Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- Seite 169 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2728075-2728083--11137-2744548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fltedfcfc§ten6M unäöc^Öerbonfle^l&oyenf^et^ftaeljtjft^ecißememöen Erscheint am \. u. 15. jeden Monats.—Verlag:B.Heller, München, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XIII. Jahrgang MUnchen, 15. April 1937 Nr. 8 Inhalt: Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Aus der Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München — Staatszionistische Organisation, Ortsgruppe München — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus der Pfalz — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Itus" — Kultusgemeinde München (Lehrhaus) — Jfid. Kulturbund in Bayern. Ortsgruppe München — Amtlicher Anzeiger: Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Religionsunterricht — Bekanntmachung betr. 9. Schuljahr — Personalia. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Annahme einer neuen Verfassung Rat und Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden versammelten sich am 21. und 32. März 1937 in München zu Beratungen unter .dem Vorsitz von Geheimrat Dr. Silberschmidt. Dieser eröffnete die Tagung mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Erhaltung und Kräftigung unserer Gemeinden, sowie der Ausbildung und Umschichtung unserer Jugend. Er beglückwünschte die Jubilar« der Versammlung, insbesondere den Präsidenten des Rats, Oberstlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r zu seinem 70. Geburtstag. Von stürmischem Beifall begrüßt, nahm Dr. Neumeyer das Wort und schloß seine Dawkesworte für die Glückwünsche mit Bertha Papperaheims Devise „Nach getaner Arbeit ist gut — arbeiten!" Dr. Neumeyer erstattete nunmehr den Arbeitsbericht. Er führte aus: Die Zahl der Juden in Bayern, die 1933 noch 421000 betragen habe, belaufe sich heute auf wenig mehr als 30 000. Der Voranschlag 1937/38 und die Jahresrechnung 1936/37 ergäben kein unfreundliches Bild. Es sei jedoch zu beachten, daß in den Einnahmen der Jahresrechnung die Nacherhebunigen von 1934 und 1935 enthalten seien, die nicht wiederkehrten. Für das laufende Geschäftsjahr sei unserem Antrag auf Erhöhung des Zuschlags zu der Einkommensteuer von 12% auf 15% stattgegeben worden. Seit der letzten Tagung seien die Rabbinatsbezirke Bayreuth- Neumarkt und Regensburg vereinigt worden. Rabbiner Dr. Salomon habe seinen Amtssitz nach Regensburg verlegt. Erledigt seien die Rabibinatsbezirke Kitzinger durch das Ableben von Dr. Wohlgemuth, Ansbach durch Berufung von Dr. Münk nach Paris und Ichenhausen durch Berufung des Rabbiners Schwab nach Baltimore. Uber die Zusammenlegung der Bezirke Kitzingen und Ansbach bestehe grandsätzlich Einigkeit Nur zwingende äußere Umstände könnten die Aufhebung eines Rafobinats rechtfertigen, denn die Bedeutung des Ratobinats als Mittelpunkt der religiösen und seelsorgerischen Tätigkeit im weitesten Sinne sei heute größer als je. Von sozialen und kulturellen Aufgaben des Verbandes erwähnte Dr. Neumeyer die bevorstehende Errichtung von Lehrwerkstätten für Mechaniker, Elektromechaniker und Tischler in München, mit einem Bestand vtoro zunächst 40 Lehrlingen. Der Verband habe auch das Lehrlinigsbeim in Münohen übernommen. Dem bisherigen Leiter, Dr. Weil, der einem ehrenvollen Rufe nach New York gefolgt sei, werde der herzlichste Dank für seine ausgezeichnete pädagogische Arbeit ausgesprochen. Dr. Neumeyer erwähnte weiter das Lamdesheim Würzburg, das Altersheim München, die Bäte Chaluz Fischach und Regensiburg und die geplante Mittlere Hachschara in Neuesting mit 25 Zöglingen. In Aussicht genommen sei auch ein landwirtschaftliches Ausbilidiungszentruim in Buttenwiesen bei Augsburg. Die Jüdische Winterhilfe habe, von den blauen Karten abgesehen, dank der Bemühungen in den Groß- und Mittelgemeinden, ein recht gutes Ergebnis gezeitigt. Der Verband habe den Wanderbüchereibetrieb aufgenommen und beabsichtige an Orten, die keinen Anschluß an dien Kulturbund hätten, sogenannte Kulturfahrten durch Veranstaltung von Konzerten und Vorträgen im Benehmen mit den zuständigen Raibbinaten durchzuführen. Im 'besonderen Maße hätten) die Jugendführerkurse und Lernwochen befriedigt, die zusammen mit der Mittelstelle für Erwachsenenbildung in Frankfurt veranlaßt worden seien. Für die Fleischversorgung werde gesorgt, in bescheideniem Maße auch für die Notgemeinschaft der jüdischen Wissenschaft. Es werde dringend gebeten der jüdischen Wissenschaft im Reiche, die bis' zuletzt führend in der Welt gewesen sei. private Mittel zur Verfügung, zu stellen. Die Aufgaben unserer Gemeinschaft auf geistigem Gebiete 'durften in 'keiner Weise vernachlässigt werden. Der Redner dankte den Rabbinern und Lehrern für die Gefangenenfürsorge im Lande. Er brachte die innerste Anteilnahme, des Verbandes an der Bahre im heiligen Lande zum Ausdruck und kam sodann eingehend auf die Arbeit der Reichsvertretung zu sprechen. Er gab einen zusammenfassenden Überblick über den Haushalt und seine Deckung und die Weiterbildung der Organisation durch Einsetzung eines Rats, in dem die Landesverbände und Gemeinden verstärkten Einfluß hätten. Er erklärte, daß der Bayerische Landesverband, wie die übrigen süddeutschen Verbände, eine feste Stütze der Reichsvertretung bilden würden. Im Januar dieses Jahres habe in der Versammlung des großen Rats des Preußischen Landesverbandes der Präsident ausgeführt, daß eine nooh immer nicht voll überwundene Auffassung der süddeutschen Verbände eine dem wirklichen Kräfteverhältnis entsprechende Vertretung des Preußenverbandes im Rate der Reichsvertretung verhindert habe. Demgegenübr sei doch zu sagen, daß es im jüdischen Gesamtinteresse liege, daß die jüdischen Mittelpunkte im Reiche in ihrer kulturellen und rechtlichen Eigenart erhalten blieben und daß hier nicht die Zahl entscheidend sein könne. Aus einem Bund der Landesverbände zusammen mit den Organisationen sei die ReiGhsvertretung erwachsen und nur auf wechselseitiges Vertrauen könne ihre Arbeit gegründet werden. Diese Ausführungen fanden die einmütige lebhafte Zustimmung der Versammlung. Der Redner beendete seinen umfassenden Bericht mit dem Hinweis, daß gegenüber den Begebenheiten der Zeit ein ungeheures Maß geschichtlicher Energie entfaltet werden müsse. Der Weg führe über die Erfüllung der Forderung des Tages und der Tag sei so zu betrachten, als ob er uniendKch lange dauern würde. Kommerziehrat Ludwig R o s e n z w ei g berichtete eingehend zur Jahresrechnung 1936/37 und zum Etat 1937/38. Bei al-