsbezirken und der Verbandsleitung herzustellen. Eine weitere Änderung lieg in der Verstärkung der Rechte des Verbandes gegenüber den in der Auflösung begriffenen Gemeinden im Interesse der Erhaltung des Gemeindegutes für öffentlich-jüdische Zwecke. Entsprechend dem Antrag des Bayerischen Lehrervereins wurde bestimmt, daß dem Landesausschluß auch ein Beamtenvertreter als Mitglied angehören solle. Die Verfassung wurde gleich einer Änderung der Mustersatzungen für die Gemeinden unter allgemeinem Beifall einstimmig angenommen. In seinen abschließenden Worten erklärte der Berichterstatter, daß der Verfassung des „Aufstiegs" nunmehr die Verfassung des „Beharrens" gefolgt sei, die einst wieder zu einer Verfassung „der Erneuerung" fuhren möge. Die Gemeinde Gochsheim bei Schweinfurt wurde als aufgelöst erklärt In der Sitzung vom 22. 3. in der alle jüdischen Mitglieder des Bayerischen Versorgungsverbandes vertreten waren, referierten die Herren Kommerzienrat Rosenzweig und Justizrat Dr. Oestreich in voller Beherrschung der schwierigen Materie über die Fragen des Versorgungswesens und seiner Sicherung für die Zukunft. Der Antrag, aus dem Bayerischen Versorgungsverband unter bestimmten Bedingungen auszutreten, fand nach ausgedehnter Aussprache einmütige Annahme. Die Regelung von Einzelfragen wurde einer Kommission übertragen. Das letzte Referat erstattete Rechtsrat Dr. Weiler über die iüidisch-wirtschaiftliche und soziale Tätigkeit. In seinen mit angespannter Teilnahme aufgenommenen Ausführungen kennzeichnete er eingehend unsere Lage und die daraus sich ergebenden Aufgaben. Die nicht nur aus organisatorischen, sondern aus wichtigsten sachlichen Erwägungen gebotene Arbeitsteilung zwischen den Zentralstellen und den Verbänden fand dabei besondere Würdigung. Unter starkem Beifall bekannte er seine Auffassung, daß früher wesentliche ideologische Auseinandersetzungen heute zurückzutreten hätten angesichts unserer gemeinsannen Not und der Verpflichtung zu gemeinsamer Arbeit, in diesem Sinne dürfe auch unsere Tätigkeit für die jüdische Winterhilfe und für die blaue Karte für Hilfe und Aufbau nicht für sich allein betrachtet werden; sie sei vielmehr nur in dem großen Zusammenhang mit der gesamten Sozialarbeit m werten, als eines der bedeutungsvollsten Mittel zur Erreichung unseres Ziels: Erziehung zu praktischer Mitarbeit, zu freudiger Einordnung und wahrhaftem Opferwillen. An das Referat schloß sich eine Aussprache an.» In seihen Schlußworten dankte Dr. Neumeyer der Tagung bei ihrem tetzten Zusammentritt für die geschichtliche Arbeit, die sie für die jüdische Gemeinschaft in Bayern geleistet habe. Er dankte in •herzlicher Weise seinen Mitarbeitern und gedachte der Toten, auf deren Wirfeen der Verband beruhe, Elias Straus, Justizrat Held, Kommerzienrat Frankel und; Oberlehrer Dingfelder. Er übermittelte die Grüße der Versammlung an Justizrat Hommel in Haifa und Rabbiner Dr. Stein in Frankfurt. Den Dank (für die Veribandsleitung und die Leitajr. des Pfälzer Verbandes erstatteten Geheimrat Dr. Silberschmidt, Rabbiner Dr. Hanover-Würzburg und Rabbiner Dr. Steckelmach er-Ludwigshafen. Diese so inhaltsreiche Versammlung des Verbandes zeigte das Bild einmütiger Geschlossenheit und wechselseitigen Vertrauens, die Sammlung aller Kräfte, um dem Geschehen der Zeit standzuhalten. Aus der Gemeinde München Ausstellung aus dem Zeichen- und Handarbeitsunterricht Unsere Volksschule veranstaltete am 14. und 15. März im .Lessingsaal eine Ausstellung der Arbeiten aus dem Zeichen-, Werk- und weibl. Handarbeitsunterricht des Schuljahres 36/37. Die rege Beteiligung aus allen Kreisen der Gemeinde, nicht nur aus der Elternschaft, hat das allgemeine Interesse bewiesen, das man der Schule entgegenbringt. Auf diese enge Verbundenheit wies auch Herr Oberlehrer Rosenfeld in seiner Eröffnungsansprache hin. Er betonte ferner, daß eine solche Ausstellung den Schülern der unteren Jahrgänge Ansporn sei und denen der oberen Klassen ihre Fortschritte vor Augen führe. Der Vorstand der Isr. Kultusgemeinde. Herr Oberstlandesgeriehtsrat Dr. Neumeyer hob in seinen Ausführungen hervor, daß die Schule der Vorstand schaft besonders am Herzen liege und sie der Entwicklung derselben das größte Interesse zuwende. Besonders erfreulich sei an dieser Ausstellung, daß durch sie der Beweis erbracht werde, daß unsere Jugend auch in manueller Hinsicht ihren Mann stelle. Man sehe, es komme nur darauf an. daß diese Fähigkeit in geeigneter Weise geweckt und gepflegt werde. Herr Rat Neumeyer sprach den Lehrkräften seine volle Anerkennung aus. Die Ausstellung bot in ihrer Gesamtheit ein anschauliches Bild überaus fleissiger und korrekter Arbeiten. Es ist unmöglich, im Rahmen einer kurzen Besprechung auf die Methodik dieser Unterrichtsdisziplineri näher einzugehen. Es sei ideshalb in Kürze folgendes gesagt: aus den Zeichnungen war ersichtlich, wie im Zeichenunterricht außer dem Jeihrplainimäßigen, auch das jüdische Stoffgebiet besonders gepflegt wird. Man konnte bei aufmerksamer Betrachtung genau den methodischen Entwicklungsgang vom 5. Scnülerjahrgang ab verfolgen. Ob es sich um rund- oder gradlinige einfache Zeichnungen, hebräische oder deutsche Schriftübungen, Darstellungen aus dem Vorstellungszeichnen religiöser oder profaner Motive, Pinselzeichniungen, Scherenschnitte oder Fensterbilder des 5. -und 6. Jahrganges, oder ob es sich um die schwierigeren Darstellungen der oberen Klassen aus dem Raum- und Werkzeichnen, Plakate usw. handelt, alles in allem: es wurden hervorragende Arbeiten gezeigt. In gleicher Weise gestatteten auch die ausgelegten, wohlgelungenen, in schönen ausgeglichenen Farbtönen hergestellten Handarbeiten einen Einblick in die erfolgreich geleistete Arbeit und ließen erkennen, wie die Schülerinnen angehalten wurden, sich an eigenen Mustern und Entwürfen über das Pflichtimaß hinaus zu versuchen.

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